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Sagen aus dem Raum Hollenstein an der Ybbs Hollenstein an der Ybbs, Niederoesterreich #



Die Gstreitleiten-Mandeln

Zwerge wie die Gstreitleiten Mandeln haben oft ganz bestimmte Fähigkeiten, mit denen sie dem Menschen helfen oder schaden können. Auf der Gstreitleiten bei Hollenstein da waren eben die Gstreitleiten-Mandeln, die haben dort ihr Brot gebacken. Als einmal ein armes, hungriges Weibl dort vorbeikam und sah, wie die Mandeln gerade ihrer nahrhaften Tätigkeit nachgingen, rief sie ihnen zu: "Scheibts mir auch ein Loabl owa!" Und tatsächlich! gleich rollte ein frischer Brotlaib die Leiten herunter und die Mandeln riefen ihr zu, sie solle vom Brot nicht alles aufessen, sonder zumindest ein Scherzel übriglassen, dann habe sich der Laib bis zum nächsten Morgen wieder ergänzt. Ein köstliches Geschenk, das allen Hunger beseitigte.

In der Nacht sind die Gstreitleiten-Mandeln immer mit Laternen herumgesprungen und haben diese auch an den Bäumen aufgehängt. Als einmal ein schon ziemlich betrunkener Zimmermann mit seiner Werkzeugkraxen auf dem Rücken heimging und alles ganz finster war, rief er zu den Mandeln hinauf, sie mögen ihm leuchten. Da stellten sich diese mitten auf den Weg und als der nächtliche Wanderer ausweichen wollte, ist er mitsamt seiner Kraxen in den Bach gefallen. Das war eine ziemlich Abkühlung und seinen Werkzeug hat er auch erst am nächsten Morgen bei Tageslicht wieder gefunden.

Das Zauberloch bei Hollenstein

Bei Hollenstein gibt es beim Bauernhof vulgo Schlag das Schlag-Zauberloch, eine Art Sandgrube, auf deren Grund bei Regengüssen das Wasser zusammenrinnt, aber gleich versickert. Der Boden dieser zimmergroßen Vertiefung ist aber nicht versumpft. Dennoch verschwanden Wurzelstöcke, die man hineinwarf innerhalb kurzer Zeit spurlos. Auch die auf den Felder ausgegrabenen Steine, die man in der Hoffnung hineinwarf, das Loch damit aufzufüllen, wurden vom Grund verschluckt. Das klingt noch nicht so außergewöhnlich, aber einmal sind ein Paarochsen samt dem Joch, das sie verband, ins Zauberloch hineingefallen. Erst im Höllbachgraben sind sie wieder - erstaunlicherweise heil - bei der Ursprungquelle herausgekommen und nur das Joch war zerbrochen. Auch ein anderes seltsames Geschehen soll ein vorgekommen sein: Jemand warf einen toten Hahn in das Zauberloch. Auch dieser kam beim Ursprung heraus, lebte aber plötzlich wieder und krähte sogar. Unter dem Zauberloch vermutet man einen großen unterirdischen See, in dem kleine schwarze Fische gibt. Wenn die aber beim Ursprung bei einem starken Regen herausgeschwemmt werden, sind sie allesamt tot.

Die Hexe von Hollenstein

Auf dem heute verschwundenen Bauernhof vulgo Höll wohnte einst eine Hexe. Sie hatte immer eine ganze Schar Kröten um sich, mit denen sie auch zauberte. Einst ging ein Bauernbursch, der Mühl-Hias, frühmorgens vom Fensterln bei seiner Geliebten heim und sah, wie die Höllbäuerin drei Eier auf einem großen Holzlöffel beim Fenster hinaushält und dabei sagt: "Weiber, 's Gschroa ghört enk, d' Oa ghörn mein!" Der Hias hat sich, als er dies bemerkte, heimlich angeschlichen und der Hexe den Löffel aus der Hand geschlagen. Das unheimliche Weib war gleich hinter ihm her und er rannte, was er rennen konnte. Noch vor ihr hat die Dachtraufe unter seinem Heimathaus erreicht und war gerettet, denn eine Hexe konnte diesen Platz zwischen Dachüberhang und Hausmauer nicht betreten.


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