Stift Griffen

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Stift Griffen heute

Das ehemalige Prämonstratenser-Chorherrenstift St. Maria in Griffental, heute vereinfacht Stift Griffen genannt, liegt westlich vom Markt Griffen in Kärnten. Es besteht aus einer im Kern romanischen Stiftskirche, den nordwestlich angrenzenden barocken Stiftsgebäuden und ist von einer hohen, gotischen Wehrmauer umgeben. Die Errichtung des Klosters beeinflusste auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region bzw. des Marktes Griffen positiv.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zwischen 1233[1] und 1236[2] beschloss Bischof Eckbert von Bamberg bei der bereits bestehenden alten Pfarrkirche ein Stift zu gründen, dessen Chorherren aus dem Stift Vessra in Thüringen beordert wurden. Dieses Kloster war das einzige Prämonstratenserkloster in Kärnten und es blieb die einzige Niederlassung der Prämonstratenser in Innerösterreich. Die Mitglieder des Prämonstratenserordens werden auch Norbertiner (nach ihrem Gründer Norbert von Xanten) genannt, sie sind mehrheitlich Priester mit einer auffälligen weißen Tracht und konzentrieren sich vor allem auf die Seelsorge und das gemeinsame Gebet. In der Gründungszeit waren sie außerdem für ihre strenge Disziplin bekannt (Stillschweigen, Handarbeit und strenges Fasten (Verzichtet auf den Verzehr von Fleisch)). 1272 wurden das Kloster und die neue Stiftskirche Maria in Haslach (Maria Himmelfahrt) fertiggestellt und durch den Bischof Herbert von Lavant geweiht. Ein Jahr darauf, 1272, bestätigte der Papst die Errichtung des Klosters, dessen Besitzungen aus „26 Huben, drei Weingärten bei Wolfsberg samt zwei Gärten, einem Wald beim Kloster und einer Schwaige an der Saualpe“[3] bestanden. Nicht nur wohlhabende Menschen, sondern auch arme oder auswärtige Kranke und Pflegebedürftige konnten die Alters-, Kranken-, Witwen- und Waisenvorsorgen des Stiftes nutzen. In diesen Siechenhäusern erhielten Personen mit ansteckenden Krankheiten (insbesondere Lepra) eine medizinische und notdürftige Versorgung.

Am Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Kirchhof und Stift eine gemeinsame Befestigung mit Schießscharten und einem Wehrgang (Reste davon sind bis heute erhalten), um das Stift und die dazugehörenden Gebäude vor etwaigen Türkeneinfällen zu schützen (in den Jahren 1473 bis 1483 wurde Kärnten fünfmal von den Türken überfallen, die auch nicht vor Kirchen zurückschreckten, welche von der Bevölkerung oft als Zufluchtsstätten benützt wurden). In den Jahren 1648 (dieser Brand vernichtete unter anderem das Wirtshaus, den Pferdestall und Teile des eigentlichen Klosters) und 1750 (durch das Anzünden des Ofens wurde ein Kaminbrand ausgelöst, der das Dach entflammte und durch den das Stift mitsamt wichtigen Wertpapieren und Dokumenten niederbrannte) kam es zu Bränden.

1786 wurde das Stift vor allem aus wirtschaftlichen Gründen (der Brand einige Jahre zuvor führte zu einer erneuten Verschuldung) durch Joseph II. aufgehoben und die Stiftskirche wurde Pfarrkirche.

Stiftskirche Maria Himmelfahrt

Diese spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika lag ursprünglich außerhalb der ehemaligen wehrhaften Kirchhofmauer, schnitt jedoch mit ihrer Fassade in den nordöstlichen Teil der Kirchhofmauer ein. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1272. Nach dem Brand von 1648 kam es zu entscheidenden Veränderungen, der Innenraum blieb aber romanisch. Erwähnenswert sind die zahlreichen Grab- und Wappensteine an den Wänden und Pfeilern (z. B. Herr von Weissenegg, gestorben 1498; Friedrich Ritter von Völkermarkt, gestorben 1358; Propst Heinrich II. Quirill, gestorben 1537) und die Deckenmalereien.

Alte Pfarrkirche

Alte Pfarrkirche

Die Alte Pfarrkirche bildet heute das Zentrum des Friedhofs und liegt in der Mitte des ehemaligen Kirchhofs. Erstmals ist diese Kirche 1235 als Sitz einer Propstei genannt worden. Diese Kirche ist ein romanischer Bau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der in der Gotik und im Barock erweitert und verändert wurde. In den 60ern des 20. Jahrhunderts wurden in den Altarraumwänden Wandmalereien aus der Gründungszeit der Kirche freigelegt, auf denen Heinrich II. und dessen Gemahlin Kunigunde dargestellt sind.

Laubenbau („Mönchshäusl“)

Dieser Bau liegt nordwestlich des Stiftes und wurde 1689 durch Propst Rupert als Garten- und Lusthaus errichtet, dorthin zog sich der Propst zurück, um den Ausblick auf Stift, Markt und Burg Griffen zu genießen.

Literatur

  • DEUER Wilhelm : Jauntaler Kulturwanderungen. Ein kunstgeschichtlicher Begleiter durch den Bezirk Völkermarkt. Klagenfurt 2001
  • FAUST Ulrich: Die Klosterlandschaft Kärntens. In: GRABMAYER Johannes (Red.): Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift – Beiträge. Klagenfurt 1991, S. 35-41
  • KAPELLER Matthias (Hg.): Kirchen, Klöster und Kultur. Begegnungsräume in Kärnten. Klagenfurt 2001
  • KIRCHHEIM Engelbert: „Wie die Unglaubigen das Land vast verderbt“ In: GRABMAYER Johannes (Red.): Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift – Beiträge. Klagenfurt 1991, S. 117-124
  • KÖRNER Günther: Griffen im Spiegel seiner Vergangenheit. Eine kleine Geschichte von Burg und Markt Griffen bis zum Jahre 1759. Klagenfurt 1969
  • KÖRNER Günther: Ein geschichtlicher Rückblick. In: WIESER Christian (Hg): Schlossberg Griffen. Festung der Artenvielfalt. Raubritter, Dämonen & Federgeistchen. Klagenfurt 2005, S. 27-48
  • KREUZER Anton: Die Stifte und Klöster Kärntens. Klagenfurt 1986
  • MEHLING Franz (Hg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Österreich. München/ Zürich 1977
  • RUSSWURM-BIRÓ Gabriele (Hg.): Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten (=Dehio Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs). 3. erweiterte und verbesserte Auflage. Wien 2001
  • WEBERNIG Evelyne (u.a.): Geschichtliches über Griffen (=Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs, 15). Klagenfurt 2005
  • WOLF Adam: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782-1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph’s II. Wien 1871.

Einzelnachweise

  1. WOLF Adam: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782-1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph’s II. Wien 1871, S. 48.
  2. KÖRNER Günther: Griffen im Spiegel seiner Vergangenheit. Eine kleine Geschichte von Burg und Markt Griffen bis zum Jahre 1759. Klagenfurt 1969, S. 18.
  3. FAUST Ulrich: Die Klosterlandschaft Kärntens. In: GRABMAYER Johannes (Red.): Schatzhaus Kärntens. Landesausstellung St. Paul 1991. 900 Jahre Benediktinerstift – Beiträge. Klagenfurt 1991, S. 35-41, hier S. 41.

Weblinks

46.69855277777814.703269444444Koordinaten: 46° 41′ 55″ N, 14° 42′ 12″ O