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Sailer, Anton ("Toni")#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Toni Sailer
Toni Sailer. Foto, 1957.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien

Toni Sailer wurde am 17. November 1935 als Sohn des Spenglermeisters Anton Sailer in Kitzbühel geboren.

Sein Vater war begeisterter Schifahrer, auch seine älteren Geschwister fuhren bereits Schirennen, und Toni bekam schon als Zweijähriger die ersten Schi.

Als Zehnjähriger nahm er an den ersten Rennen teil und hatte auch rasch Erfolg. Nach Erfolgen in der österreichischen Jugendklasse gewann er bereits mit 15 in der Nationalklasse.

Er errang in seiner einzigartigen Karriere zwischen 1946 und 1957 über 170 große Siege. Seine sportliche Laufbahn erreichte den Höhepunkt, als er 1956 bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo im Alter von 20 Jahren als erster Sportler der Geschichte alle 3 Disziplinen - Abfahrt, Slalom und Riesenslalom - und gewann. Gleichzeitig zählten diese olympischen Medaillen auch als Weltmeisterschaftsmedaillen und als Draufgabe gewann er auch die Goldmedaille in der nichtolympischen Kombination.

Er wurde damit zu einem Nationalhelden, erhielt beim Olympia-Empfang in der Wiener Hofburg von Bundespräsident Theodor Körner das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, wurde als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet und bekam zahlreiche Filmangebote. Er wurde zum Idol der Nachkriegszeit und mehrerer folgender Generationen von Skirennläufer.

1956 und 1958 (Weltmeisterschaft in Bad Gastein), wo er Gold in Abfahrt, Riesenslalom und Kombination sowie Silber im Slalom gewann, errang er insgesamt sieben Weltmeistertitel und zählt damit zu den erfolgreichsten Skirennläufern aller Zeiten.

Bereits 1957 hatte er im Film "Ein Stück vom Himmel" mitgewirkt (nachdem es in diesem Film nicht um den Skisport ging, gab es keine Verletzung des Amateursstatus der FIS und so konnte Toni an den Ski-Weltmeisterschaften in Bad Gastein ungehindert teilnehmen), sein zweiter Film "Der schwarze Blitz" beendete seine Skikarriere am grünen Tisch. Nach endlosen Diskussionen mit der FIS zog er 1959 selbst die Konsequenzen und erklärte offiziell seinen Rücktritt vom alpinen Skirennsport.

Bis 1975 wirkte er in 25 Filmen mit und besang 18 Schallplatten.

Von 1972 bis 1976 war Toni Sailer Cheftrainer und technischer Direktor des Österreichischen Schiverbandes.

1976 heiratete er in Vancouver die Deutsche Gaby Rummeny, mit der er den gemeinsamen Sohn Florian hatte, zog sich aus dem Filmgeschäft zurück und kehrte heim nach Kitzbühel.

Hier war er lange Jahre der Rennleiter des traditionellen Hahnenkammrennens, Leiter einer Kinderschischule und war als vielseitiger Funktionär für die Stadt Kitzbühel tätig.

2006 heiratete der inzwischen verwitwete Toni Sailer seine zweite Frau Hedwig Fischer.

Der dreifache Olympiasieger und siebenfache Weltmeister aus Kitzbühel, der einer der herausragendsten Sportler Österreichs war, verstarb am 24. August 2009 nach langer schwerer Krankheit.

Auszeichnungen (Auswahl)#

  • Großes Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich, 1956
  • Olympischer Orden, 1985
  • Sportler des Jahres, 1956,1957. 1958
  • Sportler des Jahrhunderts in Österreich, 1999
  • Ehrenbürger der Stadt Kitzbühel

Werke (Auswahl#

Publikationen:

  • Mein Weg zum 3-fachen Olympiasieger, 1956
  • Skischule - Skiunterricht, 1961
  • Junior Skischool, 1986

Filme

  • Ein Stück vom Himmerl, 1957
  • Der schwarze Blitz, 1958
  • Tausend Sterne leuchten, 1959
  • 12 Mädchen und 1 Mann, 1959
  • Der König der silbernen Berge, 1960
  • Kauf dir einen bunten Luftballon, 1961
  • Ein Stern fällt vom Himmel,1961
  • Auf Wiedersehen am blauen Meer, 1962
  • Sein bester Freund, 1962
  • Das Blaue vom Himmel, 1964
  • Samson und der Schatz der Inkas, 1964
  • Das große Glück, 1967
  • Ski Fever, 1969
  • Luftsprünge, 1969
  • Verliebte Ferien in Tirol, 1971
  • Tante Trude aus Buxtehude, 1971
  • Traumbus, 1982
  • Die Leute von St. Benedikt, 1992
  • Da wo die Berge sind, 2000
  • Da wo die Liebe wohnt, 2002


NACHRUF#

Das Sinnbild des Wiederaufbaus Österreichs #


Von

Michael Kraßnitzer


Von der Zeitschrift "Furche" freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Der blendend aussehende, bescheidene Bursche aus den Alpen wurde zum neuen Gesicht Österreichs.


