Rolf Deyhle

Rolf Deyhle (* 3. Oktober 1938 in Stuttgart, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Unternehmer, Kunstsammler und Kunstmäzen.

Deyhle lebt heute bei Stuttgart, ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Steuerexperte

Mit 16 Jahren begann Rolf Deyhle eine Ausbildung in der Stuttgarter Finanzverwaltung. [1] Er gab allerdings die sichere Beamtenstelle später auf und machte sich 1963 selbstständig. Mit 24 Jahren entwickelte Deyhle das als so genanntes „Bauherrenmodell“ bekannt gewordene Steuersparmodell. [2] Zehn Jahre führte Deyhle eine Wirtschafts- und Steuerberatungskanzlei, die er 1973 auf einen führenden Mitarbeiter übertrug.

FIFA-Geschäfte

1977 entwarf er das bis heute gültige FIFA-Emblem „Fußball umspannt die Welt“. [3]Zusammen mit Horst Dassler (adidas) und dem heutigen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter baute Deyhle die weltweite Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaften auf. Dieser Ausbau der Vermarktung wurde gegen den damaligen Fifa-Präsidenten João Havelange umgesetzt.[4] Ebenfalls 1977 (bis einschließlich 1994) sicherte sich Deyhle die weltweiten Vermarktungsrechte aller im Zusammenhang mit der FIFA (und dem Deutschen Fußball-Bund) stehenden Zeichen, Symbole und Designs.

Deyhle entwarf auch die Fairplay-Trophy der FIFA, den Sport-Billy. „Der Spiegel“ schreibt hierzu: „Der Stuttgarter verdiente an jedem Maskottchen, das etwa bei der WM in Italien auf T-Shirts, Biergläsern oder Aschenbechern prangte. Auch wenn das von Deyhle entworfene FIFA-Emblem oder der FIFA WM-Pokal irgendwo auf dem Globus gedruckt wurde, kassierte der Multiunternehmer. Sein größter Erfolg war Billy. Die pummelige Comic-Figur allein hat ihrem Mentor und Lizenzbetreiber Deyhle ein Vermögen eingebracht. Billy war der Star einer Trickfilmserie, die in über 100 Ländern ausgestrahlt wurde.“ [5] Auch für den Welt-Leichtathletik-Verband und den Internationalen Skiverband (FIS) vermarktete Deyhle seine Comic-Figur, ebenso das weibliche Pendant, die Sport-Lilly.

Vom FIFA World Cup gibt es derzeit weltweit nur zehn Nachbildungen in Gold und Malachit. Neun der 36 Zentimeter hohen und fast fünf Kilogramm schweren Pokale stehen bei verschiedenen Fußball-Weltmeistern. Deyhle ist die einzige Privatperson, die diesen mit Edelsteinen verzierten Pokal aus 18-karätigem Gold seit den 1970er Jahren besitzt. Diesen wollte Deyhle im Juni 2006 für eine zweistellige Millionensumme versteigern lassen und den Erlös an seine sechs Kinder weitergeben.[6] Doch die FIFA widersetzte sich erfolgreich diesem Plan.

Immobilien- und Luftverkehrunternehmungen

Parallel investierte der Stuttgarter in Wohn-, Freizeit- und Gewerbeimmobilien. 1976 eröffnete er das Golfhotel am Wörthersee. Das Haus war die Wiege der „Franz-Xaver-Mayr-Kur“. Er baute Hotels, Wohnsiedlungen, Yachthäfen und wurde zum größten Golfplatzbauer der Republik, etwa auf der Stolper Heide bei Berlin, Idstein bei Frankfurt am Main oder am Bodensee. Ende der 1980er Jahre gehörte Deyhle auch eine Fluggesellschaft: Die „Luftfahrzeug Finanz AG“. Das Konzept: Deyhle kaufte kleine Maschinen und vermietete sie an Geschäftsleute.

Musical-Unternehmungen

1988 stieg Rolf Deyhle in die Musicalbranche ein, Partner war Friedrich Kurz, der in Hamburg erstmals mit Cats seit Mitte der 1980er ein Musical gezeigt hatte. Rolf Deyhle und Friedrich Kurz bauten hierzu die Stella AG auf. Musicals wie „Cats“, „Das Phantom der Oper“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Miss Saigon“ sprachen ein Millionenpublikum an und sorgten für einen neuen Unterhaltungsboom. Hilfreich war hierbei, dass die Stella AG die Deutschlandlizenzen für diese Stücke besaß und damit ein Monopol über diese Musicals innehatte. 1991 kam es zum Streit zwischen den Partnern und Deyhle zahlte Kurz aus.[7]

In Stuttgart errichtete Deyhle für den Musicalbetrieb für rund 400 Millionen Euro das SI-Centrum und entwickelte ein eigenes Entertainment-Konzept: Erlebnisgastronomie mit Themenrestaurants, Casinos, Freizeitbädern, Kino und Theater unter einem Dach. „Rund 1000 Mark (500 Euro) gibt ein Ehepaar im Durchschnitt aus, das sich in Stuttgart das Deyhle-Musical ,Miss Saigon‘ ansieht.“[8] Davon entfielen dank dieses Cross-Selling-Angebots lediglich 30 Prozent auf das Theater, die übrigen 70 Prozent erzielten Gastronomie, Hotels und Freizeitangebote. Ähnlich funktionierte die Strategie bei „Starlight Express“ in Bochum, dem Flora-Theater in Hamburg, dem Colosseum Theater in Essen und anderen Varieté-Theatern.

