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Fastenbrauch#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Salzbrezel, © Helga Maria Wolf
Salzbrezel
© Helga Maria Wolf

„Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei, die Woch‘ danach Quatember sei“, prägte man den Kindern ein. Nach dem Aschermittwoch, Pfingsten, Kreuzerhöhung und dem Luzientag - sollte in einer Woche am Mittwoch, Freitag und Samstag gefastet werden. Seit dem 8. Jahrhundert bezeichnete man diese in Rom als „quattour tempera“, vier (Jahres-)Zeiten. Schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert ermahnte der Prophet Sacharja zum „wahren Fasten“ und nannte dafür vier Monate. (Sach 7-8) Vorläufer des Quatembers könnten altrömischen Erntedankfeste gewesen sein, die anlässlich der Getreideernte, Weinlese und Aussaat begangen wurden. Bei den Christen sollte der Dreiklang Fasten, Beten und Almosen im Vordergrund stehen. Außerdem dienten die Quatemberwochen der Vorbereitung und Spendung der Weihen und wurden daher „Weihefasten“ genannt. Es hieß auch Fronfasten (Herrenfasten) weil zu den Quatemberterminen Pacht und Abgaben zu zahlen waren.

Das Jahr der mittelalterlichen Menschen im deutschsprachigen Raum hatte rund hundert Sonn- und Feiertage und 160 Fast-und Abstinenztage, an denen die Gläubigen auf Fleischspeisen verzichten mussten. Den Abstinenztag am Mittwoch begründete man im Mittelalter mit der Festnahme Jesu an diesem Wochentag. Den Freitag begingen schon die ersten Christen in Erinnung an das Leiden Jesu in dieser Weise und widmeten sich dem Gebet. Den Sinn des samstäglichen Fastens begründeten die Theologen des Mittelalters mit der Vorbereitung auf den Sonntag. Das gemeinkirchliche Fasten umfasste die vierzig Tage vor Ostern, zeitweise den Advent von Martini bis Weihnachten, das Vigilfasten vor hohen Festen und das Quatemberfasten. Besonders eifrigen Christen war das noch zu wenig. Sie fasteten u.a. auch am Silvesterabend, den Tagen vor Dreikönig, Maria Empfängnis, Barbara und Nikolaus. Die Erwachsenen übten es nicht nur selbst aus, sie schlossen teilweise auch Kinder und Haustiere in den Verzicht ein. Ursprünglich war völlige Nüchternheit bis zum Sonnenuntergang gefordert, ab dem 9. Jahrhundert gestattete die Kirche im Abendland die einmalige Sättigung und legte fest, mit welchen Speisen.

Klassische Fastenspeisen waren Gemüse-, Fisch-, Wein-, Bier-, Wasser-, Gries- und Graupensuppen, Milch-, Käse-, Brot- und Semmelspeisen, Brei aus Hirse und Hülsenfrüchten und Trockenobst. Als Basis für die Fastensuppen diente Erbsenwasser - Erbsen, Ingwer, Lorbeer, Petersilie, Muskat und Safran wurden eine Stunde lang gesotten und verdünnt. Auch Mandeln und getrocknete Kirschen konnten als Grundlage einer Fastensuppe dienen. Ein Wiener Rezept empfiehlt, passierte Kirschen mit Vanille, Zimt, Zucker, Gewürznelken und Rotwein aufzukochen und über gerösteten Semmelschnitten zu servieren. Eine besondere Rolle spielten die Fische, die von den Klöstern in eigenen Behältern und Teichen gehalten, teilweise auch verarbeitet und verkauft wurden. So zählten die Würste der Paulaner im 4. Bezirk zu den Alt-Wiener Spezialitäten. Sie ersetzten die Weißwurst aus Kalbsbrat und bestanden aus Zanderfilet, Semmeln, Milch, Zwiebel, Butter und Gewürzen. Die aus der faschierten Masse geformten Würstchen wurden dann noch paniert und in reichlich Butterschmalz herausgebacken.

1716 heißt es im „Vollständigen Küchen- und Keller-Dictionarum“: „ Was nun die an denen Fasttagen verbotene Speisen betrifft, so sind solche nicht allein alles Fleisch der auf Erden und in der Lufft sich aufhaltenden Thiere als nemlich der Vierfüssigen und der Vögel sondern auch das was von fleischigten Thieren herkommt als Eyer, Milch, Butter, Käse zu zehlen. Die Fische aber ob man zwar meynen möchte, daß sie ein Fleisch an sich haben, darff man essen, denn es haben solche kein rechtes wahres Fleisch.“ In der Folge galten auch Schnecken, Frösche, Krebsen, Schildkröten, Biber, Ottern, Enten, Reiher und Schwäne - da sie im Wasser leben - als Fastenspeisen.

Quelle#

Helga Maria Wolf. Weihnachten Kultur & Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005

Redaktion: hmw