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Wieden, Wien 4#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wieden
Der Polizeibezirk Wieden, Plan von Carl Graf Vasquez, um 1830.
Aus: Wikicommons

Die Wieden war eine der ältesten und bevölkerungsreichsten Vorstädte. Die Entwicklung wurde begünstigt durch die Anlage der Wiedner Hauptstraße als Beginn einer Fernstraße nach Süden (Wienerberg, Semmering, Kärnten, Venedig) in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Name geht auf "Widum" (Ausstattungsgut) zurück.

Die älteste Urkunde (1211) ist der Stiftungsbrief Herzog Leopold VI. für das Heiligengeistspital (außerhalb des Kärntnertors, südlich des Wienflusses). Der Kern der Siedlung lag beim heutigen Rilkeplatz. Sie wurde ab 1627 durch das Paulanerkloster im Süden und ab Mitte des 17. Jahrhunderts durch das Freihaus erweitert. Es entstanden Adelssitze, Kirchen und Klöster. Wie die anderen Vorstädte wurde auch die Wieden 1529 und 1683 zerstört. Danach nahm sie wieder großen Aufschwung. Die Vorstadt ist namengebend für den bei der Eingemeindung 1850 gebildeten 4. Bezirk. Von diesem wurde 1862 der 5. Bezirk abgetrennt, wodurch sich die Nummerierung der folgenden verschob. 1874 kamen die südlich des Linienwalls gelegenen Gebiete zu Favoriten, das deshalb umgangssprachlich "10. Hieb" heißt.

1642 ließ Kaiser Ferdinand III. einen Gutshof zum Lustschloß mit einem großen Garten umbauen. Die Favorita (Favoritenstaße 15) wurde zum bevorzugten Sommersitz der Kaiser Leopold I., Joseph I. und Karl VI. Maria Theresia verkaufte sie 1746 an die Jesuiten mit dem Auftrag, darin eine "Ritterakademie", das spätere Theresianum, einzurichten. Einen wichtigen Impuls zur Stadtentwicklung setzte Conrad Graf Starhemberg (1612-1684), der ab 1660 das Freihaus errichten ließ. Mehrfach zerstört, wurde das Freihaus immer wieder größer aufgebaut. Es war mit durchschnittlich 1000 Bewohnern das größte private Miethaus. Darin befanden sich ein Gotteshaus, die Rosalienkapelle, und das Freihaustheater, in dem 1801 die Uraufführung von Mozarts "Zauberflöte" stattfand. Die letzten Reste verschwanden 1970. 1816-18 entstand zwischen dem Freihaus und der Karlskirche das k.k. Polytechnische Institut, Vorgänger der Technischen Universität.

Das markanteste Gebäude der Wieden ist die Karlskirche. Sie entstand nach einem Pestgelübde Kaiser Karl VI. Das hochbarocke Bauwerk wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach 1716 begonnen und von seinem Sohn Joseph Emanuel bis 1739 vollendet. Die Kuppel erreicht eine Höhe von 72 m. Die Säulenvorhalle erinnert an die Villenarchitektur des italienischen Renaissance-Architekten Palladio (1508-1580). Glockenpavillons mit Toren für die Wageneinfahrt orientieren sich an der Peterskirche in Rom. 1724-30 fertigten C. Mader und J. C. Schletterer an den 33 m hohen Triumphsäulen Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Karl Borromäus. Der Hochaltar geht auf einen Entwurf von J. B. Fischer von Erlach zurück. 1725-30 malte J.M. Rottmayr das Kuppelfresko, die Stukkatruen schuf A. Camesina, die Altarbilder stammen von S. Riccy, D. Gran (der auch Seitenkapellen gestaltete), M. Altomonte und J. van Schuppen. Hingegen ist die Pfarrkirche St. Thekla (Wiedner Hauptstraße 82) ein schlichter Bau. Sie entstand um 1750 als Schulkirche der Piaristen. Das Hochaltarbild zeigt das Martyrium der hl. Thekla auf dem Scheiterhaufen und stammt, wie auch andere Gemälde in dem Gotteshaus, aus der Trogerschule.

Das Wappen zeigt in Anlehnung an den Ortsnamen einen Weidenbaum.

--> Liste der Wiener Vorstädte

Quellen#

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • Walter Öhlinger (Hg.): Die Pläne der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien von Carl Graf Vasquez


Redaktion: hmw