unbekannter Gast

Graßteufel und Habergeiß#

Geheimnisvolle Fabelwesen des Salzkammerguts

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Graßteufel
Die Graßteufel treten immer zusammen mit Krampussen in Erscheinung.
© Hilde und Willi Senft
Habergeiß
Die Habergeiß ist ein uralter Vegeationsdämon, der mithelfen soll, den Winter zu vertreiben.
© Hilde und Willi Senft
Graßteufel
Besonders am Grundlsee treiben die Graßteufel ihr Unwesen.
© Hilde und Willi Senft


Krampusfiguren und Perchten gibt es überall im Alpenraum. Die Habergeiß und besonders die Graßteufel sind aber eine Spezialität des Salzkammerguts, wobei letztere praktisch nur im Ausseerland ihr Unwesen treiben. Der Graßteufel - auch Graßmandl genannt -, eine zur Gänze in Tannenreisig gehüllte Person mit einer Kopfmaske, die an einen Wurzelstock oder an einen astigen Baumstumpf erinnert, ist somit ein echter Waldgeist. "Graß" lautet in den österreichischen Alpenländern die Bezeichnung für Reisig von Nadelbäumen, das zur Einstreu im Stall verwendet wird.

Der Graßteufel tritt zusammen mit den Krampussen auf und hält wie sie eine Rute, gelegentlich auch einen Stock, deren ursprünglicher Sinn keineswegs ein Instrument der Züchtigung, sondern ein „Segenszweig" war. Er bringt jenen, die damit berührt werden, Glück und Gesundheit - man denke dabei auch an das „Frisch- und G'sundschlagen" am "Unschuldige Kinder-Tag".

Wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um eine schon sehr alte, vorchristliche Figur. Woher sich der Graßteufel aber wirklich ableitet und weshalb er nur im Ausseerland auftritt, ist bislang ein echtes Geheimnis geblieben...

Eine der merkwürdigsten Gestalten des Volksglaubens ist die "Habergeiß" - zweifellos ein vorchristliches Fabelwesen, vermutlich ein Korn-Dämon, den man sich durch allerlei Opfergaben geneigt zu machen trachtete. Im Verlauf der Zeiten wurde sie immer mehr zu einer Schreckgestalt mit Ziegenkopf.

Früher sagte man beim Dreschen der letzten Getreidegarbe, mit dem letzten Drischelschlag habe man die "Habergeiß erschlagen". Dabei hat die Bezeichnung "Habergeiß" nichts mit „Hafer" zu tun. Die Sprachforscher sagen uns, daß „Haber" eine Verballhornung von lat. "caper" = (Ziegen-) Bock ist.

Verwandte Maskengestalten sind der "Habersack" im Harz, die „Schnabelgeiß" im Kanton Zürich und die „Schnabelperchten" im Salzburgischen.

Die Habergeiß geht, im Salzkammergut bei den Krampusumzügen mit und zwickt mit ihren Kinnladen die Umstehenden. Im Gebiet von Bad Mitterndorf ist sie ein unverzichtbares Mitglied des "Nikolospiels".

Krampusumzüge und Perchtenläufe sind in den Alpenländern uraltes kultisches Geschehen mit dem Zweck, die feindlichen Frostriesen und Winterunholde durch Lärmen und Mummenschanz zu verscheuchen. Dabei stellen die Masken mit ihren zornigen oder häßlichen Gesichtszügen die Unholde zum Teil selbst dar.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft