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Liebscher, Klaus#

* 12. 7. 1939, Wien

Jurist, Bankdirektor

Klaus Liebscher. Foto, 1996
Klaus Liebscher. Foto, 1996
© OeNB, Öffentlichkeitsarbeit, für AEIOU

Klaus Liebscher wurde am 12. Juli 1939 in Wien geboren.

Nach der Matura in Salzburg absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und trat 1968 in die Genossenschaftliche Zentralbank AG (heute: Raiffeisen Zentralbank Österreich AG) ein, wo er 1980 bereits Mitglied des Vorstandes wurde und von 1988 bis 1995 als Generaldirektor und Vorsitzender des Vorstandes tätig war.

Neben Aufsichtsratsfunktionen in zahlreichen heimischen Banken und Unternehmen, war er Anfang der 1990er Jahre Präsident der Wiener Börsekammer. 1995 wechselte Klaus Liebscher als Präsident in die Österreichische Nationalbank (OeNB) und wurde österreichischer Gouverneur beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und Vertreter der OeNB im Gouverneursrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). In seine Amtszeit als Präsident bzw. Gouverneur der OeNB fällt die Teilnahme Österreichs in der Währungsunion. Liebscher war somit maßgeblich daran beteiligt, die Republik erfolgreich in die Wirtschafts- und Währungsunion zu führen. (Die Einführung des Euro im Rahmen einer stabilitätsorientierten Geld- und Wirtschaftspolitik hat Dr. Liebscher stets als einen sehr wesentlichen und konstruktiven Meilenstein im europäischen Integrationsprozess gesehen.)

Mit der Errichtung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni 1998 wurde Klaus Liebscher Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und somit Mitglied des Rates und des Erweiterten Rates der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Funktionen übte er bis zum Antritt seines Ruhestandes im Jahr 2008 aus. Im November 2008 wurde Klaus Liebscher Vorstandsvorsitzender der Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft (FIMBAG); außerdem ist er Aufsichtsrat bei der Kommunalkredit und der Österreichischen Volksbanken AG.


Im Juni 2013 wurde Klaus Liebscher zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der notverstaatlichten Kärntner Hypo gewählt und übernahm somit die Funktion von Johannes Ditz, der Anfang Juni 2013 zurückgetreten war. Im Februar 2014 trat Klaus Liebscher als Vorsitzender des Hypo-Aufsichtsrates zurück.
Im September 2014 wurde er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrat der Österreichischen Volksbanken-AG (ÖVAG) bestellt (als Nachfolger von Dr. Hans Jörg Schelling, der nach der Nominierung zum Finanzminister diese Funktion zurückgelegt hatte).


Klaus Liebscher hat die nationale und internationale Stabilitäts-, Konjunktur- und Antiinflationspolitik mitgeschrieben, hat in Österreich zahlreiche kapitalmarktpolitische und steuerpolitische Reformen angestoßen und war auch immer ein Mahner und Hüter der Budgetdisziplin.

Nicht unerwähnt darf Dr. Liebschers Engagement in sozialen und wissenschaftlichen Belangen bleiben - so konnte er als Vorsitzender der Vermittlungskommission der Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun eine Einigung im Sinne der Angehörigen der Opfer herbeiführen. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik engagiert er sich auch weiterhin für die europäische Integration.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1993
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, 1999
  • Silbernes Komturkreuz mit dem Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich, 1999
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern, 2004
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2008
  • Klaus-Liebscher-Preis: dieser Preis wurde in Anerkennung seines Engagements in Zusammenhang mit der Teilnahme Österreichs an der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) und der europäischen Integration ins Leben gerufen. (Der Preis wird an junge ÖkonomInnen für zwei herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu Themen der WWU bzw. der europäischen Integration vergeben.)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl