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Landstraße, Wien 3#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Landstraße
Landstraße auf dem Plan von Carl Graf Vasquez, um 1830.
Foto: Peter Gugerell. Aus: Wikicommons

Die Vorstadt Landstraße wurde als "Landstrazz" 1302 erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlung (Niklasvorstadt im Bereich Landstraßer Hauptstraße, Erdbergstraße) entstand im 11. Jahrhundert. Kern war das Niklaskloster, das bis ins 16. Jahrhundert bestand. Die auf eine Römerstraße zurückgehende Hauptstraße war eine stark frequentierte Heeres- und Landstraße.

Im 17. Jahrhundert begann man nächst der Rochuskirche an der Kreuzung Landstraßer Hauptstraße, Erdbergstraße, mit der Erbauuung von Häusern. Die durch die Zweite Türkenbelagerung (1683) verödete Agrarsiedlung wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum bevorzugten Areal für Palais und Parks, von denen Prinz Eugens Belvedere das berühmteste ist. Johann Lukas von Hildebrandt baute 1714-16 das Untere Belvedere als Sommerwohnsitz. Von hier erstreckt sich der - in den letzten Jahren revitalisierte - Park zu dem 1720-23 vom selben Architekten geschaffenen Fest- und Repräsentationsbau des Oberen Belvederes. Bei der Errichtung des angrenzenden Schwarzenbergpalais waren die bedeutendsten Baumeister der Zeit, Johann Lukas von Hildebrandt, Johann Bernhard und Joseph Emanuel Fischer von Erlach tätig. Das Metternichpalais (Rennweg 27) wurde zur Italienischen Botschaft. Im Rasumovskypalais befand sich bis 2003 die Geologische Bundesanstalt. Danach wurde es als Bürohaus mit Veranstaltungsräumen revitalisiert. Andreas Kyrill Fürst Rasumovsky hatte 1811 eine Brücke über den Donaukanal schlagen lassen, die später zur ersten Kettenbrücke Wiens (Sophienbrücke) und für die Weltausstellung 1873 als Rotundenbrücke erneuert wurde. Das ehemalige Palais Dietrichstein am Rennweg ist in die hier seit 1868 befindliche Klosterschule des Sacre Coeur integriert. Den Botanischen Garten (Rennweg) ließ Maria Theresia anlegen. Die Gegend ist bis heute ein Diplomatenviertel.

In der Vorstadt waren öffentliche Einrichtungen angesiedelt, wie - seit dem 13. Jahrhundert - das Spital St. Marx. 1846 bis Ende des 20. Jahrhunderts war St. Marx vor allem für sein Schlachthaus und den zentralen Viehmarkt bekannt. Heute ist das große Areal ein wichtiges Stadterneuerungsgebiet. Der Stadtteil Wien-Mitte bei der U-Bahn-Station ist ebenfalls seit Jahren Gegenstand der Umgestaltung. Im 19. Jahrhundert befand sich dort der Hafen des Wiener Neustädter Kanals. 1957 wurde das AEZ (Ausstellungs- und Einkaufszentrum) als eines der ersten seiner Art in Wien eröffnet, das bis in die 1990er Jahre bestand. Es war für die längste Rolltreppe Österreichs und die Livesendungen von "Autofahrer unterwegs" bekannt.

Die Landstraßer Pfarrkirche ist das einzig erhaltene Gebäude der Vorstadt aus der Zeit vor der Zweiten Türkenbelagerung (1683). Kaiser Ferdinand III. (1608-1657) ließ sie zu Ehren der Pestpatrone Rochus und Sebastian bauen. Das Hochaltarbild stammt vom Hof-und Kammermaler Peter Strudel und zeigt Maria als Fürbitterin der von der Pest bedrohten Stadt Wien. Das Kloster auf der Landstraße war Sitz der beschuhten Augustiner-Eremiten, bis ihr Orden 1812 aufgehoben wurde. Weitere markante Gebäude sind die Elisabethinenkirche mit Kloster und Spital (Landstraßer Hauptstraße 4a), die Gardekirche, ein Hauptverk von Nikolaus v. Pacassi (Rennweg 5a), die barocke Salesianerinnenkirche neben dem Belvedere (Rennweg 10), die Waisenhauskirche "Mariä Geburt" (Rennweg 91), in der Wolfgang Amadeus Mozart 1768 seine "Waisenhausmesse" dirgierte. Das Gebäude der Münze Österreich, das ehemalige Hauptmünzamt, errichtete der Hofbaurat Paul Sprenger in den Jahren 1835 bis 1837 am Heumarkt. Eine Generation später wurde auf dem gegenüber liegenden ehemaligen Wasserglacis der Stadtpark nach Plänen von Josef Selleny und Rudolf Siebeck eröffnet.

Das Wappen zeigt den hl. Nikolaus mit den Attributen der drei Kugeln und dem bischöflichen Krummstab.

--> Liste der Wiener Vorstädte

Quellen#

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • Walter Öhlinger (Hg.): Die Pläne der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien von Carl Graf Vasquez.


Redaktion: hmw