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Hühnerkrämer#

Hühnerkrämer um 1900. Gemeinfrei
Hühnerkrämer um 1900. Gemeinfrei

Um 1300 bezogen sich in Wien Bezeichnungen eines Teils des Bauernmarktes als „Hühnerbühl“ oder „Hühnerlucke“ auf den Geflügelhandel.

Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Geflügel in Wien bei 11 kg. Dieses war teurer als das am meisten konsumierte Rindfleisch. 1790 und 1791 machten Verordnungen einen Unterschied zwischen gerupften und ungerupften Hühnern. Damit sollte der Betrug verhindert werden, „alle Hühner für Kapauner auszugeben“. Als Kapauner bezeichnete man den verschnittenen und gemästeten Hahn, dessen mildes, weißes und fettes Fleisch in der feinen Küche sehr geschätzt war. Im Biedermeier zogen die Bewohner von Leopoldau, Kagran und Stadlau, Jedlesee, Breitenlee und Süßenbrunn (21. und 22. Bezirk) mit gemästetem Geflügel auf die Wiener Märkte. Um 1900 hausierten viele Frauen mit Hennen in "Hühnersteigen" im Auftrag von Großhändlern. Andere Hühnerkrämer kamen mit ihrer lebenden Ware in hohen Hühnersteigenwagen aus dem Burgenland. Ihre Stützpunkte vor der Stadtgrenze lagen in Meidling, beim Wirtshaus „Zum alten Hasen“ in der Schönbrunner Straße und in Altmannsdorf (Wien 12). Teils fanden sie gleich dort Abnehmer, teils brachten sie das Geflügel in Kraxen, die sie auf dem Rücken trugen oder auf Schubkarren führten, auf die Märkte. Die Hausfrauen suchten die Tiere aus, die vor ihren Augen geschlachtet und von den Federn befreit wurden. Der Brand‘sche Kaufruf zeigt einen Hühnerkrämer beim Rupfen.


Quellen: 
Otto Krammer: Wiener Volkstypen. Wien 1983. S. 34
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 47, 82 f.