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Brandstetter, Hans#

* 23. 1. 1854, Michelbach bei Hitzendorf (Steiermark)

† 4. 4. 1925, Graz


Bildhauer


Hans Brandstetter
Hans Brandstetter. Foto, 1902 © Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Hans Brandstetter wurde am 23. Jänner des Jahres 1854 in Michelbach bei Hitzendorf in der Steiermark als erstes, uneheliches Kind von Juliane Thurner und Peter Brandstätter, der sich als Nagelschmied, Dorfmusikant und Schnitzer sein Geld verdiente, geboren.

Er besuchte die heimatliche Dorfschule bis zu seinem 13. Lebensjahr und kam dann zu einem Nagelschmied in Friesach in die Lehre, in seiner Freizeit schnitzte er Heiligenfiguren. Nach zwei Jahren wurde er in Folge einer groben Verletzung der rechten Hand als untauglich für das Schmiedehandwerk wieder nach Hause geschickt.

Daraufhin begann er die Lehre beim Bildhauer Jakob Gschiel in Graz; da allerdings seine Eltern das Lehrgeld nicht aufbringen konnten, musste er zuerst mit einer Probearbeit beim Kunstgewerbeverein um Unterstützung ansuchen.


Während der Zeit, in der Brandstetter bei Jakob Gschiel tätig war, konnte er sich künstlerisch wenig entfalten, aber freiberuflich führte er auch andere Arbeiten aus, wie z.B. das Modell für ein Monument für den steirischen Schriftsteller Peter Rosegger, mit dem ihn bis zu seinem Tod eine innige Freundschaft verband.

1873 trat Hans Brandstetter dem katholischen Gesellenverein bei und wurde zum 25jährigen Jubiläum des Vereins mit anderen Gesellen nach Wien geschickt, wo er für seine Arbeiten ein Stipendium des Kunstindustrievereins bekam. Er studierte an der Wiener Akademie bei Edmund von von Hellmer und Carl Kundmann.

Er verbrachte längere Studienaufenthalte in Rom und Paris, schließlich ließ er sich in Graz nieder und wurde von Baumeister Georg Hauberrisser beauftragt, für die Herz Jesu Kirche zu arbeiten.


Hans Brandstetter war von 1891 bis 1914 als Professor für Modellieren an der Grazer Staatsgewerbeschule tätig.



Hans Brandstetters Werke, die man überall in Graz antrifft, wie zum Beispiel bauplastische Fassadengestaltungen der Oper, des Rathauses oder der Karl Franzens Universität, aber auch die Denkmalplastik und Sakralplastik, sind vom Historismus geprägt.

Am 4. Jänner 1925 starb Hans Brandstetter.

Sein letztes, wohl schon in Vorahnung geschaffenes Werk – die "Vergänglichkeit" - schmückt sein Grabmal am St. Peter Stadtfriedhof in Graz.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Goldenes Verdienstkreuz mit der Krone
  • 1906 und 1912 silberne Medaille der Stadt Graz und Goldene Staatsmedaille

Werke (Auswahl)#

Schnitzereien aus Schul- und Studienzeiten:

  • "Josef mit Kind und zwei Heilige" (im Besitz von Berghild Gösser)
  • "Geburt Christi" (holzgeschnitztes und bemaltes Kripperl) für seinen Onkel und Lehrherrn Anton Jantscher
  • Madonna aus Buchsholz für die Gräfin Goes
  • eine zwei Fuss hohe Gruppe aus Birnbaumholz „Maria und die Pilgerin“ für die Gräfin Kollonitz
  • ein Handtuchweibchen, polychromirt, für den Kaiser
  • ein Wappenweibchen für den Oberstkämmerer Grafen v. Crenneville
  • ein Taubenmädchen und ein Gretchen für die Kaiserin
  • Christus am Kreuz aus Ahorn für Baronin Bianchi
  • das Opfer der Witwe im Tempel, Relief, für Gräfin Crenneville

Jugendwerke:

  • "Der Flötenspieler"
  • "Der Dornauszieher"
  • Porträtrelief Kolping für das Gesellenvereinshaus in Graz (1873)
  • Porträtbüsten steirischer Dichter (Karl Gottfried von Leitner, Emil Ertl und Peter Rosegger, letzteren porträtierte er u. a. in einer Gipsbüste 1882, sodann als Halbfigur in Gips 1898 und in einer Statuette aus gebranntem Ton 1913)
  • "Das tägliche Brot" (jetzt in der Neuen Galerie in Graz)

Sakralwerke:

  • Epitaph für den Domdechanten und Dompfarrer Prälaten Dr. Alois Hebenstreit (Marmor, 1902) an der Außenseite des Doms
  • Kriegerdenkmal (Sitzender Engel in Stein, 1888) in der Barmherzigenkirche
  • Holzfiguren und Reliefs für die Elisabethinenkirche (1890)
  • Sandsteinfiguren Sankt Joseph, St. Elisabeth, St. Nikolaus und St. Katharina in den Hohlkehlen des Nordportals der Stadtpfarrkirche zum Hl. Blut, 1887
  • 17 Holzfiguren für die Grabkapelle für die Fürstin Mary Liechtenstein auf Schloss Burgstall bei Wies, 1882
  • Pieta (polychromiertes Lindenholz) in der Heldenkapelle in Alpl bei Krieglach, 1917
  • Epitaph für Wilhelm Bücher im Münster zu Admont, 1909
  • Zahlreiche Arbeiten für die Herz-Jesu-Kirche in Graz, deren bildnerische Ausstattung als sein Hauptwerk gelten kann
    • Marmorgrabmal für den Bauherrn Fürstbischof Dr. Zwerger, ein Katafalk mit lebensgroßer Figur, 1896
    • Halbfigur des Erbauers Georg Hauberisser d. Jüng. über der Tür zum Turmaufgang, 1890
    • am Hochaltar die Heilandsstatue, vier Engel mit Leidenswerkzeugen und kniende Seraphe am Tabernakel, 1890
    • St. Johannes, St. Leopold und Christusrelief am Hauptportal, 1891
    • steinerne Konsolenköpfe (Mikovics, und Schönlaub) am Nordportal
    • Madonnenrelief und steinerne Konsolenköpfe Johann Guido Wolf und Franz Grein am Südportal
    • Halbfigur Bischof Zwerger über der Sakristeitür, 1896
    • Lilienthal-Epitaph in der Taufkapelle, 1891
    • Kanzel (Vier Evangelisten als Hochrelief und sechs Stehende Engel, 1891
    • Muttergottesstatue, drei Erzengel und zwei Reliefs am Marienaltar, 1891
    • Aloisius-Statue, Engel-Halbfiguren, hl. Karl Borromäus und Magdalena de Pazzis, 1894
    • drei Reliefs und (nicht mehr vorhanden) Kruzifix und zwei Statuetten für den Aloisius-Altar, Statuetten und Reliefs für den St.-Johann-Nepomuk Altar, 1898
    • Holzgruppe "St. Xaver, einen Inder taufend", Reliefs und Heiligenfiguren für den Franz-Xaver-Altar, 1894
    • Statuen und Holzreliefs für den Barbara-Altar, 1897
    • Figuren und Engel-Hochrelief sowie Kruzifix mit Statuetten für den Annenaltar, 1897
    • Christus am Kreuz, Maria Johannes und Magdalena für den Kreuzaltar, 1895
    • zwei Altarreliefs in der Unterkirche

Skulpturen, Skulpturengruppen:

