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Görlich, Ernst Joseph #

* 16. 11. 1905, Wien

† 4. 10. 1973, Oberpullendorf


Schriftsteller und Volksbildner


Ernst Joseph Görlich
Ernst Joseph Görlich
© Homepage Steinberg-Dörfl

Prof. Dr. Ernst Joseph Görlich wurde am 16. November 1905 in Wien geboren.

Seine Eltern besaßen ein Buchhaltungsbüro. Der Vater, der aus Mähren stammte, verstarb früh. Görlich war ein Einzelkind und wurde von der Großmutter aufgezogen. Er absolvierte das humanistische Gymnasium und studierte anschließend an der Wiener Universität Geschichte, Geographie und Germanistik, bereits mit 24 Jahren wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert. Er erwarb auch das Lehramtszeugnis für Haupt- und Mittelschulen.

Im Alter von neun Jahren fuhr Ernst Joseph mit seinem Großvater erstmals in das damalige Westungarn, das spätere Burgenland. Als Student erwanderte er das Land. Im Jahre 1932 erhielt er an der Röm. kath. Lehrerinnenbildungsanstalt in Steinberg eine Anstellung als Lehrer. Zur selben Zeit heiratete er seine Frau Maria geb. Rath aus Wien. Mit ihr gründete er in Steinberg eine Familie. Hier wurden auch seine drei Kinder Eva, Ernst und Peter geboren.

In Steinberg entstand im Jahre 1935 der Text der burgenländischen Landeshymne.

Görlich war ein tiefgläubiger Mann, der dem katholischen Lager entstammte. Wenn ihn eine herausragende politische Haltung charakterisierte, dann war es seine Abscheu vor dem Nationalsozialismus. Bis zum letzten Tag vor dem Einmarsch der Hitler-Armee am 12. März 1938 trat er mutig dagegen auf. Legendär wurde sein Ausspruch in einer Rede unmittelbar vor dem Anschluss: „Wir kämpfen nicht für Moskau, wir kämpfen nicht für Berlin. Wir kämpfen für ein freies und unabhängiges Österreich!“

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten durfte Görlich die Schule nicht mehr betreten. Nach manchen Umwegen kam Görlich für kurze Zeit als Lehrer in das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nach einer schweren Erkrankung als Dolmetsch in Italien eingesetzt.

Nach dem Krieg fand Görlich eine Anstellung als Lehrer am TGM in Wien. Die Familie zog nach Wien. Die Sommermonate verbrachte sie aber weiterhin in ihrem Haus in Steinberg. Anlässlich seines 60. Geburtstages ernannte die Marktgemeinde Steinberg a. d. Rabnitz Dr. Görlich zu ihrem Ehrenbürger. Wenige Jahre nach seiner Pensionierung erkrankte Görlich an einem Krebsleiden und starb am 4. Oktober 1973 im Krankenhaus Oberpullendorf im 68. Lebensjahr. Die Beisetzung erfolgte am Friedhof Steinberg in einem Ehrengrab. Landeshauptmann Theodor Kéry würdigte den großen Burgenländer bei diesem Anlass in berührenden Worten.

Görlich verfügte über eine unglaubliche geistige Vitalität und Arbeitskraft, sprach acht Sprachen und besaß ein außergewöhnliches Gedächtnis, das ihm die Überschau über weit auseinander liegende Wissensgebiete ermöglichte. Seiner persönlichen menschlichen Grundhaltung entsprach es, dass er sich in seinen historisch-wissenschaftlichen Werken immer wieder auch mit dem sozialen Hintergrund der jeweiligen Epoche auseinandersetzte. Er war ein leidenschaftlicher Verfechter von Toleranz und Menschenrechten in Wort und Schrift. Antisemitismus lehnte er entschieden ab. Görlich war ein international anerkannter Historiker und verfasste zahlreiche wissenschaftliche Bücher und Abhandlungen zu geschichtlichen Themen. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die österreichische Geschichte sowie literaturgeschichtliche und kirchengeschichtliche Inhalte. Eine größere Zahl seiner Arbeiten wurde in fremde Sprachen übersetzt. So erschien seine „Weltgeschichte“, ein umfangreiches Werk, als „Historio del Mundo“ auch in Spanisch.

Über die von ihm verfasste und 1970 gemeinsam mit Felix Romanik herausgegebene „Geschichte Österreichs“ liegt eine äußerst positive Rezension durch den österreichischen Geisteswissenschaftler und Publizisten Friedrich Heer vor. Er weist darin auf die die kritische Haltung Görlichs gegenüber der Politik des autoritären Ständestaats hin. Diese kommt in dem genannten Geschichtswerk deutlich zum Ausdruck. Görlich hatte wissenschaftliche Kontakte in viel Länder. Rund 1000 seiner Artikel erschienen in in- und ausländischen Publikationen.

Im Gegensatz zu Görlichs Arbeiten als Historiker hatten die von ihm verfassten historischen Jugendromane und Erzählungen, wie auch ein Großteil seiner Lyrik weniger Bestand. Ähnliches gilt für sein von der Burgenländischen Landesbühne zur Aufführung gebrachtes Bühnenstück „Das Mädchen von Lousiana“.

Ein Grundanliegen, das den Historiker Görlich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder bewegte, ist die Bewusstmachung der österreichischen Nation und der österreichischen Identität. Seine Arbeiten zu diesem Thema haben nach wie vor Gültigkeit und werden in einschlägigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zitiert.

Mit der Verfassung des Textes der burgenländischen Landeshymne ging Görlich in die burgenländische Geschichte ein. Nach einer Ausschreibung im Oktober 1935 wurde sein Gedicht „Mein Heimatvolk, mein Heimatland“ aus 105 eingesandten Vorschlägen ausgewählt. Anschließend erfolgte die Ausschreibung des Görlich-Textes zur Vertonung, in der sich eine Melodie des Pöttschinger Kapellmeister Peter Zauner durchsetzte.

Im November 2005 wurde in Steinberg-Dörfl in Anwesenheit seiner Kinder sowie unter Teilnahme hoher politischer Vertreter des Landes des 100. Geburtstages Görlichs mit einem eindrucksvollen Festakt gedacht. Der aus diesem Anlass gehaltene Gedenkvortrag trug den der Persönlichkeit Görlichs Rechnung tragenden Titel: „Prof. Dr. Ernst Joseph Görlich – Leben und Werk eines unbeugsamen Österreichers“.


Dr. Görlich ist mit Porträt und Namen auf dem im Steinberger Jubiläumsjahr 1998 errichteten Denkmal vor dem Kloster verewigt. Seit damals trägt auch jene Gasse im Ortszentrum von Steinberg, in der sich der Kindergarten und das neue Feuerwehrhaus befinden, seinen Namen.

Werke (Auswahl)#


* Mein Österreich, mein Vaterland, Gedichte (Hg.), Salzburg, 1947
* Einführung in die Geschichte der Literatur, Wien, 1947
* Das Handbuch des Österreichers, Salzburg, 1949
* Österreich - ein Reisebegleiter, München, 1959
* Ungarn, Nürnberg, 1965
* Die österreichische Nation und der Widerstand. Europaverlag, Wien 1967

Quelle#

Redaktion: P. Diem