Valentin Ferdinand Gudenus

Valentin Ferdinand Freiherr von Gudenus (* 19. Juni 1679 in Mainz; † 9. März 1758 in Wetzlar) war ein deutscher Jurist und Historiker.

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Biografie

Valentin Ferdinand Gudenus wurde als Sohn des kurfürstlich mainzischen Hofrats, Leibmedicus und Professors Urban Ferdinand Gudenus (1634-1699) geboren. Sein Großvater Moritz Gudenus war ehemals evangelisch-reformierter Predikant in Abterode. Als er 1630 in den weltlichen Dienst des Kurfürsten von Mainz Anselm Casimir Wambolt von Umstadt eintrat, war er zum Katholizismus übergetreten. Die Mutter des Valentin Ferdinand G. war Lotharia Mechtildis Elisabeth von Birkig, die Tochter eines spanischen Obersten.

Die aus den Niederlanden stammende, 1553 in Utrecht nachgewiesene Familie erhielt 1586, nach Übersiedlung nach Deutschland, ein kaiserliches Bestätigungsdiplom des althergebrachten Adels. Valentin F. Gudenus erhielt am 11. Januar 1746 in Wien ein Reichsfreiherrendiplom[1], nachdem er bereits 1732 und 1745 eine Bestätigung des Reichsfreiherrenstandes erhalten hatte.[2]

Er studierte zunächst in Mainz Rechtswissenschaften, legte einen Abschluss ab, um anschließend in Erfurt, Turin und Mailand weiter zu studieren. Nachdem er anschließend Italien und Frankreich ausgiebig bereist hatte („Kavalierstour“[3]), wurde er zunächst am Reichskammergericht in Wetzlar angestellt. 1706 wurde er Hof- und Regierungsrat der Markgrafen von Baden-Baden. Das Amt über er bis 1713 aus. 1718 wurde er kurmainzischer Hof- und Revisionsrat. 1722 wurde er von den katholischen Ständen des fränkischen Kreises als Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar präsentiert und übte diese Funktion von 1724 bis zu seinem Lebensende aus.

Werke

Exlibris des Freiherrn Valentin Ferdinand von Gudenus (1732)

Gudenus hatte von jeher starkes historisches Interesse gezeigt. Insbesondere während seiner letzten Tätigkeit am Reichskammergericht wirkte sich das in umfangreichen Publikationen aus. Seit 1716 hatte er die Neuherausgabe der zuerst 1604 erschienenen Mainzer Geschichte des Nicolaus Serarius durch Georg Christian Joannis gefördert, nachdem er durch eine Buchhändleranzeige von Joannis Vorhaben erfahren hatte. Zudem unterstützte er Joannis bei weiteren Editions- und Publikationsvorhaben. Spätestens 1724 überwarf er sich jedoch mit dem Vielschreiber Joannis, weil ihm dessen Arbeitsweise zu oberflächlich erschien[4]. Er nahm nun selbst die Herausgabe des von ihm gesammelten Materials in die Hände. Zu seinem Hauptwerk wurde ein monumentales, in fünf Bänden, in Göttingen, Frankfurt am Main und Leipzig erschienenes Urkundenbuch zur kurmainzischen Geschichte (Band 5 wurde posthum von Heinrich Wilhelm Anton Buri herausgegeben). Es stellt „eine der vollständigsten und reichhaltigsten Sammlungen zur deutschen Reichsverfassungsgeschichte[5] dar. Der außergewöhnliche Wert des Werkes zur Geschichte des Kurfürsten und Reichserzkanzlers von Mainz im Allgemeinen, sowie zur Geschichte des Mainzer Erzstiftes im Besonderen, liegt einerseits darin begründet, dass Gudenus viele zu seiner Zeit noch erhaltene Dokumente abdrucken konnte, die in den Kriegswirren des 18. bis 20. Jahrhunderts oder durch Zerstreuung der Mainzer Archive verloren gingen. Nur durch Gudenus Edition wurden diese für das Gedächtnis, damit das Wissen der Menschheit bewahrt. Andererseits ist das Werk wissenschaftsgeschichtlich von außergewöhnlichem Wert. Es wirkte vorbildlich auf die Herausgeber der Monumenta Germaniae Historica im 19. Jahrhundert und hat einen festen Platz in der Entwicklung der modernen Diplomatik und vor allem der Editionswissenschaften.

Weitere Werke von ihm sind:

  • Sylloge I. variorum diplomatariorum monumentorumque veterum ineditorum adhuc et res Germanicas, in primis vero Moguntinas illustrantium. Quae.post diram plurium seculorum inclusionem,... atque nunc tandem libertate plenaria, ad quam avidissime anhelant, donare decrevit. - Andrea & Hort, Francofurti ad Moenum (Ffm) 1724/28
  • Vncialaevm Selectvm Wetzlariense. Das ist: Genaue Recensir- und Beschreibung Eines gesammleten Vorraths außerlesener Cabinets-Thaler An der Zahl 784 Stu¨ck ... : Wobey zugleich ihrer iedem, per distinctas Classes & Gradvs, die ienige Rang-Stell angewiesen ist, welche ihme ... gebu¨hret ; Nebst einem Anhang von 92 andern Mu¨ntzen, und Medaillen / Collegit, descripsit, Notisque sparsim illustravit Valent. Ferdin. de Gvdenvs Eq. Imp. immed. Circuli Rhen. sup. Cameræ Imperialis Assessor. Nicolaus Ludwig Winckler, Wetzlar 1734
  • Codex Diplomaticvs: Exhibens Anecdota Ab Anno DCCCLXXXI, Ad MCCC. Mogvntiaca, Ivs Germanicvm, Et S.R.I. Historiam Illvstrantia / Ex Latebris In Lvcem Protraxit Notasqve Addidit Valent. Ferd. De Gvdenvs, Immed. Ord. Eqvestris Imp. Camerae Imperialis Assessor. Goettingae; Francofurti; Lipsiae 1743-1768 (Digitalisat)
    (Titel und Verleger variieren in den einzelnen Bänden)

Einzelnachweise

  1. Kneschke, Adels-Lexicon, Bd. 4, S. 86
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 1978, S. 309
  3. Hofmann, Gudenus, Sp. 961
  4. Im Vorwort des ersten Bandes seines Hauptwerkes (Cod.dipl.mog.) berichtet Gudenus über sein Verhältnis zu Joannis
  5. Gerlich, Landeskunde, S. 24

Literatur

Weblinks