Wolfgang Neuschmidt

Wolfgang Neuschmidt war ein österreichischer Gerechter unter den Völkern und von Beruf Justizbeamter. In dieser Funktion wandten sich 1944 fünf jüdische Gefangene in der Innsbrucker Haftanstalt an ihn und baten um seine Hilfe.

Möglicherweise ahnten sie bereits, dass der Innsbrucker Polizeiinspektor Karl Dickbauer und seine Kollege Anton Dietz beauftragt worden sind, einen Transport für Häftlinge des Innsbrucker Gefängnisses ins KZ Auschwitz vorzubereiten. Unter den 88 Häftlingen befanden sich fünf polnische Jüdinnen – Lorraine Justmann-Visnicky, Mirjam Fuchs, Paulina Janaszewicz, Regina Litmann-Rundbaker und Ruth Litman-Eisenberg. Sie waren am 13. März 1944 von der Gestapo verhaftet worden, nachdem sie sich als christlich-polnische Fremdarbeiterinnen ausgegeben hatten.

Wolfgang Neuschmidt sprach bei seinem Vorgesetzten Karl Dickbauer für die Mädchen mit der Begründung vor, dass sie für den Küchendienst im Gefängnis benötigt werden. Polizeiinspektor Dickbauer ließ die Papiere der Mädchen verschwinden. Sie wurden nicht dem Transport nach Auschwitz angeschlossen, sondern blieben im Gefängnis und wurden in der Gefängnisküche beschäftigt.

Als am 18. Jänner 1945 der Befehl eintraf, alle Insassen des Gefängnisses ins KZ Bergen-Belsen zu transportieren, wurde Dickbauer angegangen, bei der Flucht der Mädchen aus dem Gefängnis behilflich zu sein. Dickbauer zögerte nicht. Der Kriminalpolizist Rudi Moser bot ebenso seine Hilfe an, die Mädchen zu retten. Lorraine Justman-Visnicki und Mirjam Fuchs gelang es in der Nacht mit Hilfe der Polizeiinspektoren Dietz und Dickbauer, aus dem Gefängnis zu entkommen.

Erwin Lutz bot ihnen als ersten Zufluchtsort seine Wohnung in der Innsbrucker Ahorndorfstraße 3 an. Danach versteckten sie sich in der Wohnung von Maria Stocker, einer Bekannten von Rudi Moser, die trotz der Gefahr keinen Moment zögerte, die Mädchen liebevoll aufzunehmen. Nur durch die mutige Courage der erwähnten Österreicher, die dadurch ihr eigenes Leben in Gefahr brachten, überlebten Lorraine Justman-Visnicki und Mirjam Fuchs den Holocaust.

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