Marc Henry

Marc Henry, eigentlich: Achille Georges d’Áilly-Vaucheret (* 1873 in Paris; † 1943) war ein Kabarettist, Chansonnier, Opernlibrettist und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Marc Henry war eine der Schlüsselfiguren des frühen Kabaretts. Er war Mitbegründer der Elf Scharfrichter in München. In Wien gründete er zusammen mit Marya Delvard das Kabarett Nachtlicht (1906) und das Kabarett Fledermaus (1907). Danach absolvierte er zahlreiche Tourneen mit Marya Delvard durch Deutschland und Frankreich. Er sang französische Chansons, Balladen, Eigenkompositionen und Volkslieder aus früheren Jahrhunderten, die er zusammentrug bzw. im alten Stil selbst verfasste und im Scharfrichter-Verlag (später an Friedrich Hofmeister übergegangen) als Notenhefte herausgab. Er sang Pariser Chansons wie La Ballade des trois Gosses, Le Testament de Pierrot und La Berceuse bleue von Gabriel Montoya aus dem Repertoire der Yvette Guilbert. Bei den französischen Volksliedern, wie La Légende de St. Nicolas, oder den Chansons légères et galantes begleitete sich Henry meist selbst auf der Laute. Französische Soldatenlieder trug er in einem echten Zuavenkostüm vor.

Henrys 1897 entstandenes verlorengegangenes Drama Les yeux morts bildete die Vorlage für die Oper Die toten Augen (UA 1916) von Eugen d’Albert, für die er gemeinsam mit Hanns Heinz Ewers das Libretto verfasste. Für die Oper Ivas Turm (UA 1926) von Ernst von Dohnányi arbeitete Henry erneut mit Ewers als Librettist zusammen.

Werke

  • mit Hanns Heinz Ewers: Joli Tambour! Das französische Volkslied. Neues Leben, Berlin 1911.
  • mit Hanns Heinz Ewers: Die toten Augen. Bühnendichtung (Oper). Musik (1912/13): Eugen d’Albert. UA 1916.
  • Au pays des maitres-chanteurs. Payot, Paris 1916.
  • Trois villes: Vienne – Munich – Berlin. Payot, Paris 1917.
  • Marc Henry, Beyond the Rhine. Memories of art and life in Germany before the war, Dodd Mead and Company, New York, 1918.
  • mit Hanns Heinz Ewers: Ivas Turm. Bühnendichtung (Oper). Musik (1926): Ernst von Dohnányi. UA 1926.

Stimmen über Marc Henry

„M. (die Abkürzung hieß früher Monsieur, später Marc) Henry leitete mit großem Geschick das Unternehmen, indem er als Conférencier in einem außerordentlich gepflegten gebrochenen Deutsch jeden von uns den Gästen vorstellte, sie milde auf unsere Eigenheiten vorbereitete und beispielsweise von mir, da ich mit brennender Zigarre auf dem Podium zu stehen pflegte, versicherte: ‚Er ist das Prototypus von eine Berliner Bohemien; er kann rauchen, wie wenn nichts wäre.’“

Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen, Wiener Episode, Aufbau Taschenbuch Verlag, 1927.

„Henry, ein fabelhaft gesprochenes Deutsch sprechend, in einem endlos langen Gehrock, das lockige Haupt mit dem schön gedrehten Schnurrbart von einem ungeheuren Kragen in die Höhe geschraubt, hielt die Einführungsconférence. Lieblich lächelnd, mit kleinen, runden, erläuternden Handbewegungen, legte er den Kabarettgedanken dar. Und er schloß seine Rede mit dem triumphierenden Satz: ‚Und jetzt, meine serch vererchte Herrchschaften, wirch können sagen: von heute an hat Wien die erchste Cabaret.’“

Richard Wiener: Das klassische Kabarett. In: Die Bühne Nr. 111, 23. Dezember 1926.

Literatur

  • Michael Buhrs, Barbara Lésak, Thomas Trabitsch: Kabarett Fledermaus. Ein Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2007, ISBN 3-85033-082-6.
  • Eckart Früh (Hg), Noch Mehr. Der doppelt geprügelte Fackel-Kraus, Wien, Juni 2006: http://www.damaschke.de/kk/nochmehr.php.
  • Karl Kraus, Die Fackel 201, über die Auseinandersetzung Marc Henry – Karl Kraus um Marya Delvard, die mit einer Prügelszene im Casino de Paris und darauffolgenden Gerichtsprozessen endete.
  • Revue Franco-Allemande / Deutsch-Französische Rundschau : Fondée à Munich en 1897 par Marya Delvard, M. Henry, Fritz Holl, J.G. Prod'homme. Continuée à Munich en 1964 par Marya Delvard, Fritz Holl, Hans K.E.L. Keller sous les auspices de la Société Franco-Bavaroise, Bayerisch-Französische Gesellschaft, Verlag der Grotius-Stiftung, München, 1964.
  • Hans-Gerd Koch (Hrsg.): Franz Kafka. Tagebücher Band 1: 1909–1912 in der Fassung der Handschrift. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1994, S. 149 f. (online (Version vom 16. August 2010 im Internet Archive))

Weblinks