Wilhelm zu Schaumburg-Lippe

Dieser Artikel befasst sich mit dem Prinzen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1834–1906). Für den Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724–1777) siehe Wilhelm (Schaumburg-Lippe).

Prinz Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, vollständiger Name Wilhelm Karl August zu Schaumburg-Lippe (* 12. Dezember 1834 in Bückeburg; † 4. April 1906 auf Schloss Ratiborschitz bei Nachod) war ein deutscher Prinz aus dem Hause Schaumburg-Lippe, Besitzer der Sekundogenitur-Fideikommiss-Herrschaft Nachod-Chwalkowitz und k. u. k. General der Kavallerie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Prinz Wilhelm war der dritte Sohn des Fürsten Georg Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1784–1860) und seiner Frau Ida (1796–1869), geborener Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont.

Von 1854 bis 1856 besuchte er die Universität Bonn und trat 1859 in die österreichische Armee ein. Nachdem er 1860 von seinem Vater die Herrschaft Nachod-Chwalkowitz in Ostböhmen geerbt hatte, quittierte er 1861 als Rittmeister den Militärdienst, um die Bewirtschaftung seiner Güter zu übernehmen. Am 30. Mai 1862 heiratete er in Dessau Prinzessin Bathildis von Anhalt-Dessau (1837–1902), zweite Tochter des Prinzen Friedrich August von Anhalt-Dessau und seiner Frau Marie von Hessen-Kassel. Das Paar bezog als Wohnsitz Schloss Nachod, nach der Renovierung das Schloss Ratiborschitz. Die Ehe verlief überaus harmonisch.

1866 nahm Prinz Wilhelm am Deutschen Krieg in der österreichischen Armee teil. Von Kaiser Franz Joseph I. wurde er zum Major ernannt und erhielt das Militär-Verdienstkreuz mit Kriegsdekoration[1]. Prinzessin Bathildis kehrte nach dem Friedensschluss von Kopenhagen nach Ratiborschitz zurück, wo beide am 2. November des Jahres den Kaiser zu Gast hatten. 1867 wurde der Prinz zum erblichen Mitglied des Österreichischen Herrenhauses ernannt. 1875 wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone I. Klasse dekoriert und 1876 zum Oberstleutnant befördert. 1879 Oberst im Regiment der Windischgrätz-Dragoner, wurde er 1885 Generalmajor und 1890 Feldmarschalleutnant. 1899 wurde ihm das Großkreuz des Leopold-Ordens verliehen und 1901 wurde Prinz Wilhelm zum General der Kavallerie befördert[2].

Prinz Wilhelm besaß nicht nur Sinn für die praktischen Aufgaben, welche die Bewirtschaftung der Herrschaft Nachod an ihn stellte, sondern sein Interesse erstreckte sich auch auf Wissenschaft und Kunst, wie er durch die Reorganisation des alten Schlossarchivs zu Nachod und der Bibliothek zu Ratiborschitz bewies. Dabei bemühte er sich, beides den praktischen Bedürfnissen anzupassen. Er ließ die wirtschaftlichen Akten des Archivs ordnen und ergänzte die Bibliothek hauptsächlich um Werke, die sich auf die wirtschaftlichen Interessen der Herrschaft bezogen und von den Beamten mit Nutzen studiert werden konnten. Zudem vervollständigte er die Bibliothek um militärische Bücher, wohingegen die schöngeistige Literatur auf gelegentliche Anschaffungen beschränkt blieb[3].

