St. Jakobus (Aigen bei Raabs)

BW

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere in der niederösterreichischen Ortschaft Aigen bei Raabs ist eine im Kern gotische und in der Spätrenaissance vollständig umgestaltete Saalkirche mit barockem Westturm. Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarre verweist auf die Zeit um 1300. Zwischen 1682 und 1954 war sie dem Stift Altenburg inkorporiert. Die denkmalgeschützte Kirche gehört heute zum Dekanat Waidhofen an der Thaya.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wann und durch wen die Pfarrkirche erbaut wurde, ist Mangels schriftlicher Belege unbekannt. Es gilt als sicher, dass sie schon im vierzehnten Jahrhundert bestanden hat, da eine Schenkungsurkunde Albrechts von Puchheim vom Jahr 1416 vorliegt, in welcher er der Kirche einen Drittelzehent als Eigentum überließ, welchen der Pfarrer schon lange früher zu Lehen besaß. Im Jahre 1599 ließ Andreas Freiherr Hofkircher von Kollmitz die alte und baufällige Kirche abtragen, und die gegenwärtige über der Familiengruft seines Geschlechts erbauen. Im Jahre 1747 brannte dir Kirche ab. Sie konnte zwar wieder hergestellt werden, bei dem Brand gingen jedoch alle kirchlichen Urkunden verloren.

Äußeres

Das schlichte Langhaus und der Chor verfügen über mächtige, gotische, durch Gesims geteilte Strebepfeiler auf profilierten Basen, Spitzbogenfenster mit Resten gotischer profilierung, flache Gewände und gedrückte Abschlüsse aus der Zeit um 1600. Am einjochigen, dreiseitig geschlossenen, über einer Gruft erhöhten Chor mit umlaufendem Sockelprofil sind Reste eines Kaffgesimses erhalten. Der gesamte Bau ist durch Ziegeldächer gedeckt. An der Nordseite ist an Chor und Langhaus eine Sakristei angebaut, deren östlicher Teil mit Strebepfeilern und Kreuzgratgewölbe um 1600 in die heutige Form gebracht wurde. Der spätbarocke, viergeschossige Westturm aus der Zeit um 1770/1780 wird von einem abgesetzten Glockenhelm von 1835 bekrönt. Er ist durch Putzbänder, Ortsteinrahmung und zuoberst durch Pilaster gegliedert und hat Ochsenaugen sowie segmentbogige Schallfenster.

Inneres

Die kreuzgratgewölbte Turmvorhalle ist durch ein Kragsturzportal in der Giebelfassade aus der Umbauzeit der Kirche zugänglich. Darin sind zwei gebuckelte Weihwasserbecken zu sehen.

Der Kirchenraum zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Stuckdekoration aus der Zeit um 1600 aus. Die architektonischen Elemente und Linien sind durch ornamentierte, bandartige Einfassungen dekoriert. Der geometrische Gewölbeschmuck weist verschiedene Rosettenformen auf. Im zweijochigen Langhaus befindet sich an der gedrückten Stichkappentonne über Wandbpfeilern ein von Gurtbändern gehaltenes, doppelt gerahmtes Spiegelfeld. Die dreijochige Orgelempore hat an den gedrückten Säulenarkaden und Brüstungsfeldern Stuckeinfassungen sowie eine durch Stuckbänder zu Netzgewölben mit Rosettenschlusssteinen modifizierte, stichkappentonnenfötmige Unterwölbung. Zwischen dem runden Triumph- und Apsisbogen liegt das kreuzgratgewölbte Chorjoch mit Doppeladlern in einem sternförmig verankerten Stucksprengring. Der Chor hat einen Dreiachtelschluss. Eine um 1900 angefertigte Glasmalerei im Chorschluss stellt den Apostel Jakobus dar.

Unter dem Chorraum liegt die stichkappentonnengewölbte Gruft der Familie Hofkirchen, mit einer bemerkenswerten Spätrenaissancetumba aus Rotmarmor.

Einrichtung

Der Hochaltar wurde 1898 gebaut. Er hat einen neobarocken Tabernakelaufbau zwischen adorierenden Engeln.

Auf toskanischen Säulchen erhebt sich ein halbrunder, gemauerter Kanzelkorb vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Dieser hat am gekurvten Ablauf eine Psalminschrift, einige barockisierende Ornamente und eine erneuerte Marmorierung. Eine Brüstungsorgel in barocken Formen wurde 1875 von Franz Metall gebaut. Zur weiteren Ausstattung zählen Schnitzfiguren der Maria mit Kind aus Pfaffenschlag (spätes 17./frühes 18. Jh.), Hll. Johannes Nepomuk und Leonhard (um Mitte 18. Jh.), ein Kruzifix in Formen des 17. Jahrhunderts in einer Fassung des 19. Jahrhunderts, ein mittelalterlicher, polygonaler, gebauchter Taufstein aus Granit mit Zackenfries, auf einem erneuerten Sockel, Kreuzwegbilder von Jakob Preitschopf (1824), drei Kirchenfahnen mit Ölbildern aus dem 19. Jahrhundert sowie eine Glocke von Ferdinand Vötterlechner aus dem Jahr 1755.

Literatur

  • DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Berger, Wien 2010, ISBN 978-3-85028-395-3, S. 4.
  • Friedrich Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns. Band 4., Wien 1840, S. 54ff

Weblinks

48.811515.49173Koordinaten: 48° 48′ 41″ N, 15° 29′ 30″ O