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Lassnig, Maria#

* 8. 9. 1919, Kappel im Krappfeld (Kärnten)

† 6. 5. 2014, Wien


Malerin und Graphikerin


Maria Lassnig wurde am 8. September 1919 im kärntnerischen Kappel am Krappfeld in einem Bauernhaus geboren und wuchs die ersten Jahre bei den Großeltern auf.

1925 übersiedelte sie mit ihrer Mutter nach Klagenfurt, wo sie nach der Matura eine Ausbildung zur Volksschullehrerin absolvierte. Sie gab ihren Beruf aber bald auf und fuhr mit dem Fahrrad und einer Zeichenmappe nach Wien.

1941 wurde sie an der Wiener Akademie der bildenden Künste in die Meisterklasse Wilhelm Dachauer aufgenommen, die sie allerdings 1943 verlassen musste, weil ihre Bilder als "entartet" bezeichnet wurden.

Ihr Studium schloss sie dann bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl ab. Nach ihrem Diplom ging sie 1945 nach Kärnten zurück; bei Kriegsende hatte sie ein Atelier in Klagenfurt, das bald zum Treffpunkt von KünstlerInnen und Intellektuellen wurde.

Anfang der 1950er Jahre kehrte sie zurück nach Wien und gehörte dort zum Kreis um Monsignore Otto Mauer.

Ein Stipendium ermöglichte ihr eine erste Parisreise - zusammen mit Arnulf Rainer - wo sie u.a. den Dichter Paul Celan und den Surrealisten Andre Breton kennenlernte und sich von der "ecriture automatique" und dem Tachismus beeinflussen ließ. Von dort brachten sie die "informelle Kunst" nach Österreich und organisierten 1948 eine erste Ausstellung in Klagenfurt, wo auch ihre ersten "Körperbewusstseins"-Arbeiten entstanden, mit denen sie später breite Anerkennung fand. Weitere Ausstellungen und Reisen nach Paris folgten.

1954 kehrte sie an die Akademie der bildenden Künste zurück und schloss in der Klasse Albert Paris Gütersloh ihre akademische Ausbildung ab.

1961 zog sie ganz nach Paris; hier entstanden zwei Meter große Körpergefühls-Figurationen, die aber nie ausgestellt wurden. Nach dem Tod ihrer Mutter 1964 beschloss sie, auszuwandern und lebte ab 1968 für mehrere Jahre in New York in wechselnden Ateliers, wo sie sich nicht nur mit Malerei, sondern auch mit Zeichentrickfilmen beschäftigte.

1980 folgte sie dem Ruf an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Als erste Frau im deutschsprachigen Raum übernahm sie hier eine Professur für Malerei, wo sie bis 1989 tätig war und 1982 in ihrer Meisterklasse Österreichs einziges Lehrstudio für Trickfilm gründete. Ebenfalls 1980 vertrat sie - zusammen mit VALIE EXPORT - Österreich bei der Biennale in Venedig.

1982 und 1997 folgten Einladungen zur documenta nach Kassel. In diesem Zeitraum fanden auch zahlreiche Einzelausstellungen statt, so im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien; ab den 1990er Jahren stellte sie dann auch in Paris, New York, Den Haag, Frankfurt am Main, Zürich, Münschen und Rom aus und erhielt - als erste bildende Künstlerin - 1988 den Großen Österreichischen Staatspreis und 2004 den hoch dotierte Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt für ihren "außergewöhnlichen Beitrag zur zeitgenössischen Malerei". Zahlreiche weitere Auszeichnungen folgten, wobei der Goldene Löwe für ihr Lebenswerk, der Lassnig 2013 in Venedig verliehen wird, zu den Höhepunkten zählt.

In der für ihr Schaffen charakteristischen Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen nehmen Selbstbildnisse (neben Porträts anderer Menschen und Stillleben) eine zentrale Stellung ein ("Körperempfindungskunst").
Dazu sind in den vergangenen Jahren viele andere Motive dazugekommen, ganze Serien, in denen sie auch mit immer neuem Umgang mit Farbe und Licht überrascht: "Keller-Bilder" etwa, oder Darstellungen männlicher Dominanz und Gewalt vom "Weltzertrümmerer" bis zum "Kinderschreck". Ihre großen Gemälde sind längst nur noch für Museen und kapitalkräftige Sammler erschwinglich, die Bedeutung ihrer mit wenigen Strichen die Balance zwischen Realismus und Abstraktion haltenden, nicht selten mit farbkräftigen Hintergründen versehenen Zeichnungen scheint dagegen noch zu wenig gewürdigt.


