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Grammophon#

Die Geschichte der mechanischen Schallaufzeichnung begann 1877, als der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison (1847-1931) seine Sprechmaschine (Phonograph) zum Patent anmeldete. Tonträger war eine mit Stanniol überzogene Walze, die mittels eines Trichters besprochen wurde. Die Länge der Aufnahme betrug ca. 2 Minuten, sie konnte nur fünf mal abgespielt und nicht vervielfältigt werden. Ab 1888 verwendete Edison Walzen aus Paraffinwachs. Die älteste erhaltene Musikaufnahme - Händels Oratorium „Israel in Ägypten“ – wurde mit einem seiner Wachswalzen-Phonographen aufgenommen. Schon zuvor erwuchs ihm Konkurrenz durch Alexander Graham Bell (1847-1922), der mit Schallplatten und wachsüberzogenen Walzen experimentierte. 

Der gebürtige Deutsche Emil Berliner (1851-1929) ließ sich 1887 die Schallplatte patentieren. Diese bestand anfangs aus Hartgummi, dann aus einem Gemisch von Baumwollflocken, Schieferpulver, Ruß und Schellack. Bei der heißen Pressung drückte sich der Schellack an die beiden Oberflächen und versiegelte damit die Rillen, wodurch die Massenproduktion möglich wurde. Nach diesem Prinzip wurden "Schellacks" (78 Umdrehungen pro Minute) von ca.1895 bis ca. 1955 hergestellt und dann von Schallplatten aus Vinyl (bis ca. 1990) abgelöst. 

Berliner ließ den Namen Grammophon ("Gramophone") gesetzlich schützen, er entwickelte sich zum Gattungsbegriff für alle Apparate ähnlicher Bauart. Die Wiedergabe erfolgte mit einer Nadel in der eingepressten Rille, ein Trichter verstärkte den Ton. Der Antrieb geschah händisch mit einer Kurbel, durch ein Uhrwerk oder einen Elektromotor. Nach 1900 entwickelte sich in Europa ein äußerst innovativer, schnelllebiger Industriezweig mit Schallplatten und Grammophonen, wobei auch Wien ein Zentrum war. Preiswerte Grammophone einfacher Bauart kamen in vielfältigen Formen auf den Markt und ließen die Schallplatte zu einem Unterhaltungsmedium werden, das sich viele leisten konnten.


Quellen:
Wilfried Hahnel: Als die Musik noch aus dem Trichter kam, in: SammlerJournal, Schwäbisch Hall 1981, S. 116 f.
Wikipedia: Grammophon (Stand 29.8.2008)