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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Wiener Sängerknaben#

Die Tradition der Sängerknabeninstitute in den österreichischen Klöstern und Stiften, aber auch in der Wiener Hofmusikkapelle, geht darauf zurück, dass Frauen die Mitwirkung an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes verboten war.

Diese "Sängerknabeninstitute" bestanden aus wenigen (in Wien ca. 15) Knaben. Im 19. Jahrhundert bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts mussten viele Institute schließen. Die bekanntesten Sängerknabenvereinigungen sind heute die Wiener Sängerknaben sowie die Sängerknaben der Stifte Altenburg, Zwettl und St. Florian.

Die Wiener Sängerknaben stehen in der Tradition der Hofsängerknaben, die ab dem Spätmittelalter (vor der Kapellreform von 1498) im Personalstand der Hofmusikkapelle nachgewiesen sind. Aufgabe der ca.14-20 Knaben war die musikalische Gestaltung der Messe, sie unterstanden einem Kantor, später dem Hofkapellmeister. Aufgrund einer profunden musikalischen Ausbildung waren viele Wiener Sängerknaben auch nach dem Stimmbruch als Musiker tätig (die Brüder Josef und Johann_Michael Haydn, Franz Schubert, Felix Mottl, Clemens Krauss und andere). Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie 1918 übernahm der österreichische Staat die Hofoper, das Orchester und den Erwachsenenchor, nicht aber den Knabenchor.

Wiener Sängerknaben, Gr. Saal d. Musikvereins
Wiener Sängerknaben im Großen Saal des Musikvereins
© Verlag Ch.Brandstätter, Wien
Die Wiener Sängerknaben verdanken ihr Weiterbestehen der Initiative von Josef Schnitt, der 1921 Rektor der Hofburgkapelle wurde. Schnitt verwandelte den Knabenchor in einen privaten Verein: aus den Hofsängerknaben wurden die Wiener Sängerknaben, die Kadettenuniform wich dem Matrosenanzug.

Die Wiener Sängerknaben unterstehen heute wie die Hofburgkapelle dem Unterrichtsministerium.

Seit 1935 bestehen 4 Chöre, von denen jeweils einer den sonntäglichen Gottesdienst in der Wiener Burgkapelle betreut, während die übrigen für Konzerte, Welttourneen, Filme, Plattenaufnahmen usw. zur Verfügung stehen. Heute sind es rund 100 aktive Wiener Sängerknaben, die auf die vier Konzertchöre (benannt nach nach vier Komponisten, die eng mit der Geschichte der Wiener Sängerknaben verbunden sind: Anton Bruckner, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert) aufgeteilt sind; jeder Chor hat seinen Kapellmeister und sein Erzieherteam. Brüder singen im gleichen Chor.

Die Wiener Sängerknaben gehören zu den renommiertesten und bekanntesten Chören der Welt. Sie begeben sich mehrmals jährlich auf Konzerttournee und geben um die 300 Konzerte.

Das Repertoire der Wiener Sängerknaben reicht vom Mittelalter bis zu zeitgenössischer und experimenteller Musik. Ein wichtiger Bestandteil sind Kinderopern und szenische Projekte. Die Wiener Sängerknaben produzieren jährlich ein bis zwei neue Opern selbst.

Chronischer Geldmangel zwang den Chor dazu, Konzerte außerhalb der Burgkapelle zu geben; das Repertoire umfasste Motetten, weltliche Lieder und - auf Betreiben der Buben - Kinderopern. Nun erwirtschaftet der Chor mit Konzertgagen und den Erlösen aus CD-Aufnahmen einen Großteil des laufenden Budgets; ein Leistungsaustauschvertrag mit der Republik Österreich hilft, den Rest abzudecken.

Seit 1948 dient das Palais im Augarten den Wiener Sängerknaben als Internat und Übungsstätte: hier unterhalten sie ein eigenes Realgymnasium, ein Oberstufenrealgymnasium mit Schwerpunkt Vokalmusik, einen Kindergarten (in Kooperation mit der Gemeinde Wien ) und eine Volksschule, die auch für Mädchen zugänglich ist. Damit haben die Wiener Sängerknaben durchgehende Schultypen vom Kindergarten bis zur Matura. Dennoch sind die aktiven Mitglieder der Wiener Sängerknaben ausschließlich Kinder des Unterstufengymnasiums. Spätestens in der 4. Klasse der Volksschule mit zehn Jahren müssen die Kinder die Volksschule der Wiener Sängerknaben besuchen, um als aktiver Wiener Sängerknabe ein Jahr später in einen der vier Chöre und in das hauseigene Gymnasium aufgenommen zu werden. Die Knaben erhalten neben der schulischen Ausbildung eine solide musikalische Ausbildung: dazu gehören das Singen, die Stimmbildung, Sprechtraining, Gehörbildung, das Notenlesen, Musiktheorie, Chorproben, Soloproben und szenische Proben ebenso wie die Konzerte und das Reisen.

Im Augarten befinden sich auch die Internatsräume und die Freizeiträume der Knaben, die administrative und künstlerische Leitung und die hauseigene Kostüm- und Uniformschneiderei, außerdem die vier Probenräume der Chöre, ein szenischer Proberaum; darüber hinaus gibt es einen weitläufigen Park, ein Schwimmbad, Fußballplätze, einen Volleyballplatz, einen Basketballplatz und einen Turnsaal.

Am Augartenspitz entsteht ein neuer Saal für die Wiener Sängerknaben.

--> Die Wiener Sängerknaben, 1930er Jahre (Video Album)
--> Historische Bilder zu Wiener Sängerknaben (IMAGNO)

Literatur#

  • R. Holzer und J. Schmitt, Die Wiener Sängerknaben, 1953
  • F. J. Grobauer, Die Nachtigallen aus der Wiener Burgkapelle, 1954
  • F. Endler, Die Wiener Sängerknaben, 1974

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl