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Cornaro, Hofrat Dr. Andreas#

* 07. 12. 1931, Wien

† 27. 01. 2013, Wien


Historiker, Archivdirektor, Heraldiker


Hofrat Dr. Andreas Cornaro
Hofrat Dr. Andreas Cornaro

Andreas Cornaro wurde am 7. Dezember 1931 als Sohn von Helene und Hans Cornaro, beide Mittelschulprofessoren, in Wien geboren. Sein Vater entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie, die 1879 in den Freiherrnstand erhoben worden war.

Nach Ablegung der Reifeprüfung am Bundesgymnasium Wien IX. 1950 begann er noch im gleichen Jahr an der Universität Wien das Studium der Geschichte. Parallel dazu absolvierte er den 47. Lehrgang am Institut für österreichische Geschichtsforschung von 1954 bis 1956. In seiner Hausarbeit widmete er sich Studien und Vorarbeiten zu den Urkunden Kaiser Friedrichs I. im Rahmen der Edition der Monumenta Germaniae Historica. 1957 wurde er auf Grund seiner Dissertation „Die Reise des Kardinals Bernhard Cles von Trient zu Karl V. nach Neapel nach seinen Briefen an Ferdinand I.“ zum Doktor der Philosophie promoviert. Seine perfekten Lateinkenntnisse gepaart mit guten Italienischkenntnissen befähigten ihn ein sechsmonatiges Stipendium am Österreichischen Kulturinstitut in Rom anzunehmen und den Arbeiten an den Nuntiaturberichten aus Österreich im Vatikanischen Archiv nachzugehen.

Mit einem derartigen wissenschaftlichen Rüstzeug (Geschichtestudium und Ausbildung am Institut für österreichische Geschichtsforschung) ausgestattet, das man heute schon fast als ein klassisches bezeichnen muss, trat er am 1. Mai 1959 in das Österreichische Staatsarchiv ein. Die Abteilung Allgemeines Verwaltungsarchiv, damals noch im ersten Wiener Bezirk in der Wallnerstraße 6a untergebracht, sollte seine berufliche Heimstätte bis zur Pensionierung im Jahre 1996 werden.

Breites Betätigungsfeld#

Im Laufe seiner 37-jährigen Dienstzeit betreute er nahezu alle Archivbestände, die im Allgemeinen Verwaltungsarchiv verwahrt werden. Durch die ständige Auseinandersetzung mit den Archivalien der inneren Verwaltung der Habsburgermonarchie wurde er selbst zu einem profunden Kenner der Verwaltungsgeschichte. Seine persönlichen Schwerpunkte lagen jedoch auf den Gebieten des Adels, der Heraldik und der Genealogie, wobei ihm hier die Betreuung des Adelsarchivs sehr gelegen kam. Er war ein anerkannter Experte und es lag nahe, dass er auch außerberuflich diesen Zweigen der Wissenschaft nachging. Eine wichtige Institution auf diesem Gebiet ist die Heraldisch-Genealogische Gesellschaft „Adler“, in deren Zeitschrift und Jahrbuch er vielfach zu seinen Themen publizierte. Über Jahrzehnte bekleidete er dort das Amt des Schriftführers, sogar noch als er 1985 zum Vizepräsident und Ehrenmitglied avanciert war. Bis zuletzt war er eine unschätzbare Stütze dieser Gesellschaft, die ihn schließlich auch im vergangenen Jahr zu ihrem Ehrenpräsidenten wählte.

Sein über die Jahrzehnte angesammeltes Fachwissen stellte er uneigennützig sowohl den Archivbesuchern wie auch den Kolleginnen und Kollegen stets freundlich und hilfsbereit zur Verfügung. Bürokratische Allüren lagen ihm fern, er war ein Archivar aus Berufung. In seiner bescheidenen Art war ihm Karrierestreben fremd, weshalb es ihm auch erst spät und nur kurz vergönnt war an die Spitze der Archivabteilung zu gelangen. Der Ernennung zum Direktor am 16. Februar 1995 folgte der Titel eines Hofrats am 22. Juni des gleichen Jahres.

Mit der Vespa ins neue Staatsarchiv#

Die letzten Jahre seiner Laufbahn waren von Umbrüchen gekennzeichnet, die ihm persönlich mehr zu schaffen machten, als er nach außen hin zu erkennen gab. Die Übersiedlung des Allgemeinen Verwaltungsarchivs in das neue Archivgebäude in der Nottendorfer Gasse, die dortigen technischen Neuerungen oder gar die Umstellung auf die neuen elektronischen Medien strapazierten oftmals seine Geduld. Da anfangs die Verkehrsverhältnisse nicht so gut waren, fuhr er gelegentlich auch mit Vespa und Vollvisierhelm quer durch Wien zum neuen Archivstandort.

Für den Außenstehenden wirkte der passionierte Reiter vielleicht manchmal zurückhaltend und unnahbar, kam man aber mit ihm ins Gespräch, so erstaunte er mit einer immensen historischen Detailkenntnis quer durch die Jahrtausende. Geradezu ins Schwärmen kam er, wenn sich die Unterhaltung um Film, Fernsehen, Theater oder Oper drehte.

Still und bescheiden, seinen charakterlichen Grundzügen entsprechend, hat er „das Weltliche mit dem Zeitlichen verwechselt“ – wie es manchmal in den archivalischen Quellen geschrieben steht. Wir verlieren mit seinem Tod nicht nur einen Mann der Wissenschaft, sondern auch einen stets hilfsbereiten Kollegen, dem wir immer ein ehrendes Andenken bewahren wollen.

von Michael Göbl