Tanztheater Homunculus

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Das Tanztheater Homunculus ist eine Tanzcompany, die 1981 von dem Wiener Choreografen Manfred Aichinger gegründet wurde. Gemeinsam mit Nikolaus Selimov leitete er die Company Homunculus bis zu ihrem Ende im Jahr 2011.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In den 1980er Jahren war Manfred Aichinger künstlerischer Leiter die meisten Produktionen von homunculus. Nikolaus Selimov choreografierte ab 1992 ebenfalls für die Company. Ab dem Ende der 1990er Jahre arbeitete das Ensemble auch regelmäßig mit Gastchoreografen zusammen.

Die einzelnen Stücke entstanden zumeist auf Basis intensiver Improvisations- und research Phasen im Zusammenspiel von Tänzern und Choreograf. Ab 2003 wirkte das Tanztheater Homunculus auch im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Die 1990er Jahre waren die produktivste Phase der Company. Neben regelmäßigen Gastspielen an Wiener Theatern wurden zahlreiche „neue Räume“ aufgespürt und spezifische künstlerische Konzepte für diese entwickelten. Mehr als 50 Vorstellungen pro Saison, Aufführungsserien mit bis zu 24 Vorstellungen, die jeweils ca. 3.000 Besucher hatten stehen für diese Dekade, die dem Zeitgenössischen Tanz in Wien das bislang größte Interesse entgegen brachte. Seit der Jahrtausendwende veränderten sich auch die Produktionsbedingungen für den Zeitgenössische Tanz radikal und zum Nachteil von Tänzern und Choreografen.

Die Company hatte keine eigene Spielstätte und gastierte daher an zahlreichen Wiener Spielstätten (u.a. dietheater Künstlerhaus, Odeon, WUK, KosmosTheater, Dschungel Wien, Theater Brett, Volksoper Wien, Wiener Staatsoper, Theater an der Wien). Homunculus trat auch als Eigenveranstalter in Erscheinung und bespielte Räume, die nicht für Theater bestimmt sind (u.a. Kunsthistorisches Museum Wien, Siemens Forum Wien, HALLE 1030, Semper Depot, Sonnenuhrhaus Schönbrunn, Salle de bal des Französischen Kulturinstituts Wien, Neustifthalle). Im Rahmen von Auslandgastspielen trat die Company in Deutschland, Italien, Luxemburg, Russland, Serbien, Slowakei, Tschechien, USA und Zypern auf.

Budget

Die Theaterarbeit sowie die Infrastruktur des Tanztheater Homunculus wurden im Zeitraum 1983-2011 von der Kulturabteilung der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur subventioniert. Prozentuell setzte sich das Budget der Company im Gesamtzeitraum aus 66,8 % Förderungen der Stadt Wien, 23 % Eigenleistung, 8,7 % Förderungen des BM für Unterricht Kunst und Kultur und 1,5 % Sponsoren zusammen.

Tanzvermittlung

Das Tanztheater Homunculus organisierte Unterricht für Tanzbegeisterte aller Altersstufen, Vorausbildungsprogramme für angehende Profis und Initiativen in den Bereichen Nachwuchsförderung, Publikumsbetreuung, Sommertanzwochen, Lehrerfortbildungen und Schulprojekte.

1987 gründete die Company DAS STUDIO. Zentrum für Modernen Ausdruckstanz im 9. Bezirk in Wien. Unter der Leitung von Manfred Aichinger und Silvia Auer wurde ein Proben- und Unterrichtszentrum geschaffen. Das Studio, in dem Kurse angeboten wurden, wurde von 2004 bis Juni 2012 im Proberaum der Company unter dem Namen tanz.raum.homunculus weitergeführt.

Proberaum Homunculus

Von 1995 bis Juni 2012 leitete das Tanztheater Homunculus im 2. Bezirk in Wien den Proberaum Homunculus, im Gebäude der ehemaligen Roland Bühne. In diesem Trainings- und Probenzentrum wurde auch die Förderung der jungen Choreografen-Generation durch Residency Programme (u.a. Tanz-Theater-Labor 1995/96) intensiviert. Der Proberaum wurde von zahlreichen Tanzschaffenden für research, Proben und Präsentationen intensiv genutzt. Die Organisation des Proberaumes leitete von 2004 bis 2012 von Sonja Haupt.

Kulturpolitische Tätigkeit

Für das intensive kulturpolitische Engagement von homunculus und Nikolaus Selimov stehen unter anderem die Initiative für ein spartenspezifisches Fördergremium (Tanzbeirat) an der Kulturabteilung der Stadt Wien (1990), die Tätigkeit als Vorstand der IG Freie Theaterarbeit und der Berufsvereinigung für Moderne Tanzpädagogik (seit 1996), die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Tanz an der Kulturabteilung der Stadt Wien (1995/96) und die Leitung der Wiener ChoreografInnen Plattform (1997-2000).

Produktionen (Auswahl)

  • Pas de deux, Choreografie von Manfred Aichinger, UA VHS Stöbergasse, Wien, 1983
  • K.M., Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater Brett, Wien, 1984
  • Colitis, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Neukirchen/Großvenediger, 1985
  • Galerie der Irrtümer, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater Brett, Wien, 1985
  • Der Kongreß tanzt, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater an der Wien, 1985
  • Die letzte Nacht in Cannes – Gedankenbilder für Klaus Mann, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater Brett, 1987
  • Die fünf Jahreszeiten, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater Brett, 1987
  • Wiener Totentanz, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Michaeler Kirche Wien, 1987 (im Rahmen von Aschermittwoch der Künstler)
  • Glückliche Tage, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Theater Brett, 1988 (Auftragswerk für das Tanzfestival TANZ '88)
  • Elektra, Choreografie von Manfred Aichinger, UA dietheater Künstlerhaus Wien, ett, 1987
  • Die Tür – Für Rosalia Chladek, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Wiener Staatsoper, 1990 (im Rahmen der Matinee 85. Geburtstag von Rosalia Chladek)
  • …und doch tragen sie den Winter in den Köpfen, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Foyer Jugendstiltheater, Baumgartner Höhe Wien, 1990
  • in der stille, Choreografie von Manfred Aichinger, UA dietheater Künstlerhaus, 1991
  • Schlachthof für Engel, Choreografie von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA dietheater Künstlerhaus Wien, 1992 (nach dem Roman "Menschenkind" von Josef Winkler)
  • Stadträume/Choreographierte Photographie, Idee Manfred Aichinger, Fotoausstellung von Michael Zechany, Salle de bal des Französischen Kulturinstituts Wien, 1992
  • … durch die Nacht, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Kunsthistorisches Museum Wien, 1992
  • Jacqueline du Pré – Eine Turnstunde, Choreografie von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA dietheater Künstlerhaus Wien, 1993
  • Im Treibhaus, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Sonnenuhrhaus Schönbrunn, Wien 1994
  • Oh, it's Vienna!, Choreografie von Nikolaus Selimov, UA dietheater Künstlerhaus Wien, 1995
  • How to Kick Silence, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Semper Depot Wien, 1996
  • Vernetzung, Performance von Manfred Aichinger, UA Siemens Forum Wien, 1996 (im Rahmen der Eröffnung des Siemens Forum)
  • Stimmen toter Freunde, Choreografie von Nikolaus Selimov, UA dietheater Künstlerhaus, Wien, 1997
  • Sommerfrische und andere Ausflüchte, Choreografie von Manfred Aichinger, Regie Günther Mörtl, UA dietheater Künstlerhaus Wien, 1997
  • Future has just begun, Performance von Manfred Aichinger, UA ICC Berlin, 1997
  • EISBERG, Choreografie von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA dietheater Künstlerhaus Wien, 1998
  • [dialog://virtuell], Choreografie von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA Siemens Forum Wien, 1998
  • nature morte: rimbaud – verlaine, Choreografie von Manfred Aichinger, Regie Günther Mörtl, UA Salle de bal des Französischen Kulturinstitutes Wien, 1998
  • Noch 382 Tage … warum?, Choreografie von Nikolaus Selimov, UA Odeon, Wien 1998
  • Odysseia, Choreografie von Manfred Aichinger, Musikalische Leitung Herwig Reiter, UA Konzerthaus Wien, 1999 (im Rahmen vom Festival HÖRGÄNGE)
  • Kalinichta Charon, Choreografie von Manfred Aichinger, Regie Günther Mörtl, UA Stadttheater Passau, 1999 (im Rahmen vom Festival Europäische Wochen Passau)
  • now oder nie!, Choreografie von Nikolaus Selimov, UA Semper Depot, Wien, 2000
  • »GATE 7«, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Palais Lichtenstein, Wien 2000
  • Historia von D.Johann Fausten, Oper von Alfred Schnittke, Produktion der Neuen Oper Wien, Choreografie Manfred Aichinger, Tänzer der Company Homunculus, Sofien Säle Wien, 2001
  • Visionen, Koproduktion mit dem Klavierduo Kutrowatz, Choreografie von Manfred Aichinger, Kulturzentrum Eisenstadt, 2001
  • … an den Grenzen, Choreografie von Nikolaus Selimov, UA Semper Depot, Wien, 2001
  • Do you hear the touch of time?, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Halle 1030, Wien, 2002
  • rien ne va plus, Choreografie von Nikolaus Adler, UA Halle 1030, Wien, 2002
  • Stell Dir vor, Choreografie von Karin Steinbrugger, UA dietheater Künstlerhaus, Wien, 2003 (im Rahmen von Szene Bunte Wähne Tanzfestival)
  • n.n., Choreografie von Nikolaus Selimov, UA Semper Depot, Wien, 2003
  • beGIERde, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Volksoper Wien, 2003 (im Rahmen von Dance Barock!)
  • Alles Gelogen, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Tanzquartier Wien, Halle G, 2003
  • Red caps / Rotkäppchen reloaded, Choreografie von Karin Steinbrugger, UA Dschungel Wien, 2004 (im Rahmen von Szene Bunte Wähne Tanzfestival)
  • par terre / Bruchstücke, Choreografien von Elena Luptak und Nicole Berndt-Caccivio, UA KosmosTheater Wien, 2004
  • Auf dem Weg ins gelobte Land, Choreografie von Manfred Aichinger, UA KosmosTheater Wien, 2004
  • Nachtherbergen, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Salvatorkirche Passau, 2004 (im Rahmen vom Festival Europäische Wochen Passau)
  • placebo?, Choreografie von Andrea Stotter, UA WUK Wien, 2004
  • Alles Gelogen 2, Choreografie von Manfred Aichinger, WUK Wien, 2005
  • Alzburg:Eutopa, Choreografie von Berndt R. Bienert, UA Semper Depot, Wien, 2005
  • Giftige Flügel, Choreografie von Karin Steinbrugger, UA Dschungel Wien, 2006
  • Fragile – Variation, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Festspielhaus St.Pölten, 2006 (im Rahmen von Hanna Berger Retouchings)
  • Wiener Küche, Choreografie von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA Neustifthalle Wien, 2006
  • Auf den Dächern von St.Petersburg, Choreografie von Manfred Aichinger, UA Stadttheater Passau, 2007 (im Rahmen vom Festival Europäische Wochen Passau)
  • Fight Night, Choreografie von Karin Steinbrugger und Martina Haager, UA Dschungel Wien, 2008
  • Folien der Erinnerung, Performance von Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov, UA Proberaum Homunculus, 2008 (im Rahmen von Mindmapping 1020, Tänzerische Wege der Erinnerung und der Gegenwart)
  • oedipus is complex, Choreografie von Nikolaus Adler, UA Odeon Wien, 2008 (im Rahmen von Berührungen: Tanz vor 1938 – Tanz von heute)
  • my secret / my fear, Choreografie von Karin Steinbrugger, UA Dschungel Wien, 2009
  • DIE opheliaMASCHINE, Choreografie von Manfred Aichinger, UA KosmosTheater, 2010
  • Jennifer, Choreografie von Nikolaus Adler, UA Odeon Wien, 2010

Preise und Auszeichnungen

  • Manfred Aichinger ist Träger des Christl-Zimmerl-Preis (für die Choreografie Der Kongreß tanzt, 1985).
  • Nikolaus Selimov ist Träger des den O.E.Hasse-Preis der Akademie der Künste Berlin (für die Choreografie Stimmen toter Freunde, 1997).
  • Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov sind Träger des Spezialpreis 2003 der Jury des Österreichischen Tanzproduktionspreises.
  • Preis für Kunst und Kultur aus dem Adolf-Schärf-Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst (1990) für das Ensemble.
  • Die Redaktion des Jahrbuch Ballett 1986 wählte Manfred Aichinger zum Meistversprechenden Nachwuchschoreografen und nannte das Ensemblemitglied Markus Kurat unter Beste Leistung eines Nachwuchstänzers.
  • Die Kulturredaktion des ORF wählte die Choreografie Elektra von Manfred Aichinger zum Kunststück des Monats und produzierte das Portrait “Die Lust am Ballspiel – Das Tanztheater Homunculus” (24. November 1989 ORF2, Regie Gerhard Roßka)
  • Die Leser der Zeitschrift Bühne wählten Manfred Aichinger zum Beliebtesten jungen Choreografen (1997).
  • Prämien des BM für Unterricht Kunst und Kultur für die Produktionen Die letzte Nacht in Cannes (1987), Glückliche Tage (1988), Elektra (1990), ...und doch tragen sie den Winter in den Köpfen (1991), Oh, it’s Vienna! (1995), Sommerfrische und andere Ausflüchte (1997), [dialog://virtuell] (1998), Do you hear the touch of time? (2002), rien ne va plus (2003), Fight Night (2008).
  • Prämien der Kulturabteilung der Stadt Wien für die Produktionen K.M. (1984), Die letzte Nacht in Cannes (1987), Glückliche Tage (1988), Elektra (1990)

Literatur

  • 20 Jahre – Tanztheater Homunculus Bewegt…, Eigenverlag Wien, 2001
  • Tanztheater Homunculus - geschichtliche Teilaspekte des modernen Ausruckstanzes, Diplomarbeit von Katharin Karouaschan, Uni Wien 1997.

Weblinks