Strahlenfrühwarnsystem

Dieser Artikel beschreibt das österreichische Strahlenfrühwarnsystem. Für das deutsche entsprechende System, siehe ODL-Messnetz

Als Strahlenfrühwarnsystem wird in Österreich ein Mess- und Meldesystem bezeichnet, das helfen soll Erhöhungen radiologischer Strahlung auf dem Hoheitsgebiet bereits frühzeitig zu erkennen und zu ermöglichen, notwendige Maßnahmen einzuleiten.

Inhaltsverzeichnis

Gesetzliche Grundlage

Österreich ist nach dem eigenen Strahlenschutzgesetz und nach EU-Recht (Art. 35 EURATOM-Vertrag) verpflichtet ein Umweltmessnetz zur ständigen Radioaktivitätsüberwachung zu betreiben.

Betrieb

Betrieben wird das in den späten 1970er Jahren errichtete und ständig erweiterte Messsystem seit dem Jahr 2000 vom Lebensministerium. Aktuell (2011) sind flächendeckend 335 Messstationen, als Ortsdosisleistungsmessstation oder kurz ODL-Station bezeichnet, angebunden, die ihre Messwerte automatisch an die Zentrale im Ministerium liefern, auf die dann die damit befassten Dienststellen, wie die Bundeswarnzentrale oder die Landeswarnzentralen der Bundesländer zugreifen könne. Auf die Daten von 111 repräsentativen Messstellen kann auch die Bevölkerung ohne besonderen Zugangsberechtigungen zugreifen. Außerdem werden die Werte schon seit Jahren vor dem Internet im ORF-Teletext veröffentlicht.

Gemessen wird die Gammastrahlung. In zusätzlichen zehn Luftmonitorstationen, die in den Grenzregionen installiert sind, wird auch die Konzentration von radioaktiven Stoffen in der Luft gemessen.

Entstehung

Der Aufbau des Systems beruht auf einem gesetzlichen Auftrag aus dem Jahr 1975 und wurde rasch aufgebaut. Bereits 1983 waren 336 Messstationen angeschlossen. Zum Zeitpunkt der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 war es europaweit das einzige vollautomatische flächendeckende Messsystem. In der Entstehungszeit war das System bedingt durch den noch herrschenden Kalten Krieg auf das Kernwaffenszenario ausgerichtet.

In den Anfängen bestand jede Station aus drei Geiger-Müller-Zählrohren mit verschiedenen Messbereichen, die automatisch umschalteten. Die Zählraten wurden auf einen Drucker ausgegeben und mussten manuell auf die Dosisleistung umgerechnet werden. Die aktuellen Proportionalzählrohre mit einem Messbereich von 10 nSv/h bis 10 Sv/h führen diese Berechnungen selbsttätig aus und geben bei Erreichen bestimmter Grenzwerte Alarm aus.[1]

Nach den internationalen Richtlinien werden die Sonden seit etwa 1995 auf Standorte übersiedelt, bei denen sich die Messsonden einen Meter über dem Boden befinden. Der Boden kann durch Flachdächer aber auch durch unbearbeiteten Wiesen begründet werden. Dadurch wird die Aussagekraft der Messwerte erhöht und es kann besser abgeschätzt werden welcher radioaktiven Belastung die Bevölkerung ausgesetzt wird. Dabei wurden auch Sonden mit Standorten von Wettersonden der ZAMG zusammengelegt, sodass auch bei Bewertungen von Messwerten auf die aktuelle Wettersituation zurückgegriffen werden kann.

Als Steuerung der Messonden wurde ein Fernwirksystem errichtet, dass etwa 20 Jahre in Betrieb blieb. Die Daten wurden auf zwei Rechensystemen der Bundesstrahlenwarnzentralen, die auf Grund der militärischen Szenarien redundant in Wien und Salzburg gespeichert. Dabei wurde Wien 1978 und jene in Salzburg im Jahr 1984 in Betrieb genommen. In den Jahren 1977 bis 1985 wurden auch die Landesstrahlenwarnzentralen aufgebaut, die auch Abfragemöglichkeiten der Daten hatten.

Zur Datenübertragung wurden zeitweilig Datenleitungen der Post verwendet, später auch Richtfunkstrecken des Bundesheeres zu den Bundesstahlenschutzwarnzentralen. Zwischen 2004 und 2007 wurde auf das Telemetrie- und Sicherheitssystem der Telekom umgestellt. Die Verbindung der Landeswarnzentralen und der Bundeswarnzentrale erfolgt über die Standleitungen der BOS Austria.

Datenaustausch mit dem Ausland

Bereits 1994 wurde ein Echtzeit-Datenaustausch mit Dosisleistungsdaten in der Slowakei errichtet. Es folgten 1999 mit Slowenien, 2001 Tschechien, 2004 mit Ungarn. Von Deutschland werden die Daten, die auf Bayern und Baden-Württemberg beschränkt sind, erst seit 2006 eingebunden.

Das Netz der Luftmonitorstationen wurde durch bilaterale Verträge und österreichischer Finanzierung ebenfalls auf ausländische Gebiete erweitert. So wurden Stationen in der Nähe der Kernkraftwerke Krškoin Slowenien, Bohunice in der Slowakei und Temelín und zuletzt 2006 in Paks in Ungarn installiert und in das österreichische Strahlenfrühwarnsystem eingebunden.

Warnpegel

Bereich der Gammadosisleistung
Pegel von bis
0 bis 30 % über dem
Durchschnittswert am Aufstellungsort
1 Obergrenze des Pegel 0 300 nSv/h
2 300 nSv/h 1 µSv/h
3 1 µSv/h 10 µSv/h
4 10 µSv/h 100 µSv/h
5 100 µSv/h 1 mSv/h
6 1 mSv/h 30 mSv
7 30 mSv/h 300 mSv/h
8 über 300 mSv/h

Quelle:Lebensministerium

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Messanlagen des Strahlenfrühwarnsystems im Jahresbericht 2008/2009 abgerufen am 17. APril 2011