  • "Waldlilie" im Grazer Stadtpark
  • Allegorien "Austria" und "Styria" im Grazer Stadtpark
  • Hamerling-Denkmal am Leonhard Friedhof, Graz
  • Carl-Morré-Denkmal im Volksgarten, Graz
  • Steinskulpturen (St. Christoph, St. Elisabeth, St. Nikolaus und St. Katharina) an Grazer Stadtpfarrkirche
  • Rosegger-Brunnen in Kapfenberg , Steiermark

Grabmäler:

  • 1891 für Sophie Maurus
  • 1900 für Ferdinand Krauss
  • 1901 für Carl Bielohlawek
  • 1916 für Carl Maria Frh. von Savenau
  • 1925 für Baron Prokop und Baronin Maria Rokitansky auf dem St.-Peter-Stadtfriedhof
  • 1893 für Univ.-Prof. Dr. Eduard Lipp
  • 1899 für Wilhelm Mayer-Remy
  • 1900 für Friedrich von Hauseöger
  • 1906 für Familie Weis-Ostborn
  • 1910 für Cäcilia Bardolff
  • 1908 für Theophil Drexel, hier auf dem Steinfeld-Friedhof
  • 1913 für seinen Lehrer Jakob Gschiel ("Der Künstler an einem Christus arbeitend")
  • 1897 für Familie Rochlitzer (Gekrönte Maria mit Kind) auf dem Zentralfriedhof
  • 1899 für Dominik Klang und für Familie Frohlik
  • 1900 für Familie Stücker
  • 1901 für die Familien Stricker-Bernuth
  • 1903 für Friedrich Karl Bojek (mit schlaraffischen Emblemen)
  • 1904 für Univ.-Prof. Dr. Alexander Rollett
  • 1908 für Familie Goldhann
  • 1912 für Dr. Leopold Lichtwitz
  • 1915 für Klara Tauss (später Grabmal Treiber), für Familie Schmiderer
  • Gruppe aus Birnholz für die Grabkapelle der Grafen Kollonitsch in Großschützen
  • Grabmal Brandstetter in Hitzendorf
  • 1893 Grabmal Knoll in Karlsbad
  • 1909 Johannes-Fastenrath-Denkmal (Architektur mit Büste und zwei lebensgroßen Flaumfiguren) im Westfriedhof zu Köln
  • Grabmal Dr. Derffel in Meran (1885)
  • 1905 Auferweckung des Lazarus für das Mausoleum der Grafen Kottulincky in Neudau
  • Grabmalgruppe für das Mausoleum in Velden
  • 1890 bzw. 1897 Grabreliefs für Anna Forstenheim und für Josef Weigl auf dem Wiener Zentralfriedhof
  • 1907 Grabmal Lienhart in Wolfsberg in Kärnten (lebensgroße Figur eines Schmiedes und Relief
  • Marmorrelief für Grabmal Jedinger in Wolfsegg
  • 1906 Grabmal Dr. Engelhardt in Würzburg (Variante des genannten Stricker-Grabmals)
  • 1925 Kolossalrelief "Die Erweckung des Lazarus" (Carrara-Marmor) für das Mausoleum des Grafen Kottulinsky in Neudau


1910 entstand im Auftrag des Landesverbandes für Fremdenverkehr in Steiermark das Relief "Steirertanz" für die Internationale Jagdausstellung in Wien (später im Volkskundemuseum in Graz).


In Graz stammen von Brandstetter u.a. auch die Gedenktafel für Anastasius Grün am Wohn- und Sterbehaus des Dichters, die Erzherzog-Johann-Büste im Vestibül der Wechselseitigen Versicherungsanstalt, die Gedenktafel für Adolf Jensen am Wohnhaus, das im Arkadengang des Ersten Stockes des Landhauses befindliche Reliefporträt Karl Gottfried Ritters von Leitner und das Reliefporträt des Komponisten L. K. Seydler an seinem Geburtshaus.

Literatur#

  • Wilding, Der Bildhauer H. Brandstetter (1854-1925), Dissertation, Graz 1988

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl