Sighard Neckel

Sighard Neckel

Sighard Neckel (* 25. Oktober 1956 in Gifhorn) ist ein deutscher Soziologe. Seit dem Wintersemester 2011/12 ist er Professor für Soziologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Zugleich ist er Mitglied der Leitung des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Neckel studierte Soziologie, Rechtswissenschaften und Philosophie an der Universität Bielefeld und an der Freien Universität Berlin, an der er 1983 sein Studium mit dem Diplom in Soziologie abschloss. Von 1984 bis 1997 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter, Angestellter in einem Forschungsprojekt und wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der FU Berlin. 1990 promovierte er mit einer Arbeit zum Thema „Status und Scham. Zur symbolischen Reproduktion sozialer Ungleichheit“. 1996 folgte die Habilitation mit einer Gemeindestudie über die brandenburgische Stadt Eberswalde, in seiner Studie als Waldleben bezeichnet, nach dem politischen Umbruch in Ostdeutschland. Der Titel seiner Habilitationsschrift lautete „Die ostdeutsche Doxa der Demokratie. Eine Gemeindestudie zum politischen Wandel in Ostdeutschland 1989 bis 1995“. Teile daraus erschienen 1999 in „Waldleben. Eine ostdeutsche Stadt im Wandel nach 1989“.

1997 nahm Neckel zunächst eine Professur für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der Universität Siegen ein, der im Jahr 2000 ein Ruf auf die Professur für Allgemeine Soziologie an der Bergischen Universität Wuppertal folgte. Von 2001 bis 2007 hatte er den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen inne, bevor er mit dem Wintersemester 2007/08 an das Institut für Soziologie der Universität Wien wechselte, wo er seit Oktober 2008 Institutsvorstand war. Zum Wintersemester 2011/2012 wechselte er an die Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Neckel nahm verschiedene Gastprofessuren und Fellowships wahr, unter anderem am Department of Sociology der Duke University (USA) und am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Von 1989 bis 1995 war er Mitherausgeber von PROKLA - Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, von 1996 bis 2009 Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialwissenschaft Leviathan. Seit 2004 beteiligt er sich an der Herausgabe von WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung.

Die Forschungsschwerpunkte von Sighard Neckel liegen in der Soziologie des Ökonomischen, in der Kultursoziologie, der Soziologie der Emotionen, der Politischen Soziologie und in der Ungleichheitsforschung. Methodisch ist Neckel wissenssoziologisch und ethnographisch ausgerichtet.

Beiträge zur Soziologie der Emotionen

Neckel definiert den Achtungserwerb als die „positive Chance in der Fremdwahrnehmung anderer die normativen Bedingungen eigener Wertschätzung bewahren zu können“ (Neckel 2000). Wenn dem Individuum also Achtung zuteilwird, wird es von anderen so wahrgenommen und geschätzt, wie es sich selbst sieht, bzw.schätzt. Es empfindet seinen Status als angemessen und verspürt dadurch Sicherheit (nach Theodore Kemper).

Die Missachtung anderer negiert demzufolge Selbstachtung und kann unter Umständen Scham auslösen. Achtung repräsentiert außerdem eine Erwartung mit der Personen in eine Interaktion hineingehen.

Eine philosophische Definition der Achtung liefert Immanuel Kant. Ihm zufolge ist Achtung die Schätzung der Person, sie ist die Pflicht, um den Menschen als Zweck anzuerkennen und nicht als Mittel, Distanz zu wahren und dem anderen seine Freiheit und Autonomie zu lassen. Jeder muss also den anderen achten, um ihn als Subjekt anzuerkennen und nicht nur als Objekt. Es kann allerdings vorkommen, dass Achtung auf Kosten der Selbstachtung erworben wird, was man auch mit Gesichtsverlust umschreiben könnte.

Dies geschieht zum Beispiel wenn zum Zwecke des Achtungserwerbs eigene Prinzipien oder Werte verraten werden. Wird man dabei ertappt, kann dies wiederum Scham auslösen.

Um die Frage zu beantworten wie Achtung als soziale Wertschätzung erworben erworben wird, hat Norbert Elias das Modell „Vorbild“ entwickelt, nachdem Status durch Imitation der oberen Schichten erlangt wird. In Abgrenzung dazu steht das Modell „relative Autonomie“. Nach diesem Ansatz bilden verschiedene soziale Gruppen eigene Wertsysteme aus, die sich gegenseitig bekämpfen. Innerhalb dieser Gruppen können die Individuen durch Authentizität und Selbstbehauptung soziale Wertschätzung erlangen.[1]

Schriften (Auswahl)

Als Autor:

  • Status und Scham. Zur symbolischen Reproduktion sozialer Ungleichheit. Campus, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-593-34576-5.
  • Die Macht der Unterscheidung: Beutezüge durch den modernen Alltag. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11730-5; veränderte und erweiterte Neuausgabe: Die Macht der Unterscheidung. Essays zur Kultursoziologie der modernen Gesellschaft. Campus, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-593-36623-1.
  • Waldleben. Eine ostdeutsche Stadt im Wandel seit 1989. Campus, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36247-3.
  • Flucht nach vorn. Die Erfolgskultur der Marktgesellschaft. Campus, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38758-1 .
  • mit Claudia Honegger und Chantal Magnin: Strukturierte Verantwortungslosigkeit. Berichte aus der Bankenwelt. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-12607-3.

Als Herausgeber:

  • mit Rolf Ebbighausen: Anatomie des politischen Skandals. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-11548-0.
  • mit Helmuth Berking, Ronald Hitzler: Politikertypen in Europa. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11949-9.
  • mit Michael Schwab-Trapp: Ordnungen der Gewalt. Beiträge zu einer politischen Soziologie der Gewalt und des Krieges. Leske & Budrich, Opladen 1999, ISBN 3-8100-2306-X.
  • mit Jörn Lamla: Politisierter Konsum – konsumierte Politik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14895-8.
  • mit Hans-Georg Soeffner: Mittendrin im Abseits. Ethnische Gruppenbeziehungen im lokalen Kontext. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 3-531-14710-2.
  • Kapitalistischer Realismus. Von der Kunstaktion zur Gesellschaftskritik. Campus, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39182-3.
  • mit Ana Mijic, Christian von Scheve und Monica Titton: Sternstunden der Soziologie. Wegweisende Theoriemodelle des soziologischen Denkens. Campus, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39181-6.

Weblinks

 Commons: Sighard Neckel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Sighard Neckel: Achtungsverlust und Scham In: Sighard Neckel Die Macht der Unterscheidung, Essays zur Kultursoziologie der modernen Gesellschaft, Campus, Frankfurt am Main 2000