Marie von Mecklenburg-Schwerin

Marie von Mecklenburg-Schwerin um das Jahr 1890

Marie Antoinette, Herzogin von Mecklenburg-Schwerin (* 11. Dezember 1856 in Wien; † 9. Juli 1929 in Ludwigslust) war eine deutsch-österreichische Archäologin.

Biografie

Marie, Prinzessin von Windisch-Grätz, war Tochter von Prinz Hugo von Windisch-Grätz von Österreich und Herzogin Luise von Mecklenburg-Schwerin. Nach dem frühen Tod der Mutter, als Marie drei Jahre alt war, wuchs sie mit ihrer Schwester zeitweise am Hof des Onkels in Schwerin auf. Nähere Angaben zu ihrem frühen Leben und ihrer Ausbildung sind nicht bekannt. 1881 heiratete sie Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, einen ihrer Cousins. Das Paar lebte auf Schloss Ludwigslust und bekam fünf Kinder, von denen zwei schon in jungen Jahren verstarben. Die Familie reiste viel, wodurch eins ihrer Kinder in Algerien, Marie Antoinette in Venedig zur Welt kam. Nachdem Maries Vater 1904 verstarb, zog sie mit ihrer Familie nach Krain, und lebte auf Schloss Wagensberg (Schloss Bogenšperk). Hier entwickelte sich Maries Interesse für die Vorgeschichte Krains, möglicherweise hatte sie auch schon früher Interesse an Prähistorie. Im Alter von 49 Jahren begann sie mit Ausgrabungen in der Umgebung ihres Schlosses. Dabei förderte sie diverse Zeugnisse vor allem der Krainer und slowenischen Eisenzeit zutage. Dabei ging sie mit wissenschaftlicher Genauigkeit vor, was sie von den vielen anderen adeligen Schatzgräbern der Zeit unterschied. Marie war die erste Frau, die planmäßige, organisierte Ausgrabungen in der Region durchführte. Zu den Grabungsorten gehören mehrere noch heute wichtige Fundorte wie Stična, Magdalenska Gora, Vinica und Hallstatt.

Marie leitete die Ausgrabungen nicht nur, sie nahm, was Fotografien beweisen, auch aktiv an den Grabungen teil, die unter anderem von ihrem Cousin Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. finanziert wurden. Als Gegenleistung erhielten sie einige der spektakulären Fundstücke als Geschenk. Ihre Grabungen, insbesondere legte sie etwa 600 Gräber frei, wurden dokumentiert und sind nach modernen Gesichtspunkten für die damalige Zeit als durchaus gut zu beurteilen, wurden zudem im Laufe der Zeit immer besser. Ein Großteil der Aufzeichnungen gingen im Zuge der Weltkriege verloren. Moderne Methoden und Erkenntnisse, etwa die des Geschlossenen Fundes waren ihr bekannt. So wurden Grabfunde geschlossen geborgen, exakt beschrieben und aufbewahrt. Nach den Grabungstagebüchern war der Tagesablauf streng festgelegt. Jeden zweiten Tag arbeitete Marie vor Ort von 9.00 Uhr morgens bis Sonnenuntergang mit. Ihr assistierte ein Sekretär, der sich um die schriftlichen Arbeiten kümmerte und die zwischen zehn und 90 Arbeiter anwies. In den späteren Jahren beschäftigte sie professionelle Zeichner und Fotografen. Sie stand mit archäologischen Größen ihrer Zeit, so Oscar Montelius oder Joseph Déchelette, in brieflicher Verbindung. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste Marie mit ihrer Familie Krain verlassen und nach Schwerin zurückkehren. Da der Nachlass nicht erhalten ist, ist nicht bekannt, ob sie sich auch dort noch archäologisch betätigte oder ihr Interesse vorrangig den eigenen Wurzeln galt. Nach dem Krieg gab die jugoslawische Regierung die Funde zurück, doch die Erben Maries, insbesondere Tochter Marie Antoinette, mussten sie aus Geldnot in New York City versteigern, weshalb sie heute über mehrere Museen verteilt sind.

Marie war wie ihre Söhne Paul Friedrich und Heinrich Borwin begeisterte Leserin von Karl Mays Büchern. Mit ihnen besuchte sie May einmal in Radebeul.

Literatur

  • Viola Maier: Die Herzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin (1856-1929). In: Julia K. Koch, Eva-Maria Mertens (Hrsg.): Eine Dame zwischen 500 Herren. Johanna Mestorf, Werk und Wirkung. Waxmann Verlag 2002
  • Andrea Rottloff: Archäologen. Philipp von Zabern, Mainz 2009, ISBN 978-3-8053-4063-2 (Die Berühmten), S. 87–89