Glas#

Hochzeitsglas, Wien 1782. Foto: Alfred Wolf
Hochzeitsglas, Wien 1782. Foto: Alfred Wolf

Glas wird aus Quarz hergestellt, Flussmittel wie Soda, Pflanzenasche oder Bleioxid setzen dessen hohe Schmelztemperatur herab. Wälder und Quarzvorkommen begünstigten die Ansiedlung von Glashütten im heutigen Niederösterreich. Es gab zwei Typen von Hütten. Die einen bewerkstelligten alle Produktionsschritte, die anderen nur einzelne Stufen. Funde belegen die Glasherstellung in Niederösterreich seit der Jüngeren Eisenzeit (La-Tene-Zeit). Im Legionslager Vindobona befand sich im 4. Jahrhundert eine Glaswerkstätte. In Carnuntum berichtet ein Grabstein von einem Soldaten, der Fensterscheiben herstellte.

Die bisher ältesten Glasfenster aus dem 12. Jahrhundert kamen auf dem Wiener Judenplatz zu Tage. Sie entstanden im Zylinderblasverfahren, wobei die Scheibe durch Aufschneiden des geblasenen Zylinders erzeugt wurde. 1288 finden sich schriftliche Quellen über Wiener Glaser, die für Kirchen und öffentlichen Gebäude arbeiteten. Spätmittelalterliche Butzenscheiben, die in Bürgerhäusern Verwendung fanden, hatten Glaskugeln als Ausgangspunkt, die mit einer runden Scheibe aufgedreht wurden. Die Butze in der Mitte markiert den Ansatzpunkt des Werkzeugs.

Archäologische Funde aus dem 14. Jahrhundert belegen Glashütten im Waldviertel und Voralpenraum. Im 15. Jahrhundert betrieben Bauern im Mühl- und Waldviertel Waldglashütten. Sie erzeugten mittels Holzasche farblose Glasmasse. Seit dem 16. Jahrhundert betrieben zunehmend die Grundherren Glas-Manufakturen, die Gebrauchs-, Zier- und Flachglas herstellten und dabei hohe Qualität erreichten. Ab dem 18. Jahrhundert wirkten sich verbesserte Transport- und Absatzmöglichkeiten für das Holz (Trift, Kanäle) negativ auf die standortbezogene Glasproduktion im Waldviertel aus.

An weiteren österreichischen Produktionsstätten nennt das Wörterbuch der deutschen Volkskunde: in Tirol Hall und Kramsach, wo man seit 1638 feinere Ware herstellte; in Oberösterreich Weißenkirchen im Attergau, die Freudenthaler Glashütte produzierte von 1716 bis 1942 Schnapsflaschen, Trinkgläser und kunstgewerbliche Gegenstände wie Minnegaben; in Salzburg am Zinkenbach bei St. Gilgen. 

Die Eigenschaften des Glases finden sich in Redensarten wie: "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen" oder "Glück und Glas, wie leicht bricht das". Auf das Trinkglas beziehen sich: "mit jemand aus einem Glas trinken" (sehr vertraut sein), "ein Glas zuviel getrunken" oder "zu tief ins Glas geschaut" haben. "Das Glas erheben" bezeichnet den Brauch, auf jemanden einen Trinkspruch auszubringen oder ihm zuzuprosten.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 285 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 550 f.
Kinga Tarcsay: Vorindustrielle Glasherstellung in Niederösterreich. In: Denkmalpflege in NÖ. Bd 41. St. Pölten 2009. S. 6-9