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Fastenzeit #

--> Essay Fastenzeit

Fastenkrippe von Arnold Lobisser, Hallstatt. Foto: Alfred Wolf,2002
Fastenkrippe von Arnold Lobisser, Hallstatt. Foto: Alfred Wolf,2002

Die Fastenzeit (Quadragesima, österliche Bußzeit) beginnt am Aschermittwoch und endet (vom Zweiten Vatikanum so definiert) mit der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag. Die vorösterliche Bußzeit hatte von Anfang an eine soziale Komponente: Was man durch Fasten ersparte, gab man den Armen. Im 2. Jahrhundert nahmen die Christen am Karfreitag und Karsamstag überhaupt keine Speisen und Getränke zu sich. Nach dem Konzil von Nicäa (325) aßen sie während der 40 Tage vor Ostern nur am Abend und genossen weder Wein noch Fleisch. Teilweise waren auch Eier, die man für flüssiges Fleisch hielt, und Milchprodukte verboten. Derzeit sind nur noch Aschermittwoch und Karfreitag Fast- und Abstinenztage. Katholiken ab dem 14. Lebensjahr dürfen keine Fleischspeisen genießen, für 18- bis 60-Jährige gilt außerdem die einmalige Sättigung.

Die 40 Tage der Fastenzeit sind mehr symbolisch als mathematisch zu verstehen. Einschließlich der Sonntage (die keine Fasttage waren) dauert sie 46 Tage. Sie haben einen mehrfachen biblischen Hintergrund: 40 Jahre wanderten die Israeliten durch die Wüste (Jos 5,6) 40 Tage dauerte die Sintflut (Gen 7,4ff.), hielt sich Moses auf dem Sinai auf (Ex 34,28), war der Prophet Elija zum Horeb unterwegs (1 Kön 19,8) und blieb Jesus in der Wüste (Mt 4,2). Im evangelischen Bereich heißen die 40 Tage Passionszeit, die Sonntage tragen lateinische Namen: Invokavit, Reminiszere, Okuli, Lätare, Judika, sowie Palmsonntag.

Als klassische Fastenspeisen galten Fische und Brezel, wie das berühmte Gemälde Kampf zwischen Fasching und Fasten von Pieter Breughel d. Ä. (1520-1569) im Wiener Kunsthistorischen Museum zeigt. Vor der Entwicklung der Kühltransporte waren Kabeljau (als Stockfisch getrocknet) und Hering die einzigen Meeresfische, die in Binnenländer exportiert werden konnten. Man salzte die Heringe ein und verfrachtete sie in Fässern. Süßwasserfische blieben den oberen Ständen vorbehalten, denn Jagd und Fischerei waren Herrenrechte. Klöster hatten ihre eigenen Fischteiche. Fastenbrezel, salzige Laugenbrezel, waren lang haltbar. Ihre Form soll an verschränkte Arme als Gebetshaltung erinnern. Ratscher erhielten solche Brezel als Lohn. In Salzburg vertrieb ein Wanderhändler die "Fastenbrezen", bei der Fastendult konnte man sie vielen Ständen kaufen. Man erwarb sie auch nach der Osterbeichte und brachte sie mit heim. Selbst buk man sie zwischen Aschermittwoch und Palmsamstag. Im Land Salzburg war der 3. März (Kunigundentag) der Tag der Brezenspende. Das Gebäck diente auch als Einlage in eine Fastensuppe (Brezensuppe) und als Behang von Palmbuschen.

