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Windhoek#

Parliament gardens
Parliament gardens in Windhoek
Photo: Damien du Toit under CC taken from Wikipedia

Windhoek with 250.000 inhabitants is the biggest city of Namibia. In 1840 the city was founded as a settlement of the Nama people called "Small Windhoek". The German protection force settled there in 1890 and established an administrative centre. The period between 1902 and 1914 is often termed as the height of Windhoek, even though the heavy population growth began in 1990 when Namibia gained its independence from South Africa (from 110.000 to 250.000 inhabitants). The climate is dry (30cm precipitation) and temperatures are not as high as in other parts of the country due to the altitude (over 1.600m).

Windhoek is situated nearly in the centre of Namibia, which has an area of over 820.000km² and thus is ten times as large as Austria, but only has approximately 2 million inhabitants. "Approximately" because there are many illegal immigrants of neighbouring countries, where people were driven out by poverty and civil wars. Besides the "bigger" cities (Windhoek, Swakopmund, Lüderitz,...) most people live in the northern part of the country, in the Caprivi Strip, which is neither geographically similar nor is the population alike to rest of dry Namibia. The history of the Caprivi Strip is nearly grotesque: the German Leo von Caprivi, who followed in 1890 Otto von Bismarck as German Imperial Chancellor, exchanged the island of Zanzibar with Helgoland and the Caprivi Strip with the English. He hoped to gain access to the Indian Ocean by way of the Zambezi. Unfortunately for him it soon became apparent that the Caprivi Strip was not accessible from the rest of Namibia (nowadays a road links the two parts). Furthermore, the area was heavily contaminated by malaria and not only the Victoria Falls, but several other waterfalls blocked the way, making the river not navigable. The era of Namibia as German South-West Africa was only short: since 1884 till the conquest by the British in World War I in 1915. Nevertheless it is fascinating, how much survived of this time until today, like a German daily newspaper.

Windhoek ist mit 250.000 Einwohnern die größte Stadt Namibias und auch der Ausgangspunkt für die im folgenden mit Bildern und kurzen Texten geschilderte Reise. Die Stadt wurde 1840 als Siedlung des Nama Stammes als "Klein-Windhoek" gegründet. 1890 lässt sich die deutsche Schutztruppe hier nieder und richtete ihr Verwaltungszentrum ein. Die Zeit 1902-1914 wird oft als Blütezeit Winhoeks bezeichnet, obwohl der starke Bevölkerungszuwachs erst einsetzte, als Namibia 1990 unabhängig wurde (von 110.000 auf die erwähnte Viertelmillion). Das Klima ist trocken (30 cm Niederschlag), die Temperaturen sind durch die Höhenlage (über 1600 m) nicht ganz so hoch, wie in anderen Teilen des Landes. Windhuk, wie es deutsch noch immer genannt wird, liegt ziemlich im Zentrum Namibias, das mit über 820.00 Quadratkilometer etwa zehn Mal größer ist als Österreich, dabei aber nur ca. 2 Millionen Einwohner hat. Das "ca." rührt daher, dass es sehr viel illegale Einwanderer aus afrikanischen Nachbarländern gibt, wo durch Armut und Bürgerkriege viele Menschen vertrieben wurden. Abgesehen von den "größeren" Städten (Windhoek, Swakopmund, Lüderitz,...) wohnen die meisten Menschen ganz im Norden, im Caprivi-Streifen, der weder geographisch noch von der Bevölkerung her viel gemein mit dem trockenen Restnamibien hat. Die Geschichte dieses Streifens ist nahe an einer Groteske: der deutsche Leo von Caprivi, der 1890 Otto von Bismarck als deutscher Reichskanzler folgte, tauschte mit den Engländern die Insel Sansibar (heute Uguja- Insel) gegen Helgoland und eben den Caprivistreifen, den letzteren in der Annahme, dass man dadurch über den Sambesi Zugang zum indischen Ozean haben würde. Erst nachträglich stellte sich heraus, dass erstens der Caprivistreifen vom eigentlichen Namibia gar nicht erreichbar war (heute gibt es freilich eine Straßenverbindung), zweitens die Gegend sehr stark malariaverseucht ist und drittens der Sambesi nicht nur durch die Victoria Fälle, sondern Dutzende weitere Wasserfälle keinen schiffbaren Weg zum Meer bietet. Die Ära Namibias als "Deutsch-Südwestafrika" war nur kurz: von 1884 bis zur Eroberung 1915 durch die Briten im Ersten Weltkrieg. Es ist trotzdem erstaunlich, wie viel sich aus dieser Zeit bis heute erhalten hat, selbst eine deutsche Tageszeitung.


