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Fahrrad #

Fahrrad

1817 war Karl Freiherr von Drais (1785-1851) der Erste, der sich mit einer zweirädrigen, mit dem Vorderrad lenkbaren "Laufmaschine" vorwärts bewegte. Publikumswirksam legte er die 50 Kilometer lange Strecke von Karlsruhe nach Kehl (Deutschland) in vier Stunden zurück, und war damit viermal schneller als die Postkutsche. 

Die Draisine besaß keine Pedale, diese kamen erst in den 1860-er Jahren zum Fahrrad. Um die Geschwindigkeit zu steigern, erfand man in den 1870er- Jahren Hochräder, deren Vorderrad 1,50 Meter maß. Pioniere des Vélocipèds ("Schnellfuß“, lat. velox - schnell, pes - Fuß) waren die französischen Wagenbauer Pierre und Ernest Michaux, die Fahrräder in Serien produzierten. Nachdem sich die englische Nähmaschinenfabrik "Coventry Sewing Machines Company" auf die Bicycle-Produktion umgestellt hatte, wurde sie darin weltweit führend. Ein Mitarbeiter der Fabrik erfand die Drahtspeichen. Die ersten Fahrräder hatten Eisenreifen, ab 1865 Vollgummi- seit 1888 Luftreifen. 

In Österreich gab es bereits 1818 eine "Laufradschule". Betreiber war der Wiener Tischler Anton Burg, der Draisinen-ähnliche Fortbewegungsmittel baute. Seine Fabrik landwirtschaftlicher Geräte war lange Zeit der einzige Fahrradhersteller Österreichs. 1878 erhielt der Kärntner Schlosser Josef Erlach das Privileg, zwei- und dreirädrige Liegeräder zu produzieren bei denen - anders als damals üblich - das Hinterrad das größere war. Der Fahrer saß knapp über dem Boden und trieb das Hinterrad über Trethebel und Gestänge an. Seit 1880 waren diese Gefährte in Wien erhältlich und mit 140 bis 200 Gulden etwa gleich kostspielig wie ein englisches Hochrad. In sieben Jahren baute Erlach ca. 200 Räder. Um die Jahrhundertwende waren die "Styria-Fahrradwerke Johann Puch & Comp." international bekannt. Die Grazer Fabrik bestand bis 1932. Ihr größter Konkurrent befand sich im Oberösterreichischen Steyr, wo man ab 1894 das "Waffenrad" baute. 1934 fusioniert, entstand aus den bisherigen Mitbewebern die "Steyr-Daimler-Puch AG" als eine der größten Fahrradfabriken Europas mit der Produktionsstätte in Graz. 1987 wurde die Zweiradproduktion an eine italienische Firma verkauft. 

1870 fand in Wien ein Vélocipède-Rennen statt, 1888 das "Bundesfest der deutschen Radfahrer" mit 1000 Teilnehmern auf Hochrädern. 1890 zählte der "Wiener Bicycle-Club" 93 Mitglieder aus den höheren Gesellschaftsschichten. In Österreich-Ungarn organisierten sich 1500 Radfahrer in 120 Clubs. Bald wandten sich auch die Bürger dem neuen Fortbewegungsmittel zu. Nachdem es industriell erzeugt und dadurch billiger wurde, stieg die Zahl der Wiener Radfahrer rapid, besonders unter den Arbeitern. Wurden 1896 rund 12.500 Erlaubnisscheine ausgestellt, waren es 1937 knapp 140.000. Für die Freizeit ist seit den 1970er- Jahren Mountainbiken mit speziellen Modellen - von Kalifornien ausgehend - international Mode geworden. 

Der seinerzeit neue Sport wirkte sich auf die Damenkleidung - 1895 trug ein Drittel der Radfahrerinnen Hosen - ebenso aus wie auf die Populärmusik. Für die "Frau im Korsett" brachte dies bisher ungekannte Freiheit. Die Frauenrechtlerin Rosa Mayreder meinte: "Das Bycicle hat zur Emancipation der Frau ... mehr beigetragen als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammen." Volkssänger und -sängerinnen widmeten dem "Velocipederl" Couplets. Es gab einen Radfahrermarsch zu Ehren des "Rover", dessen aus Stahlrohr gefertigter Rahmen zum Prototyp des modernen Fahrrads wurde. Johann Schrammel (1850-1893) komponierte 1890 einen "Cyclisten-Marsch".


Quellen:
Karl Brunner, Petra Schneider (Hg): Umwelt Stadt. Wien 2005. S. 95
Walter Deutsch - Helga Maria Wolf: Menschen und Melodien im alten Österreich. Wien 1998. S. 164 f.
Andreas Hochmuth. Kommt Zeit, kommt Rad. Wien 1991
Ausstellungskatalog "Fahr!Rad" Technisches Museum Wien 2003
Wikipedia: Fahrrad (Stand: 15.5.09)
Wien

Bild: Inserat des Wiener Fahrradhändlers Albert H. Curjel, der eine Bicycle-Schule betrieb, 1885