Für die Musicals baute Deyhle ein Marketing- und Vertriebssystem auf. Durch den Verkauf von Ticket-Kontingenten an Busunternehmer erreichte er Menschen aus ganz Deutschland. So organisierte er Fahrt und Unterkunft gleich mit. Zudem führte er das Teleticketing ein. „Immobilien als Basis, Musicals zum wachsen“, zitierte die Stuttgarter Zeitung seine Strategie. [9]

Zur leichteren Finanzierung der Musicaltheater wurde zur Errichtung ein eigener Immobilienfonds, der Dreiländerfonds unter dem Dach der Firma „Kapital-Consult“ eingerichtet. Stella ließ die Musicaltheater erbauen und verkaufte diese an „Kapital-Consult“. Teilweise wurden für die Errichtung auch auf Fördergelder der öffentlichen Hand zurückgegriffen[10] Stella mietete dann die Spielstätten. Anteile an dem Immobilienfonds wurden bundesweit über den „Allgemeinen Wirtschaftsdienst“ (AWD) vertrieben. Die Anlage war jeweils auf 30 Jahre angelegt und die Mieteinnahmen an den Erfolg der Musicals geknüpft. Als die Mietforderungen nicht mehr bedient werden konnten, wurden die Forderungen mit Aktien der „Stella AG“ beglichen, wodurch die Investoren noch mehr vom Erfolg des Unternehmens abhängig wurden.[11]

Kino-Center-Unternehmer und Filmproduzent

Auch bei Kinoprojekten war Deyhle beteiligt. Zusammen mit seinem Partner Hans-Joachim Flebbe ließ er CinemaxX-Superkinos in vielen deutschen Großstädten bauen. Inzwischen stehen 37 Multiplex-Kino-Center mit 322 Leinwänden und 85.000 Sitzplätzen unter den Markennamen CinemaxX und MaxX in 30 Städten. 2005 verzeichneten sie etwa 16 Millionen Zuschauer. Deyhle hält jedoch seit 1998 an dem Unternehmen keine Anteile mehr.

Deyhle ließ nicht nur Filme zeigen, er finanzierte auch Projekte und wurde zu einem Filmproduzenten. Er produzierte Filme wie „JFK“ mit Kevin Costner, „Falling Down“ mit Michael Douglas, „Sommersby“ mit Jody Foster und Richard Gere, „Two Bits“ mit Al Pacino oder „Die unendliche Geschichte“. „Gemeinsam mit seinem Freund Bodo Scriba fädelte er das größte Filmgeschäft ein, das es jemals zwischen USA und Europa gegeben hat“, bemerkte das Hamburger Abendblatt. [12]

Mitte der 1990er Jahre arbeiteten mehr als 10.000 Menschen für Deyhle, etwa 7.000 davon für Stella. Während dieser Zeit war der Medien-Tycoon Leo Kirch sein schärfster Konkurrent. Deyhle und Kirch kämpften mit harten Bandagen um Film- und Medienrechte, die für beide einen lukrativen Geschäftszweig darstellten. „Mitte 1990 hatte die Scriba & Deyhle OHG bereits 1000 Filme und 600 TV-Serienstunden im Angebot.“ [13]

Krise Ende der 1990er

1998 folgte eine Krise. Der Börsengang der Stella AG scheiterte, da Banken das Unternehmen nicht eindeutig bewerten konnten. Dies lag zum einen an der komplizierten Firmenstruktur, zum anderen wussten die Banken nicht, wie sie Deyhles Rechte und Lizenzen bewerten sollten. Dazu bemerkt der Spiegel: „Den Wert eines Hotels oder einer Maschine kann man bewerten, was aber sind Deyhles Lizenzrechte an Walt-Disney-Musicals wert?“[14] Zusätzlich fiel der Marktanteil der Stella AG von 100 auf gut 50 Prozent der Sitzplätze. [15]

Weil aber gleichzeitig große Summen in Immobilienprojekten in den neuen Bundesländern gebunden waren, fehlte das Geld, um aufgenommene Kredite zu bedienen. Deyhle war daher gezwungen, die Stella und alle Anteile an seiner Immobilienfirma Instag AG zu verkaufen. Um weitere liquide Mittel zu erhalten, verkaufte er auch seine Beteiligung an der CinemaxX-Kette und an den Filmproduktionsfirmen. Zudem veräußerte er Gemälde seiner Kunstsammlung, unter anderem das „Portrait von Dr. Fritz Glaser“ von Otto Dix. Allein dieses Kunstwerk wurde bei Sotheby’s Ende 1999 für rund 5,5 Millionen Euro in London versteigert.[16]

Die Insolvenz der Stella erfolgte erst mehr als ein Jahr nach Deyhles Ausstieg. Inzwischen ist der Musical-Betrieb jedoch wieder profitabel, nachdem am 1. April 2000 die Stage Holding von Joop van den Ende durch ein Tochterunternehmen die Stella AG übernommen hatte.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf und der Sanierung der Stella AG wurde auch die Staatsanwaltschaft tätig. Sie verdächtigte Deyhle der Untreue im Zusammenhang von Aktienverkäufen an die Landeskreditbank. Im Rahmen der Ermittlungen wurden im Herbst 2003 bundesweit Wohn- und Geschäftsräume Deyhles durchsucht und sein Privatvermögen bis Ende Juni 2004 eingefroren. Die Ermittlungen wurden allerdings eingestellt. Das Landgericht Mannheim erkannte ihm für durch die Ermittlungen erlittene Nachteile einen Schadensersatzanspruch dem Grunde nach zu. Nach der Auffassung Deyhles sollte dadurch "auch dem letzten Zweifler klar geworden sein, dass die damaligen Aktionen der Ermittlungsbehörden gegen meine Familie und mich jeder Grundlage entbehrten"[17]

Auszeichnungen

  • 1999 Emmy-Award. Für den Film „The Island On Bird Street“ als bislang einziger deutscher Produzent.

Derzeitige Betätigung

2006 produzierte Deyhle in den USA „Black Dahlia“ mit Hilary Swank in der Hauptrolle. Sein gerne von der High Society frequentiertes Golfhotel am Wörthersee feierte 2006 das 30-jährige Bestehen. Deyhle ist außerdem weiter auf dem Markt für alternative Heilungskonzepte aktiv und unterstützt Angebote zur Verbreitung der Traditionellen Chinesischen Medizin. Deyhle engagiert sich zudem als Mäzen und Sponsor bei kulturellen und caritativen Anlässen. Er sichert beispielsweise den Bau eines Krankenhauses in Somalia und unterstützt das Goethe-Institut in New York City zur Förderung des deutsch-amerikanischen Kulturaustauschs.

Kunstsammlung

Bereits in jungen Jahren zeigte sich Deyhles Interesse an Kunst. Mit dem ersten Verdienst kaufte er etwa seine erste gotische Madonna. Sie war der Grundstein für eine umfangreiche Sammlung. Ein weiterer Schwerpunkt des Sammlers ist die Malerei. Heute zählen viele Werke von Künstlern wie Otto Dix, Pierre-Auguste Renoir, Oskar Schlemmer, Willi Baumeister, Adolf Hölzel, Karl Hofer, Paul Kleinschmidt, Robert Breyer, Karl Hubbuch oder Adolf Fleischmann zu seiner umfangreichen Sammlung. Teile dieses Kunstschatzes waren vielfach im Rahmen von Ausstellungen rund um die Welt zu sehen. Im Februar 2006 etwa ließ er einen nie zuvor ausgestellten Renoir aus seiner Sammlung zeigen. Deyhle stellte das Gemälde der Staatsgalerie Stuttgart als Dauerleihgabe zu Verfügung. „Die Dame im Pelz“, ein frühes Werk Renoirs, gilt als Missing Link zwischen der klassischen und der impressionistischen Schaffensphase des Künstlers.

Quellen

  1. Forbes Magazin, 1/95
  2. Wirtschaftswoche, 1996
  3. die tageszeitung vom 8. Juli 2006
  4. Der Spiegel vom 28. Mai 2006 [1]
  5. Der Spiegel vom 22. April 1991
  6. Manager Magazin vom 9. Juni 2006 [2]
  7. Das Sonntagsblatt vom 1. Dezember 1995 [3]
  8. Der Spiegel, Heft 38, 1997
  9. Stuttgarter Zeitung vom 9. Januar 1995
  10. Berliner Zeitung vom 4. Oktober 1997 [4]
  11. „Markt“, WDR vom 8. März 1999 [5]
  12. Hamburger Abendblatt vom 14. November 1992
  13. Who is Who Magazin, 1995
  14. Der Spiegel vom 30. März 1998
  15. Stuttgarter Zeitung vom 30. April 2002 [6]
  16. Berliner Morgenpost vom 8. Oktober 1999
  17. Bietigheimer Zeitung vom 21. März 2006 [7]
  18. Homepage des Landes Kärnten [8]

19. Kugler, Roland: Der Filderpate, Stuttgart 2008

Weblinks