Prinz Wilhelm zeigte ein reges Interesse für alle Angelegenheiten des öffentlichen Lebens, das er durch Rat und Tat, aber auch durch persönliche Opfer förderte. Durch seine Teilnahme an den Beratungen des österreichischen Reichsrats und seine aufmerksame Verfolgung der Beratungen des böhmischen Landtages stand er auch mit der Politik in steter Berührung. Durch seine Verbindungen mit dem Kaiser, der Regierung und der Politik suchte er helfend, ratend und unterstützend einzugreifen. Als kaisertreuer, österreichischer Patriot verurteilte er einseitiges politisches Bestreben; die tschechisch-nationale Einseitigkeit ebenso wie die destruktiven Tendenzen der Alldeutschen. Dabei versuchte er, den berechtigten Forderungen beider Nationen gerecht zu werden. So setzte er sich für die Gleichberechtigung beider Sprachen ein, duldete aber auch nicht, dass die deutsche Sprache in unberechtigter Weise durch die tschechische verdrängt würde[4].

Auf seiner Herrschaft Nachod kümmerte sich Prinz Wilhelm um eine Ertragssteigerung durch Erhöhung des Viehbestandes, Melioration und den Einsatz von Kunstdünger. 1869/70 ließ er in Skalitz ein Dampfsägewerk einrichten, neben forstwirtschaftlicher Bestandspflege und dem Ausbau des Wegenetzes zwischen 1873 und 1885. Außer Viehzucht, wurde Fischzucht in 17 Teichen betrieben, 1878 ließ er auch eine erste Forellenzuchtanlage bei Miskoles einrichten. Die Wiesenmelioration wurde in Wiesenbaukursen bis 1886 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und spezielle Wiesenwärter ausgebildet. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm die französische Regierung 1888 den Ordre du Mérite agricole, den ersten Orden für Verdienste in der Landwirtschaft[5]. Nach einer Hochwasserkatastrophe im Juli 1897 engagierte sich Prinz Wilhelm für die Errichtung von Talsperren.

Nach dem Tod seiner Frau 1902 und seines jüngsten Sohnes Maximilian 1904, starb Prinz Wilhelm nur wenige Stunden nach seiner Schwiegertochter Prinzessin Louise am 4. April 1906 auf Schloss Ratiborschitz. Bei dem Prinzen Max, der als Rittmeister bei dem Königlich Württembergischen Ulanen-Regiment König Wilhelm I. Nr. 20 in Ludwigsburg stand, bildete sich ein Herzleiden aus, wohl die Folge einer schweren Erkrankung, welche der Prinz in seiner Knabenzeit durchgemacht hatte[6]. Prinz Wilhelms Beisetzung mit militärischen Ehren erfolgte am 9. April auf dem Friedhof am weißen Kreuz in Nachod neben seiner Gemahlin. Außer dem württembergischen Königspaar und anderen fürstlichen Verwandten, waren die Vertreter des Kaisers Franz Joseph I. und des Königs von Dänemark anwesend. Als sich der Sarg in die Gruft senkte, wurde zuerst die österreichische Kaiserhymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“ und dann die deutsche Hymne „Heil dir im Siegerkranz“ gespielt.

Nachkommen

Hochzeit von Pauline von Württemberg 1898 in Stuttgart - Prinz Wilhelm zu Schaumburg-Lippe steht rechts außen

Aus der Ehe von Prinz Wilhelm zu Schaumburg-Lippe mit Prinzessin Bathildis gingen folgende neun Kinder hervor:

1. ∞ 1896 Prinzessin Louise von Dänemark (1875–1906)
2. ∞ 1909 Prinzessin Antoinette von Anhalt (1885–1963)
  • Albrecht (1869–1942) ∞ 1897 Herzogin Elsa von Württemberg (1876–1936)
  • Maximilian (1871–1904) ∞ 1898 Herzogin Olga von Württemberg (1876–1932)
  • Bathildis (1873–1962) ∞ 1895 Fürst Friedrich zu Waldeck und Pyrmont
  • Sohn (*/† 1874)
  • Adelheid (1875–1971) ∞ 1898–1920 Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg
  • Alexandra (1879–1949)

Literatur

Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe- Ein Bild seines Lebens und Wirkens von Otto Elster, Neustadt an der Mettau, 1906

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 68/69
  2. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 119
  3. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 99
  4. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 102
  5. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 85
  6. Wilhelm Prinz zu Schaumburg-Lippe von Otto Elster, S. 130