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Coudenhove-Kalergi, Barbara#

* 15. 1. 1932, Prag


Journalistin und ORF-Kommentatorin


Barbara Coudenhove-Kalergi wurde am 15. Jänner 1932 in Prag in einer aristokratischen Intellektuellenfamilie geboren, die Wurzeln in Böhmen und Japan hatte. Sie wuchs auf Schloss Ronsperg im Böhmerwald und in Prag auf, wurde mit ihrer Familie 1945 vertrieben und kam nach Österreich.
(Ihr Großvater war Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi, ein k.u.k. Diplomat, der mit der Japanerin Mitsuko Aoyama verheiratet war, ihr anderer Großvater war Hans Graf Pálffy aus der ungarischen Adelsfamilie. Ihr Vater, Graf Gerold, war Professor für Japanologie, ihr Onkel Richard Coudenhove-Kalergi war der Begründer der Paneuropa-Bewegung.)

In Wien begann sie 1951 ein Dolmetschstudium an der Universität, wechselte zum Studium der Soziologie und brach es letztendlich ab. Sie arbeitete als Schriftstellerin und Publizistin für verschiedene Tageszeitungen (u.a. "Die Presse", "Neues Österreich", "Kurier") und das Nachrichtenmagazin "profil" - bis heute ist sie ständige Kolumnistin des "Standard".

Dem breiten Publikum wurde sie in den 1970er und 1980er Jahren als Osteuropa-Korrespondentin des ORF bekannt - zuerst im Hörfunk, bald auch im Fernsehen. Ihre sensiblen Reportagen für den Österreichischen Rundfunk befassten sich mit den damals so genannten "Ostblock-Ländern", vor allem Polen und der Tschechoslowakei.

Nach dem Fall der sozialistisch-autoritären Regierungen in Osteuropa kehrte sie in ihr Geburtsland zurück und war 1991 bis 1995 als ORF-Korrespondentin in Prag tätig.


Des öfteren wurden ihr politische Ämter angetragen, die sie jedoch nie angenommen hatte, "um sich selbst treu zu bleiben" (u.a. lehnte sie 1997 ab, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren).

Barabara Coudenhove-Kalergi war mit Franz Marek (geb. als Ephraim Feuchtlicht) - ehemals Chefideologe der KPÖ - verheiratet; nach seinem Tod 1979 zog sie sich kurzfristig zur Selbststärkung in ein südsteirisches Benediktinerinnenkloster zurück.

Heute schreibt Barabra Coudenhove-Kalergi als freie Journalistin vor allem für tschechische und österreichische Zeitungen und ist Herausgeberin mehrerer Bücher mit Texten zur Geschichte und Gegenwart der Länder des früheren Ostblocks.

Auszeichnungen, Ehrungen#

  • Karl-Renner-Preis, 1981
  • Preis der Stadt Wien für Publizistik, 1982
  • Masaryk-Orden (Tschechien, für „Besondere Verdienste um Demokratie und Menschenrechte), 2001
  • Ehrenpreis der Concordia für ihr Lebenswerk, 2005
  • Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung, 2005
  • Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, 2013
  • Journalist des Jahres (Ehrenpreis für ihr Lebenswerk), 2013
  • Georg Dehio-Buchpreis (des Deutschen Kulturforums östliches Europa), 2014
  • Preis der Waldviertel Akademie (Ehrung "für Verdienste um die österreichisch-tschechische Nachbarschaft"), 2014

Werke (Auswahl)#

  • Revolution. Die Befreiung Osteuropas vom kommunistischen Absolutismus (Hg. m. H. Benedict), 1990
  • Meine Wurzeln sind anderswo. Österreichische Identitäten. 2001
  • Die Beneš-Dekrete. Czernin Verlag, (Hg. m. O. Rathkolb), 2002
  • Zuhause ist überall. Erinnerungen, 2013

Weiterführendes#

Quellen#

  • Furche
  • ORF
  • die Standard
  • APA / OTS Presseaussendungen
  • I. Ackerl, F. Weissensteiner, Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, 1992


Redaktion: K. Ziegler, I. Schinnerl