Otto Christandl

Otto Christandl

Otto Christandl (* 28. Mai 1909 in Bruck an der Mur; † 21. Juni 1946 in Graz) war ein österreichischer Politiker (parteilos oder NSDAP).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Frühes Leben (1909-1938)

Nach dem Besuch der Volksschule und der Bürgerschule in Bruck an der Mur wurde Christandl an der Lehrerbildungsanstalt in Graz ausgebildet. Um 1930 schloss er sich der österreichischen NS-Bewegung an. Vor dem Verbot der NSDAP in Österreich betätigte er sich in dieser als Gauredner, während des Verbotes beteiligte er sich an der Reorganisation der Partei im Untergrund und übernahm Aufgaben als Kreisleiter und als Gauleiter in der Steiermark.

Aufgrund seiner politischen Tätigkeit wurde Christandl mehrmals vom Schuldienst suspendiert und am 24. November 1937 vor dem Landgericht (der Steiermark?) wegen Hochverrats angeklagt. Aufgrund einer Amnestie wurde er jedoch bald wieder in Freiheit gesetzt.

Leben nach dem „Anschluss“ und Zweiter Weltkrieg (1938-1945)

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich im März 1938 übernahm Christandl erneut die Führung der NS-Bewegung in der Obersteiermark. Außerdem übernahm er das Amt des provisorischen Bezirkshauptmanns und später das Amt des Bezirksschulinspektors von Leoben.

Von Mai 1938 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 saß Christandl als Abgeordneter im nationalsozialistischen Reichstag, in dem er das Land Österreich vertrat.

Ob Christandl jemals der NSDAP beitrat ist nicht völlig geklärt: Das Reichstagshandbuch für die 1938 beginnende Wahlperiode weist ihn als parteilos aus. Seine politische Tätigkeit für die NSDAP lässt es indessen als höchst unwahrscheinlich erscheinen, dass er ihr niemals angehört hat.

Als Kreisleiter von Leoben und Kommandant des Eisenerzer Volkssturmes war Christandl einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker am Präbichl Pass, bei dem am 7. April 1945 über 250 ungarischen Juden auf einem Todesmarsch in Richtung KZ Mauthausen ermordet wurden .[1]

Prozess und Hinrichtung (1945/1946)

Im April 1946 wurde Christandl im Rahmen der Eisenerz-Prozesse von einem britischen Militärgericht wegen des Massakers von Präbichl zum Tode verurteilt. Dass das Todesurteil vollstreckt wurde, scheint sicher.[2] Lilla gibt als wahrscheinlichen Tag der Hinrichtung den 21. Juni 1946 an.[3]

Literatur

  • Daniel Blatman: Die Todesmärsche der KZ-Häftlinge. Das letzte Kapitel des nationalsozialistischen Massenmords. Deutsche Übersetzung von Markus Lemke. Rowohlt, Reinbek, 2011, 864 Seiten. ISBN 9783498021276
  • Joachim Lilla u.a. (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945, Droste Verlag, Düsseldorf 2004, S. 79. ISBN 3-7700-5254-4.
  • Joachim Lilla: Die Stellvertretenden Gauleiter und die Vertretung der Gauleiter der NSDAP im "Dritten Reich, Koblenz 2003, S. 27.
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich, Arndt, Kiel 2000. ISBN 3-88741-116-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Daniel Blatman: „Die Todesmärsche 1944/45.“ S. 357
  2. Günter Bischof: Austria in the European Union, 2002, S. 305.
  3. Joachim Lilla: Die Stellvertretenden Gauleiter und die Vertretung der Gauleiter der NSDAP, 2003, S. 27.