unbekannter Gast

Burg Heidenreichstein#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Bezirkshauptmannschaft: Gmünd Niederoesterreich, Gmuend

Gemeinde: Heidenreichstein Niederoesterreich, Heidenreichstein

Katastralgemeinde: Heidenreichstein



Burg Heidenreichstein, Foto: © Österreich Werbung
Burg Heidenreichstein
Foto: © Österreich Werbung

Mächtigste und besterhaltene Wasserburg von Niederösterreich. Torgebäude mit Zugbrücke sowie Renaissancetor, zweiter Torbau mit Zugbrücke und Gußerker, an der Westseite Nebengebäude, an der Ostseite mächtiger quadratischer Bergfried aus dem 13. Jahrhundert, der Einstieg in den Bergfried befindet sich in 14 m Höhe.
Südturm mit Spitzbogentor und Verlies, Wehrgang, das Wohngebäude mit Freitreppe, kleiner Innenhof, Wendeltreppe, Arkaden im Hof, an den Ecken verschieden starke Rundtürme; ehemals romanische Kapelle mit Holzdecke und Resten von Malerei (1456); Gotischer Dachstuhl über dem gesamten Südtrackt mit gehackten Balken und geschnitzten Holznägeln.

Die Gründung der Burg und des Ortes dürfte zwischen 1180 und 1190 durch ihren Vasallen Heidenreich, der zur Familie der Burggrafen von Gars-Eggenburg gehörte, erfolgt sein. Sie gehörten wohl zur weit verzweigten Sippe der Kuenringer. Aufgabe der Burg war es, zwei wichtige Fernstraßen nach Böhmen zu sichern. Schon 1205 wird die Burg mit Otto von Heidenreichstein urkundlich erwähnt. Als Graf Konrad von Raabs um 1192 starb, wurde sein Besitz zwischen seinen beiden Töchtern geteilt. Die Geschichte der Herrschaft ist sehr komplex und eng verwoben mit den Nachbarherrschaften Litschuau und Raabs an der Thaya.
Unter Herzog Friedrich I. wurde Heidenreichstein 1348 an Albrecht von Puchheim verpfändet. Er musste seine Stammburg Puchheim (Oberösterreich) an Herzog Albrecht II. übertragen und erhielt dafür Litschau und Heidenreichstein als Lehen. Die Puchheimer zählten zu den angesehendsten Adelsfamilien des Landes und der ansässige Familienzweig nannten sich bald nach der Burg.

Ab 1400 wird die Burg umfassend ausgebaut, was durch die Hussitenkriege von 1425 bis 1431 unterbrochen wurde. Der romanischen Hochburg im Westen wird ein äußerer Burghof vorgelegt und die Umfassungsmauern durch Turmbauten verstärkt.
Wilhelm von Puchheim war Landmarschall und zeichnete sich 1532 im Kampf gegen die Türken aus. Sein Sohn Friedrich Christoph von Puchheim und dessen Brüder erbauten 1549 das äußere Vorwerk mit dem Tor.

Burg Heidenreichstein, Foto: © Österreich Werbung
Burg Heidenreichstein
Foto: © Österreich Werbung

Das Bedürfnis nach erhöhter Wohnlichkeit brachte in der Renaissancezeit etliche Veränderungen. Damals entstand auch der kurze kreuzgratgewölbte Laubengang im Innenhof vor der mittelalterlichen Rauchküche.
Im böhmischen Krieg von 1621 wurde der Ort gebrandschatzt, die Burg aber nicht angegriffen. 1636 war die Herrschaft so hoch verschuldet, dass eine Exekution durchgeführt werden musste und Heidenreichstein an Siegmund Adam von Traun gelangte. In kurzen Abständen wechselten die Besitzer mehrmals: 1640 Zinzendorf, 1641 Polheim, 1643 Khuen, dann Volkra.
1650 wurde Heidenreichstein zur Grafschaft erhoben. Otto von Volkra verlor aber aufgrund hoher Verschuldung die Herrschaft.
Sie wurde von Margaretha Marchese degli Obbizzi (geborene Gräfin Pálffy) erworben. Ihr Bruder Nikolaus wurde 1714 mit Heidenreichstein belehnt. 1807 wurde Karl Graf Pálffy gefürstet. Um 1900 fanden größere Renovierungsarbeiten statt, wobei es im Inneren zu geringfügigen historistischen Veränderungen, vor allem durch den Einzug von Holzdecken, kam.
Als 1947 Ladislaus Fürst Pálffy als letzter der Heidenreichsteiner Linie starb, kam die Burg an Rudolf Graf van der Straten-Ponthoz, dem ehemaligen Adjutanten des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand. Seine Tochter Josefine ist mit Christian Graf Kinsky von Vchinitz und Tettau verheiratet, der 1961 Heidenreichstein erbte. Die Burg und das damit verbundene Gut gehören auch heute noch der Familie Kinsky.

Heidenreichstein zählt zu den wenigen Adelssitzen des Waldviertels, die 1945 nicht geplündert und verwüstet wurden. Ebenso hat sie seit ihrem Bestehen keine bewegte kriegerische Geschichte vorzuweisen.

Sie ist auch eine der seltenen österreichischen Burgen, die noch ganzjährig bewohnt werden.
In der Hochburg ist in der wärmeren Jahreszeit ein interessantes Burgmuseum zu besichtigen. Fallweise werden auch Freilichtaufführungen im Burghof veranstaltet.


Eigentümer: Graf Christian und Gräfin Josefine Kinsky, geb. van der Straaten


Burg Heidenreichstein, Foto: Edgar Pfandler. Aus: Wikicommons unter CC
Burg Heidenreichstein
Foto: Edgar Pfandler. Aus: Wikicommons unter CC

Lärchenallee von Heidenreichstein nach Eisgarn. Österreich. Photographie. Um 1995., Foto: © IMAGNO/Franz Hubmann
Lärchenallee von Heidenreichstein nach Eisgarn. Österreich. Photographie. Um 1995.
Foto: © IMAGNO/Franz Hubmann

Burg Heidenreichstein. Österreich. Photographie. Um 1995., Foto: © IMAGNO/Franz Hubmann
Burg Heidenreichstein. Österreich. Photographie. Um 1995.
Foto: © IMAGNO/Franz Hubmann

Die Wasserburg Heidenreichstein in Niederösterreich gilt als die größte und schönste Burg im Land unter der Enns. Photographie um 1999., Foto: © IMAGNO/Gerhard Trumler
Die Wasserburg Heidenreichstein in Niederösterreich gilt als die größte und schönste Burg im Land unter der Enns. Photographie um 1999.
Foto: © IMAGNO/Gerhard Trumler

Burg Heidenreichstein mit schneebedeckten Dächern. Österreich. Photographie. Um 2004., Foto: © IMAGNO/Gerhard Trumler
Burg Heidenreichstein mit schneebedeckten Dächern. Österreich. Photographie. Um 2004.
Foto: © IMAGNO/Gerhard Trumler


--> Rittersaal (Video-Album)

--> Burg Heidenreichstein (Briefmarke)


www.kinsky-heidenreichstein.at

Quellen#

Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:
  • Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann
  • Webrecherchen.

Redaktion: K. Ziegler