Fastenbaum in der Donaucity-Kirche, Wien 22. Foto: Doris Wolf, 2011
Fastenbaum in der Donaucity-Kirche, Wien 22. Foto: Doris Wolf, 2011

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird zu individuellen Fastenopfern aufgerufen, wie zum "Autofasten". Schon seit 1958 besteht die Aktion Familienfasttag der katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie beginnt jeweils am Aschermittwoch und motiviert die Gläubigen, am Freitag der zweiten Woche in der Fastenzeit nur Suppe oder eine einfache Speise zu essen und am Sonntag das Ersparte zu spenden. Viele Pfarren laden dann auch zum Suppensonntag ein. Außerdem gibt es seit einigen Jahren prominent besetzte Benefiz-Suppenessen. Jährlich gehen bei der Aktion ca. 2 Mio € ein. Ein anderer neuer Brauch ist der "Fastenbaum", wie in der Wiener Donaucity-Kirche. Die Besucher werden eingeladen, ihre Fastenvorsätze auf bunte Zettel zu schreiben, die sie an einem kahlen Ast im Altarraum aufhängen.

Verhülltes Kreuz in der Piaristenkirche, Wien 8.Foto: Doris Wolf, 2013
Verhülltes Kreuz in der Piaristenkirche, Wien 8.Foto: Doris Wolf, 2013

Seit dem 11. Jahrhundert war es üblich, von Aschermittwoch bis zur Karwoche den Altar mit einem großen, schwarzen oder violetten Fastentuch zu verhüllen. Im späteren Mittelalter und zur Zeit der Gegenreformation erhielten die Hungertücher Darstellungen der Leidensgeschichte in Art der Armenbibel (Biblia pauperum) für die des Lesens unkundigen Gläubigen. Als größtes modernes Fastentuch der Welt gilt jenes im Kloster der Dominikanerinnen in Kirchberg am Wechsel (Niederösterreich). Im Jahr 2000 mit 40 biblischen Szenen geschaffen, misst es 100 m. Im Jahr des Glaubens 2013 rief die katholische Kirche in Österreich zur "Aktion Glaube - verhüllen, enthüllen, entdecken" auf. Die Verhüllungsaktion sollte Kreuze und Glaubenszeichen in Kirchen und im öffentlichen Raum umfassen. Ein spektakuläres Beispiel war die Verhüllung des Großglockner-Gipfelkreuzes. Die allgemeine Enthüllung fand zu Ostern statt.

Fastenkrippe am Alt-Wiener Ostermarkt. Foto: Doris Wolf, 2015
Fastenkrippe am Alt-Wiener Ostermarkt. Foto: Doris Wolf, 2015

Analog zu den Weihnachtskrippen gibt es Fastenkrippen, die mit vielen Figuren die Stationen der Passion schildern. Man findet sie besonders in Nord- und Südtirol und Bayern in Kirchen, Haushalten und Museen. Beim Alt-Wiener Ostermarkt auf der Freyung wurde eine Fastenkrippe aus Tirol (von Philipp Schumann) stark vergrößert gemalt, sodass sie von der Straße her eindrucksvoll zu sehen ist.
In der Pfarre Hausleiten - St.Agatha (NÖ) wurde im Jahr 2015 eine Fastenkrippe angeschafft und im Rahmen eines Festgottesdienstes am Sonntag Laetare von Weihbischof Helmut Krätzl gesegnet.

Nur wenige Kirchen passen ihren Raumschmuck der Fest- bzw. Fastenzeit an. Ein hervorragendes Beispiel bot 2014 die Servitenkirche, Wien 9, wo ein Meisterflorist die Gestaltung übernahm. Die Symbolik der Dornenzweige in der Karwoche sprach unmittelbar an. Eine Gruppe der Pfarrgemeinde fertigte ein neues Fastentuch an.

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Fotos: Doris Wolf
Fotos: Doris Wolf

Fotos: Doris Wolf

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 69% an, die Fastenzeit zu kennen und 24 %, selbst zu begehen.


Quellen:
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 105, 109 f.
Kurt Lorz: Fasten- Osterkrippen, in: SammlerJournal. Schwäbisch Hall 1984. S. 434 f.
Ludwig A. Veit: Volksfrommes Brauchtum und Kirche im deutschen Mittelalter. Freiburg/Br. 1936. S. 93, 122 f.
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 61 f.
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972
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