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Heiligenstadt, Wien 19#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wappen., Foto: Hieke. Aus: Wikicommons
Wappen.
Foto: Hieke. Aus: Wikicommons

Der alte Vorort Heiligenstadt lag auf einer Terrasse am Donaukanal bis zum Leopoldsberg. Er grenzt an Nußdorf, Grinzing, Unter- und Oberdöbling. Die Eingemeindung nach Wien erfolgte wie bei den meisten anderen Vororten 1890/92. Die Franz-Josefs-Bahn und die S 45 fahren durch Heiligenstadt, die U4 (Stadtbahn) hat ihre Endstation.

Mauerreste im Bereich Heiligenstädter Straße-Pokornygasse-Bauernfeldgasse verweisen auf einen römischen Wehrturm am Limes. In der Nähe der Jakobskirche fand man einen römischen Friedhof und ein Awarengrab. Die Franken begannen um 900 mit der Besiedelung von Heiligenstadt. Der Ortskern, mit der ältesten Kirche dieses Gebietes, befand sich um den heutigen Pfarrplatz. Bereits 1250 besaß das Stift Klosterneuburg Weingärten in Heiligenstadt, das im Mittelalter zu den reicheren Orten zählte. Er litt jedoch wie viele Vororte von Wien 1484, 1529 und 1683 unter kriegerischen Verheerungen. Im 19. Jahrhundert machten die Lage und ein Heilbad Heiligenstadt zu einer beliebten Sommerfrische. Auch Ludwig van Beethoven lebte zeitweise hier und schrieb im Haus Probusgass 6 das "Heiligenstädter Testament".

Im 19. Jahrhundert war rund ein Drittel der Fläche als Weingärten genutzt, doch gab es auch schon Großbetriebe (Schwefelsäurefabrik in der Heiligenstädter Straße 135; Parketterzeugung, Maschinenfabrik). Nach der Eingemeindung entstand zwischen Heiligenstädter Straße und Donaukanal ein Industriegebiet. 1851 wurde auf der Hohen Warte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, der staatliche meteorologische und geophysikalische Dienst Österreichs, gegründet. Das gebäude entwarf der Ringstraßenarchitekt Heinrich Ferstel. 1909 baute die Papierwarenerzeugung Schnabl am Kreilplatz 1 eine Fabrik für 1000 Arbeiter. Sie produzierte Zigarettenpapier und -hülsen der Marken “Samum” und “Awafi” und die Photopapiere “Austron”. Teile des Gebäudes sind in das Einkaufszentrum "Q 19" integriert. 1927 und 1930 errichtete Stadtbaumeister Karl Ehn den 1 km langen Karl-Marx-Hof mit 1382 Wohnungen.

Die Pfarre Heiligenstadt, Mutterpfarre des 19. Bezirkes, hat zwei Kirchen: St.Jakob am Pfarrplatz geht auf das 5. Jahrhundert zurück und wird (wegen der Ausgrabungen in der Krypta) mit dem Wirken des hl. Severin in Zusammenhang gebracht. 1263 bestand neben der Jakobskirche ein Hospital und eine Pfarrerwohnung, heute gilt der Pfarrhof als einer der schönsten Wiens. Die große Kirche St. Michael hatte einen romanischen Vorgängerbau. Der hochgotische Chor blieb in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten, alles andere ist neogotisch. 2010 fand eine grundlegende Innenrenovierung statt, bei der Altar, Ambo und Sessio neu gestaltet wurden.

Auf der Hohen Warte (Steinfeldgasse, Wollergasse) errichtete der Begründer der Wiener Werkstätte, Josef Hoffmann, um 1910 eine Villenkolonie mit Vorbildcharakter. Gegenüber befanden sich die berühmten Rothschild-Gärten.

Das Wappen zeigt den Kirchenpatron St. Michael.


--> Liste der Wiener Vororte

Quellen#



Redaktion: hmw