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Pechsieder#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Pechsieder trennten Holzteer oder Harz von Fichten und Kiefern (Pecher) in den Pechhütten durch Erhitzen oder Destillieren von den flüchtigen Bestandteilen (Pechöl) und vom Wasser. Das so gewonnene Pech hatte dunkle Farbe, zersprang in der Kälte wie Glas und diente zum Kalfatern des Schiffsrumpfes (Schiffspech), zum Steifen des Schuhmacherzwirns (Schusterpech), zum Auspichen der Bierfässer (Pichpech), zur Herstellung von wasserdichten Kitten, Terpentinöl, Kolophonium (Geigenharz), Heil -salben, Wagenschmiere, Schuh- und Lederpasten.

Pech war im Mittelalter ein wichtiger, besonders in deutschen Wäldern gewonnener Handelsgegenstand. Mit siedendem Pech hat man Burgen und Städte gegen deren Angreifer verteidigt, die ihrerseits mit brennenden Pechfackeln und -pfeilen Feuer an Haus und Hof legten. »Pech haben« kommt wohl vom Vogel, der an die Pechrute gerät und kleben bleibt (althochdeutsch heißt peh auch soviel wie »Hölle«).

Josef Traxler, der Sohn eines Pechers, erinnert sich in seiner Erzählung Im Pechwald an eine aufgelassene Pechhütte in Niederösterreich, die in Kindertagen zu seinem Spielplatz wurde: »Dort gab es Kessel und große Eimer, die noch mit Überresten vom Pechsieden behaftet waren, überall lagen Kolophoniumbrocken und verschiedene Gerätschaften herum. Zu einem der beliebtesten Kinderspielzeuge wurde eine Vorrichtung, mit der man einst für die Kesselfeuerung große Holzscheite zersägt hatte. Das war ein etwa zwei Meter hohes, bockartiges Gestell, an dem, ähnlich einer Schaukel, eine Halterung für die inzwischen entfernte Säge hing. An der Hinterseite dieser Halterung war ein aus Steinen bestehendes Gegengewicht angebracht, das beim Holzsägen den ansonsten erforderlichen zweiten Mann ersetzt hatte und mit dessen Schwungmasse der Druck auf das Sägeblatt verstärkt werden konnte.«

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.