unbekannter Gast

Folterkammer und Hungerturm - Schloss Ort#

Tragik und Romantik sind hier kaum mehr zu überbieten

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Kerkerzellen
Gleich daneben verweisen aber Hungerturm (mit Totenschädel hinter Gittern) und Kerkerzellen auf grausame Vorbesitzer.
© Hilde und Willi Senft

Arkadenhof - Schloss Ort
Reizvoll ist der dreieckige Arkadenhof, in dem man bei Schönwetter die Angebote eines Restaurants genießen kann.
© Hilde und Willi Senft

Seeschloss Ort
Der gotische Torturm mit dem barocken Zwiebeldach überragt das Seeschloss.
© Hilde und Willi Senft

Seeschloss Ort
Die Wasserburg Ort wurde nie von Belagereren eingenommen.
© Hilde und Willi Senft


Was wäre die Stadt Gmunden ohne dieses prachtvolle Seeschloss Ort, das wohl der Tupfen auf dem "i" in der landschaftlichen Schönheit rund um die Gmundner Bucht ist?

Durch die Fernsehserie in allen deutschen Landen wohlbekannt, ist der Fremde zunächst enttäuscht, daß es hier kein "Schlosshotel", sondern nur ein Restaurant gibt. Das ansprechende bauliche Ensemble mit seinem massigen Torturm und dem dreieckigen Arkadenhof, ergänzt durch "mittelalterlich-finstere" Kerkerzellen und die von Tragik umwehte interessante Historie der Wasserburg nehmen die Besucher jedoch alsbald gefangen.

Dem Seeschloss gegenüber steht das gleichnamige Landschloss, nur ist ersteres zweifellos um einige Jahrhunderte älter. Vielleicht hatten schon die Römer auf der von der Natur geschaffenen Insel ein Kastell errichtet. Im Schlossturm findet sich die Jahreszahl 1092. Sie bestätigt das hohe Alter, aber man kann annehmen, daß die mächtige Festung noch viel früher erbaut worden ist. Nach der Burg nannten sich alle Besitzer die "Herren von Ort".

Nachdem verschiedene Geschlechter gekommen und gegangen waren, kam die Veste Ort als ritterliches Lehen im Jahre 1483 an Kaiser Friedrich III., und von da an verwalteten Pfleger den Besitz. Sie übten auch die Gerichtsbarkeit aus. Der Hungerturm und die niedrigen kleinen Kerkerzellen geben Zeugnis davon, ebenso die ins Gmundner Museum gelangten Marterwerkzeuge.

Der berüchtigste und grausamste dieser Pfleger war Adam von Herberstorff, der vor dem Bauernaufstand von 1625/26 vierunddreißig Bauern um ihr Leben würfeln ließ, wobei jeder zweite aufgehängt wurde. Als "Frankenburger Würfelspiel" ist dieses menschenunwürdige Ereignis in die Geschichte eingegangen.

Nach weiteren wechselnden Besitzern gelangte die Herrschaft Ort 1854 in den Besitz des Salinen-Ärars, und 1869 kaufte Großherzog Leopold II. von Toskana das Landschloss um den Betrag von 21.000 Gulden. 1878 erwarb sein Sohn Erzherzog Johann Nepomuk Salvator von Toskana auch das Seeschloss dazu.

Dieser unglückliche Sproß des Kaiserhauses überwarf sich aber bald mit Franz Joseph, legte alle seine Würden nieder und nannte sich nach seiner Lieblingsbesitzung nur noch „Johann Orth". 1889 heiratete er die Ballettänzerin Margarethe Stubel und verließ mit ihr als leidenschaftlicher Seefahrer auf seinem Schiff "St. Margaretha" Europa mit Kurs auf Südamerika. Angeblich ist das Schiff mit Mann und Maus in der Magellanstraße bei einem Sturm gesunken, denn man hat von Johann Orth und seiner Frau nie mehr etwas gehört - obwohl bis heute gemunkelt wird, daß er sich in Argentinien oder Chile als Farmer niedergelassen habe. Vielleicht ist aber an dieser Geschichte doch etwas Wahres daran, denn 1978 tauchten in Gmunden angebliche Nachfahren von Johann Orth auf, die sich als "Helmenpopp-Orth" auswiesen...

Wandervorschlag#

Jeder Bergwanderer, der in Gmunden Station macht, ist von der Wuchtigkeit des alles überragenden TRAUNSTEINS fasziniert. Seine Besteigung läßt sich allerdings nicht mehr in die Kategorie "Bergwanderung" einstufen; man muß zwar kein Kletterer, aber geübt und schwindelfrei sein, und es sollten absolut trockene Verhältnisse herrschen. Wir empfehlen für den Aufstieg den "Hernlersteig" (wobei wir ca. acht Kilometer am Ostufer des Sees bis zu einem Parkplatz fahren) und für den Abstieg den „Lainsteig" zur „Mair-Alm". Der gesamte Aufstieg ist durchgehend durch Drahtseile gesichert. Der Abstieg ist notwendigerweise nur im oberen Teil versichert, führt aber durch steiles Schrofengelände, und auch hier sind Vorsicht und Trittsicherheit unerläßlich! Die Gesamtgehzeit beträgt 6 ½ St. (Kompaß WK Nr. 18).

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft