Beisl#

Beisl

Die Bezeichnung eines  Vorstadtwirtshauses mit einfacher Wiener Küche, das von Menschen der unteren sozialen Schichten frequentiert wird, stammt aus der Gaunersprache (jiddisch bais - Haus, Spelunke). Sie ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. 

Der Soziologe Roland Girtler unterscheidet das so genannte "miese Beisl", das "Nobelbeisl", und das "echte Wiener Beisl". Im ersten treffen sich zweifelhafte Personen zum Informationsaustausch. Es wird auch von Arbeitern und Arbeitslosen frequentiert. Wirt und Gäste kennen einander gut. Der Gast konsumiert, oft stehend, einen Schnaps oder ein Viertel Wein, während er mit den anderen "Schmäh führt". Stimmengewirr und Gegröle von Betrunkenen gehören zur Geräuschkulisse. Ein Geruchsgemisch aus Fett, Alkohol und Rauch herrscht im Lokal. Es gibt nur wenige Speisen, auf einer heraußen hängenden Tafel aufgeschrieben sind. 

Nobelbeisl wurden in den 1980-er Jahren modern und mit einem eigenen Schild als "Wiener Beisl" gekennzeichnet. Die Speisenkarte erinnert an ein Restaurant und enthält Wiener Spezialitäten. Die Atmosphäre ist leiser, man spricht andere Gäste nicht an. Den dritten Typus nennt Girtler "eine gelungene, leider seltene Mischung": "Dem Gast eröffnet sich hier eine Atmosphäre der Behaglichkeit, des Rückzugs und der Entspannung, aber auch möglicher Kontakte."


Quelle: Wiener Beisln. Hg. Hubert Chr. Ehalt. Wien 1985. S. 103 f.

Bild: Ein Nobelbeisl der Jahrhundertwende: Johann Eders Gastwirtschaft beim Pötzleinsdorfer Schlosspark, Wien 18. Bezirksmuseum Währing