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Balkankriege#

von Ardit Veseli; BRG Körösi, 6a; Betreuung: Hollomey; 60 Punkte;

Darunter werden oft auch die Kriegshandlungen am Balkan vor und während des Ersten Weltkrieges bezeichnet. Im Folgenden werden aber nur die durch den Zerfall Jugoslawiens entstehenden Kriege behandelt, insbesondere aber der noch immer schwelenden Konflikt um den Kosovo:

Die Jugoslawienkriege (oft auch Balkankonflikt genannt) sind eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts, die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren. Im Einzelnen handelte es sich um den 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), den Kroatienkrieg (1991–1995), den Bosnienkrieg (1992–1995), den Kosovokrieg (1999) und den Albanischen Aufstand in Mazedonien (2001).

Dieser Beitrag behandelt nur den Kosovokrieg bzw. seine Gründe und Folgen. Eine objektive Aufarbeitung der Geschehnisse ist wohl zu diesem Zeitpunkt noch kaum möglich, so dass hier auch wieder nur eine gewisse Sichtweise präsentiert wird.

In der durch Verteilungskämpfe zwischen den reicheren Teilen Jugoslawiens (Slovenien, Kroatien) und den ärmeren Teilen schon angespannten Lage veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste das SANU-Memorandum, in dem von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es sprach von einem „Genozid“ an den Serben im Kosovo. Dieses Memorandum verstärkte den immer stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der albanischen und serbischen Volksgruppen. Verstärkt wurde dies 1989 durch eine unter Milošević initiierte Änderung der serbischen Verfassung, durch die die praktisch auf Republikstatus ausgeweiteten Autonomierechte der serbischen Provinzen Kosovo und Vojvodina faktisch abgeschafft wurden.

Auch die Spannungen zwischen anderen Teile des ehemaligen Jugoslawiens wuchsen und führten zunächst zu den erwähnten Kriegen in Slovenien, Kroatien und Bosnien. Mit den Friedensabkommen von Dayton und Erdut wurden die Kriege in Bosnien und Herzegowina bzw. Kroatien 1995 beendet, ohne dass der ungelöste Kosovo-Konflikt berücksichtigt wurde. Ein zunehmender Teil der Albaner begann am Sinn des gewaltlosen Widerstandes zu zweifeln und unterstützte die UÇK, die ab 1997 mit bewaffneten Aktionen gegen die serbische Polizei in Erscheinung trat.

Der Kosovokonflikt wurde damit eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen der jugoslawischen Armee und der kosovarischen Befreiungsarmee (UÇK), welche in den Jahren 1998/1999 stattfand. Ziel dieses Krieges war die Kontrolle über den Kosovo durch die albanische Bevölkerung, die sich seit dem Zerfall Jugoslawines unterdrückt fühlte. Der Krieg begann im Januar 1998 mit ersten Angriffen der Guerillaarmee UÇK auf serbische Sicherheitseinrichtungen. Kurz darauf verlegten die serbischen Sicherheitsbehörden vermehrt Polizeikräfte in die Krisenregion. Es kam zu Massakern, deren Ziel es war, die Dörfer und Städte ethnisch zu säubern und die Albaner aus dem Kosovo zu vertreiben. Auf Grund des Krieges wurden mehr als 600 Ortschaften im Kosovo zerstört, mehrere hunderttausend Albaner zur Flucht gezwungen und umgekehrt wegen der Luftangriffe der NATO viele Ziele in Belgrad beschädigt.

In den ersten Monaten des Krieges fanden nur einige Scharmützel zwischen den Polizeikräften und einigen bewaffneten Gruppen der UÇK statt. Erst das "Massaker von Prekaz" mobilisierte mehr Albaner dazu, gegen die serbischen Kräfte zu kämpfen.

Die jugoslawische Armee verfolgte das Ziel, alle mehrheitlich albanischen Gebiete ethnisch zu säubern und die albanische Bevölkerung zu vertreiben oder zu ermorden. So wurde gleich zu Kriegsbeginn die jugoslawische Armee in höchste Bereitschaft versetzt und teilmobilisiert. Da die UÇK bereits einige Gebiete erobert hatte, versuchte die jugoslawische Armee diese zurückzuerobern, in dem sie verstärkt schwere Artillerie und Panzer in den Kosovo verlegte.

