Wichard von Möllendorff (General)

Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff
Wichard v. Möllendorff
(Porträtkupferstich von F. C. Krüger 1795 nach einem Gemälde von Holtzmann 1778)

Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff (* 7. Januar 1724 in Lindenberg in der Prignitz; † 28. Januar 1816 in Havelberg) war ein preußischer Generalfeldmarschall.

Wichard von Möllendorff war der Sohn von Max Friedrich von Möllendorff[1] (* 1665, † 1762), Erbherr auf Lindenberg, Deichhauptmann in der Prignitz, und seiner Ehefrau Alma Elisabeth, geborene von Platen aus dem Haus Kuhwinkel.

Leben

Möllendorff wurde 1740 Page bei Friedrich dem Großen und machte später den Zweiten Schlesischen Krieg als Fähnrich mit. Bald darauf wurde er zum Hauptmann und zum Flügeladjutanten ernannt.

Im Siebenjährigen Krieg trug Möllendorff durch die Wegnahme des Friedhofs wesentlich zur Entscheidung der Schlacht von Leuthen bei, wofür ihn Friedrich mit dem Pour le Mérite dekorierte. Sein Verhalten bei der Belagerung von Breslau belohnte der König 1758 durch die Ernennung zum Major.

Auch in der Schlacht von Hochkirch zeichnete sich Möllendorff aus und erhielt 1760 als Oberstleutnant das Kommando über das Regiment Garde. In der Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 erstürmte er die Siptitzer Höhen, wurde dabei zwar gefangen genommen, Anfang 1761 aber wieder ausgewechselt und zum Oberst befördert. Der König ernannte ihn am 15. Mai 1761 zum Generalmajor. Am 21. Juli 1762 erstürmte Möllendorff den verschanzten Posten von Burkersdorf.

Im Mai 1775 war Möllendorff Generalleutnant und befehligte als solcher im Bayerischen Erbfolgekrieg ein Korps.

Mit seiner Ernennung zum Gouverneur von Berlin am 11. Dezember 1782 erhielt er auch den Oberbefehl über alle in der Garnison liegenden Regimenter sowie über alle in Berlin befindlichen militärischen Einrichtungen und Militärpersonen, auch der Kommandant von Berlin unterstand ihm. Er wurde Chef des „Regiments Ramm zu Fuß“. Um 1780 baute er im Dorf Lichtenberg bei Berlin einen schlossartigen, wenn auch nur einstöckigen Landsitz. In Erinnerung daran trug ab 1910 die ehemalige Dorfstraße seinen Namen (bis 1976, dann wieder ab 1992).[2]

Wiederholt wandte sich Möllendorff gegen den geringschätzigen und harten Umgang preußischer Offiziere mit ihren Soldaten. Er forderte von jungen Offizieren, „den gemeinen Mann mehr mit Ambition als mit Tyrannei zu führen“, also, auf ihn mit dem Appell an das Ehrgefühl anstatt mit Beschimpfungen, Prügeln und anderen Strafen einzuwirken. "Ihro Majestät der König haben keine Schlingel, Canailles, Racailles, Hunde und Kroppzeug im Dienste, sondern rechtschaffene Soldaten."[3]

Unter Friedrich Wilhelm II. wurde Möllendorff 1787 General der Infanterie und 1793 Generalfeldmarschall. In diesem Jahr befehligte er die nach Polen entsandte Armee. Am 31. Januar 1794 erhielt er an Stelle des Herzogs von Braunschweig den Oberbefehl des preußischen Heeres in der Pfalz. Hier siegte er zwar bei Kaiserslautern am 23. Mai und später nochmals am 20. September, konnte jedoch der Übermacht Frankreichs nicht widerstehen. Unter Friedrich Wilhelm III. leitete er jedes Jahr gemeinsam mit General Ernst von Rüchel die großen Herbstmanöver der preußischen Armee bei Potsdam und Berlin.

1806 begleitete er 82-jährig den König Friedrich Wilhelm III. ins Feld, allerdings ohne Kommando. Beim Besteigen seines Pferdes am Brandenburger Tor fiel er auf der anderen Seite wieder herunter. Das Ereignis machte sofort in Armee und Publikum als schlechtes Vorzeichen die Runde. In der Schlacht von Auerstedt erlitt er einen Schock und geriet bei der Kapitulation Erfurts in Gefangenschaft. Napoleon setzte ihn wieder in Freiheit und zeichnete ihn mit dem Kreuz der Ehrenlegion aus.

Kurz vor seinem Tod adoptierte der kinderlose General drei seiner Urgroßneffen, die Söhne des Majors Theodor von Wilamowitz: Hugo, Ottokar und Arnold. Sie trugen daher ab 1815 mit königlicher Erlaubnis den Doppelnamen von Wilamowitz-Moellendorff.

Wichard von Möllendorff war nach dem Ende seiner militärischen Karriere Dechant des Domkapitels in Havelberg.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Der Vorname Max in der angegebenen Literatur steht im Widerspruch zu originalen zeitgenössischen Quellen, z.B. dem Taufregister Januar 1724 und Sterberegister Mai 1762 des Kirchenbuchs Cumlosen (Prignitz), wonach der Vater „Marx“ (d.i. Marcus) Friedrich hieß
  2. Möllendorffstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  3. Arthur von Witzleben: Altpreußischer Kommiss, Nachdruck Biblio-Verlag Osnabrück 1971, S. 8