--> Kommentar: Hochinteressant, die faszinierenden Bilder sind auch besonders für jene, die Namibia nichts selbst besuchen können wichtig, da sie eine ausgezeichneten Einblick in die gegenwärtige Situation geben und somit das Verständnis für das eher unbekannte Land fördern.

Sehr erfreulich auch die für das Verständnis der Problematik gegebenen Hintergrundinformationen. Der preußische Infanteriegeneral Leo Caprivi zerstörte Bismarcks komplexes Bündnis-System und war somit einer der Wegbereiter des Weltkriegs.

Beispiel: Als der russische Botschafter bei ihm wegen der Verlängerung des streng geheimen Rückversicherungsvertrages vorsprechen wollte, empfing er ihn nicht einmal, worauf sich der Zar den Franzosen zuwandte. Damit waren die politischen Fronten neu definiert, das deutsche reich zwischen Russland und Frankreich mit deren Verbündeten strategisch "eingeklemmt". Seine intelligenzdefizitäre Kolonialpolitik zeigt die kritische Einführung zu den Bildern deutlich.

Im Gegensatz zu Bismarck war C. absoluter Anhänger der Kolonialpolitik. Dies hängt zusammen mit dem geplanten,die Engländer provozierenden Bau der deutschen Hochsee(schlacht)flotte, die Stützpunkte benötigte. Da die Welt damals schon verteilt war, blieb eben nur Deutsch-Südwest und wenige andere kleine Gebiete.

Ungeachtet dieser Problematik ist die Vorgangsweise aber doch auch ambivalent: Zu Recht wird nämlich darauf hingewiesen, wie viel sich in Namibia noch erhalten hat. R. Kipling spricht von "white mans burden" und meint damit die Bedeutung des Kolonialismus im Sinne der Entwicklungshilfe, wofür Namibia ein gutes Beispiel ist. Als sich der Kolonialismus allerdings zum Fieberwahn des Imperialismus steigerte, war auch infolge der dümmlichen Politik Wilhelms II., seines völlig entbehrlichen Schlachtflottenbaues und seiner Generals-Pickelhaube Caprivi -auch als Kanzler ein reiner Befehlsempfänger, der Bismarck nie war- der Weltkrieg in "statu nascendi" vorprogrammiert.

England hätte sich durch die deutsche Flotte allerdings nicht so provoziert fühlen müssen. Für die Insel war die Flotte keine Gefahr. Wie Namibia besonders deutlich zeigt, ging es aber um die Kolonien und die Aufteilung der Welt. Die deutsche Schutztruppe war 1915, abgeschnitten von ihrer gesamten Infrastruktur, natürlich völlig chancenlos. Somit ist das herrliche Namibia ein klassisches Paradigma für die Ambivalenz des Kolonialismus, nicht aber des Imperialismus: Kulturelle und politische Aspekte (Zeitungen, Religion etc.] haben sich bemerkenswerterweise trotz englischer Besatzung erhalten.

Es ist sehr zu danken, dass derartige schöne Bilder zur Verfügung gestellt werden und noch dazu mit einer höchstinteressanten Einführung versehen sind, ohne die sie nicht wirklich tiefer zu verstehen wären.

-- Glaubauf Karl, Mittwoch, 28. September 2011, 10:11