Maria Lassnig war bis zuletzt in ihrer Wiener Atelierwohnung mit Blick auf die Gloriette immer noch ungebrochen neugierig und künstlerisch produktiv. "Man stirbt nicht. Man gibt sich nur auf", notierte sie im Juni 1988 in ihr Tagebuch - und Maria Lassnig hatte sich lange nicht aufgegeben - doch am am 6. Mai 2014 verstarb sie 94-jährig in Wien.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Österreichischer Kunstpreis für Bildende Kunst, 1975
  • Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst, 1977
  • Großer Österreichischer Staatspreis, 1988
  • Oskar-Kokoschka-Preis, 1998
  • Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien, 2010
  • Roswitha Haftmann-Preis, 2002
  • Rubenspreis der Stadt Siegen, 2002
  • Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt, 2004
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 2005
  • Goldener Löwe der Kunstbiennale Venedig für ihr Lebenswerk, 2013
  • Ehrendoktorat der Universität Klagenfurt, 2013
    (eigentlich bereits 1999 verliehen - jedoch verweigerte sie die Annahme aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse in Kärnten)

Werke (Auswahl)#

Wichtige Frühwerke
  • Stilleben mit rotem Selbstporträt, 1969
  • Sciencefiction-Selbstporträt, 1980

Bücher

  • Die Feder ist die Schwester des Pinsels. Tagebücher 1943-97, 2000
  • Landleute, 2004

Filme

  • Chairs. Stühle bewegen sich wie Menschen, 1971
  • Shapes. Silhouetten nach Musik von Bach, 1972
  • Art Education . Feministische Interpretation von Gemälden, 1976
  • Maria Lassnig Kantate, 1992


(Einzel-)Ausstellungen (Auswahl):

  • Galerie Kleinmayr, Klagenfurt, 1948
  • Cosmos-Galerie, Wien, 1950
  • Art-Club-Galerie, Wien, 1952
  • Zimmergalerie Franck, Frankfurt a.M., Deutschland, 1954
  • Galerie Würthle, Wien, 1956
  • Galerie nächst St. Stephan, Wien, 1960
  • Galerie La Case d’Art, Paris, Frankreich, 1965
  • Galerie Sothmann, Amsterdam, Niederlande, 1966
  • Austrian Institute, New York, USA, 1970
  • Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 1973
  • Galerie Wiener und Würthle, Berlin, Deutschland, 1976
  • Graphische Sammlung Albertina, Wien, 1977
  • Galerie Heike Curtze, Düsseldorf, Deutschland, 1979
  • La Biennale di Venezia, Österreichischer Pavillon, Venedig, Italien, 1980
  • Kunstmuseum Winterthur, Winterthur, Schweiz, 1982
  • documenta 7, Kassel, Deitschland, 1982
  • MUMOK – Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien/ Museum des 20. Jahrhunderts, 1985
  • Galerie Thaddaeus Ropac, 'Zeichnungen und Aquarelle 1957-1962', Salzburg, 1987
  • Kunstverein Hamburg, 'Mit dem Kopf durch die Wand. Neue Bilder', Hamburg, Deutschland (Wanderausstellung), 1989
  • Centre Georges Pompidou, 'Dessings et Aquarelles / Zeichnungen und Aquarelle 1946-1995', Paris, Frannkreich (Wanderausstellung), 1995
  • Centre Georges Pompidou, Paris, Frankreich, 1995
  • Städtisches Museum, Leverkusen, 1996
  • documenta X, Kassel, 1997
  • Kulturhaus Graz, 'Zeichnungen und Aquarelle 1946-1995', Graz (Wanderausstellung), 1996
  • Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 'Maria Lassnig Retrospektive', Wien, 1999
  • Hauser & Wirth London, London, England (Wanderausstellung), 1999
  • Museum für Gegenwartskunst, Siegen, Deutschland, 2002
  • Städelmuseum, Frankfurt, Deutschland, 2004
  • Sammlung Essl, 'body. fiction. nature', Klosterneuburg, 2005
  • Serpentine Gallery, London, England, 2008
  • Museum Ludwig, Köln, Deutschland, 2009
  • Kunstverein KunstHaus Potsdam e.V., 'Me and I – Maria Lassnig and Regina Götz', Potsdam, Deutschland, 2010
  • SBC Gallery of Contemporary Art, 'Technical Temptations: The Films of Maria Lassnig', Montreal, Kanada, 2012
  • Neue Galerie, Graz, 2012/2013
  • Halle für Aktuelle Kunst der Deichtorhallen, Hamburg, 2013
  • With a special focus on the artist's self-portraits, MoMA, New York City, 2014

Literatur#

  • W. Drechsler, M. Lassnig, 1985
  • O. Breicha, M. Lassnig, Aquarelle, 1988
  • C. Murken, M. Lassnig, ihr Leben und ihr malerisches Werk, 1990
  • H. Weskott (Hg.), M. Lassnig. Zeichnungen und Aquarelle 1946-1995, 1995
  • W. Drechsler (Redaktion), M. Lassnig, Ausstellungskatalog, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 1999


--> UEFA EURO 2008 - Maria Lassnig: Abwehr (Briefmarken)

--> Historische Bilder zu Maria Lassnig (IMAGNO)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl