Seniorat (evangelisch)

Ein Seniorat ist eine Gliederungsebene der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, die mehrere Pfarrgemeinden umfasst und zwischen der untersten Ebene Pfarrgemeinde und höheren Ebene Superintendentur (Diözese) steht, und einen Senior an der Spitze hat, im Unterschied zu beiden genannten Ebenen hat das Seniorat aber nicht den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Die meisten Diözesen der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich sind in zwei Seniorate gegliedert, im Ausnahmefall drei.

Im Unterschied zum römisch-katholischen Dekan hat der Senior kein Visitationsrecht sondern ist ständiges Mitglied des Superintendentialausschusses, und soll dort die Interessen seiner Gemeinden vertreten. Im Krankheitsfall oder anderer Verhinderung vertritt der Senior den Superintendenten und darf dann ein kleines Brustkreuz (Pektoral) tragen.

Die Senioriate haben seit 1945 immer mehr an Bedeutung verloren, da durch die Freiheit von staatlicher Bevormundung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs pro Bundesland eine Superintendentur (Ausnahme Vorarlberg, das zur evangelischen Kirche H.B. in Österreich gehört) gegründet werden konnte, also ehemalige Seniorate in vollwertige Diözesen umgewandelt werden konnten.

Trivia

Der Titel „Senior“ zieht für die so gewürdigten eine endlose Kette innerkirchlicher Witze nach sich, beginnend mit „so alt sind's ja noch gar nicht” über die beliebte Bezeichnung „Seniorita“ für weibliche Senioren, die aber juristisch richtig auch nicht mit „Frau Seniorin“ sondern schlicht mir „Frau Senior“ angesprochen werden.

Literatur

  • Kirchenverfassung. In: Evangelischer Oberkirchenrat A.B. (Hrsg.): Sammlung der Kirchengesetze der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich., laufend (Stand 08/2008).
  • Peter F. Barton: Evangelisch in Österreich. Reihe Studien und Texte zur Kirchengeschichte und Geschichte, zweite Reihe, Band XI, Wien-Graz-Köln 1987.