Anton Engelbert Sailer (1935-2009)
Anton Engelbert Sailer (1935-2009)
© FURCHE / Foto: EPA
Eine Symbolfigur der Zweiten Republik ist tot. Toni Sailer, der am Montag im Alter von 73 Jahren einem Krebsleiden erlag, war weit mehr als ein großer Sportler und Olympiasieger. Der legendäre Schifahrer war nicht weniger als das Sinnbild des Wiederaufbaus Österreichs nach den Katastrophen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Der blendend aussehende, bescheiden auftretende Bursche aus den Alpen wurde zum Gesicht des neuen Österreich. Er symbolisierte den Aufstieg aus den Trümmern ebenso wie die Ablösung von der unseligen Vergangenheit.

Mitte der 1950er-Jahre folgte in Österreich eine historische Wegmarke auf die nächste: die Unterzeichnung des Staatsvertrags im Mai 1955, die Wiedereröffnung des Burgtheaters im Oktober, die Wiedereröffnung der Staatsoper im November. Und kurz darauf, Ende Jänner/Anfang Februar 1956, errang Sailer drei Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo und die damit verbundenen vier Weltmeistertitel.


Mit einer weißen Zipfelmütze und mit am Unterschenkel angebundenen Hosenbeinen (gegen das Flattern im Wind) gewann der technisch und athletisch überragende Fahrer Slalom, Abfahrt und Riesentorlauf mit jeweils mehreren Sekunden Vorsprung. Die Behauptung, ganz Österreich habe vor den Radio- und (noch wenigen) Fernsehgeräten mitgefiebert, ist wahrscheinlich keine Übertreibung.


Jugendidol mit Zipfelmütze

Der 1935 als Anton Engelbert Sailer in Kitzbühel geborene Tiroler wurde schlagartig zum Jugendidol. Allein zum Wiener Westbahnhof waren 50.000 Menschen gekommen, um den Feschak mit seiner tollen Elvis-Frisur nach seinen Siegen zu empfangen.

Weitere Zigtausende säumten die Straßen zum Wiener Rathaus, wohin das österreichische Olympiateam geladen war. Nachdem Sailer zwei Jahre später bei der Ski-Weltmeisterschaft in Bad Gastein mit drei Titeln abermals triumphiert hatte ("„nur um zu beweisen, dass meine Erfolge von Cortina keine Eintagsfliege waren") beendete er 23-jährig seine Sportlaufbahn, wandte sich dem Showbusiness zu und begann eine Karriere als Schlagersänger und Schauspieler. Er brachte es auf 18 Schallplattenaufnahmen, zierte das Titelblatt der Bravo und wurde sogar in Japan zum Star.

Toni Sailer trat in mehreren Musikfilmen auf, in seinem zweiten, nach seinem Spitznamen "Der schwarze Blitz" benannten Film spielte er mehr oder weniger sich selbst, aber er versuchte sich auch im ernsten Fach: 1962 verkörperte er die Hauptrolle in Luis Trenkers letztem Film "Sein bester Freund" – naturgemäß ein Bergsteigerdrama – und in Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" wagte er sich sogar auf die Bühne. Mitte der sechziger Jahre kehrte Sailer der Unterhaltungsbranche den Rücken und ging nach Kanada, wo er Schi produzierte. Von 1972 bis 1976 war er als Cheftrainer des Österreichischen Skiverbandes maßgeblich am Aufbau des heimischen Schi-Idols jener Zeit verbunden: Franz Klammer. Als Rennleiter des berühmten Hahnenkammrennens in seinem Heimatort Kitzbühel und als hoher Funktionär des Internationalen Schiverbandes blieb er dem Skisport bis vor wenigen Jahren verbunden.


1999 wurde Toni Sailer zu Österreichs Sportler des Jahrhunderts gewählt. Ein Titel, der ihm ohne jeden Zweifel gebührt.


FURCHE", 27. August 2009


--> Historische Bilder zu Anton Toni Sailer (IMAGNO)

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl