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Liesing, Wien 23#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wappen Liesing
Wappen Liesing.
Foto: Hieke. Aus: Wikicommons

Eine Siedlung am Liesingbach (slaw. lesnika - Waldbach) bestand um die erste Jahrtausendwende im Bereich des Schlosses (Geriatriezentrum). Liesing wurde 1905 zur Stadt erhoben und blieb bis 1938 selbstständig. Es grenzt an Rodaun, Atzgersdorf und Perchtoldsdorf (Niederösterreich).

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war der Ort weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Die Industrialisierung brachte wirtschaftlichen Aufschwung : 1838 wurde die Brauerei Liesing ansässig, die sich im Lauf des 19. Jahrhunderts vergrößerte, u.a. mit der von den Theaterarchitekten Fellner & Helmer 1898 entworfenen Brauhaus-Restauration und Arbeiterwohnhäusern (1900-1914). Das städtebaulich dominante Ensemble der Brauerei wurde 2006 demoliert und nach Plänen von Coop Himmelb(l)au bis 2011 der neue Stadtteil "Riverside" angelegt. Das Chemieunternehmen Sarg entwickelte 1860 die durchsichtige Glyzerin-Toilette-Seife, 1884 das Speisefett Ceres und brachte 1887 die weltweit erste Tubenzahnpasta (Kalodont) auf den Markt. Als Reste der Anlage bestehen noch Wohnhäuser - Sichtziegelbauten mit kreuzförmigem Grundriss und turmförmigem Aufsatz - und das Direktionsgebäude (in Perchtoldsdorf).

Die erste Pfarrkirche in Liesing wurde 1446 geweiht und stand an der Ecke Rudolf-Waisenhorn-Gasse/Seybelgasse. 1944 zerstörte sie ein Bombentreffer. 1953 entstand nach Plänen von Robert Kramreiter in der Färbermühlgasse ein ovaler Zentralkuppelbau aus Stahlbeton mit Pfarrhaus und Glockenturm.

Schloss Liesing geht auf einen Gutshof aus dem 14. Jahrhundert zurück. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde es zu einer mächtigen Vierflügelanlage mit Wassergraben ausgebaut. Am Beginn des 18. Jahrhunderts folgte die Umgestaltung zum feudalen Wasserschloss. Ab 1789 diente es als Pflege-, Heil- und Erziehungsanstalt, seit 1878 als Heim der Gemeinde Wien. Die pflegebedürftigen Bewohner übersiedeln im Herbst 2012 in neu gebaute Trakte, wo 322 Betten in Ein- und Zweibettzimmern und ein Tageszentrum für 50 Personen zur Verfügung stehen. Das neue Pflegezentrum ist Teil des Geriatriekonzeptes der Stadt Wien. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 66,6 Millionen Euro. In der Folge werden die historischen Bauteile generalsaniert und darin eine Musikschule untergebracht. Der Park soll öffentlich zugänglich gemacht werden.

Das Wappen zeigt Haselnussfrüchte und Blätter und die Jahreszahl 1683. Es bezieht sich auf die Überlieferung, dass einzig ein Haselnussbaum im Schloss Liesing in der Türkenbelagerung 1683 verschont blieb.

Quellen#


Redaktion: hmw