Die internationale Gemeinschaft versuchte behutsam an das Thema heranzugehen. Die NATO beschloss die Verlegung der militärischen Präsenz in die Nähe der Adria. Die UN drohte mit Embargos und forderte die jugoslawische Regierung und die UÇK auf, einen Kompromiss zu finden. So kam es zu den Verhandlungen in Ramboulliet zwischen dem jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und dem UÇK-Führer Hashim Thaqi. Die Verhandlungen im französischen Schloss Ramboulliet ergaben ein Abkommen, welches den Rückzug der serbischen Kräfte aus dem Kosovo und dessen Übernahme durch die UN vorsah. Milosevic lehnte den Plan ab. Als Reaktion startete die NATO Luftangriffe auf militärische Ziele in der Bundesrepublik Jugoslawien. Dieser Luftkrieg dauerte 77 Tage bis zur Kapitulation der jugoslawischen Armee.

Im Juni 1999 wurde vom UN-Sicherheitsrat die Resolution 1244 verabschiedet, welche den Kosovo unter UN-Administration stellte und den Rückzug der serbischen Truppen forderte. Serbien willigte schließlich ein und so wurde der Krieg beendet.

Bis heute behaupten beide Konfliktparteien den Sieg errungen zu haben. Laut Angaben sind ungefähr 10.000 Menschen in diesem Krieg gestorben. Die "Republik Kosovo" wird bis heute nur von ca. 50% der UN Nationen als eigener Staat anerkannt, Serbien betrachtet Kosovo nach wie vor als Teil von Serbien.

Die Problematik ist natürlich, dass es keine wirkliche Grenze zwischen "serbischen" und "albanischen" Gebieten gibt, daran haben auch Vertreibungs- und Greuelaktionen nichts geändert. Würde Serbien Kosovo als unabhängigen Staat anerkennen, dann ließe man die serbische Bevölkerung im Nordkosovo im Stich. Umgekehrt, würde eine Zuordnung des Nordkosovos zu Serbien albanisch orientierte Volksteile unter serbische Kontrolle bringen. Zudem gibt es im Herzen des muslimischen Kosovos einige serbische Großklöster, d.h. auch die Spannung serbisch-orhtodoxe christliche Kirche und muslimischer albanischer Bevölkerung verschärft die Situation.

Man kann nur hoffen, dass z.B. der Wunsch, der europäischen Union beizutreten, beide Seiten zu hinreichender Komprommissbereitschaft und Fairness gegenüber Minderheiten bewegt.


Recherche zum Thema Balkankriege#

Recherchen

  • Quelle 1: Popovic, Sebastian: Global Governance im Jugoslawienkonflikt, GRIN Verlag 2013

  • Quelle 2: Voit, Wolfgang: Humanitäres Völkerrecht im Jugoslawienkonflikt. Ausländische Flüchtlinge - Andere Rotkreuz-UVB Universitätsverlag Hamburg 1993

  • Quelle 3: Konstanzer, Simone: USA - Russland und der Jugoslawienkrieg; GRIN Verlag 2007

  • Quelle 4: Aus der Welt am 10. Juni 2013: Kosovo: Das kosovarische Parlament hat am Montagmorgen (10. 6. 2013) für das unter Vermittlung der EU ausgehandelte Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen mit Serbien gestimmt. Mit 89 gegen 5 Stimmen stellte sich die Mehrheit des 120 Sitze zählenden Parlaments hinter das Abkommen. Die am Sonntagabend begonnene Sitzung wurde von Hardlinern der Opposition zeitweise unterbrochen, die Verhandlungen mit Serbien ablehnen. Das Parlament muss noch das endgültige Abkommen ratifizieren, in dem auch Details über dessen Umsetzung stehen werden. Serbien: Am Montagmorgen dann hat die serbische Regierung in Belgrad dem unter Vermittlung der EU ausgehandelten Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen mit dem Kosovo zugestimmt. Regierungssprecher Milivoje Mihajlivic sagte am Montag, das Kabinett habe sich einstimmig für das Abkommen ausgesprochen.

  • Quelle 4: Chorherr, Christa: Wenn Kreuz und Halbmond brennen; Ibera Verlag Wien 2005


Ein gut recherchierter und wichtiger Beitrag!

-- Unbekannt, Donnerstag, 27. Juni 2013, 09:57