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Loder, Matthäus#

* 31. 5. 1781, Wien

† 16. 9. 1828, Vordernberg (Steiermark)


Maler und Illustrator
Kammermaler des Erzherzogs Johann


Matthäus Loder wurde am 31. Mai 1781 in Wien geboren; seine Eltern stammten aus der Augsburger Gegend.
Schon früh erkannte man sein Zeichentalent. Bereits mit 13 Jahren wurde er in die Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen, wo berühmte Professoren zu seinen Lehrern zählten und Loder schon in jüngeren Jahren zu den Besten seines Faches gehörte.

Er begeisterte sich früh für die Alpenwelt und unternahm Studienreisen auf den Schneeberg, in die Obersteiermark und in das Salzkammergut.
Er begleitete 1816 Erzherzogin Marie Louise als Zeichenlehrer nach Italien, allerdings musste er aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren und wurde im selben Jahr Kammermaler Erzherzog Johanns.

Loder begleitete nun den Erzherzog auf seinen Wanderungen durch die Obersteiermark und hatte die Aufgabe, die Landschaft, die ländliche Bevölkerung und ihre Trachten und auch die Arbeitswelt auf dem steirischen Erzberg bildlich festzuhalten. Bürger, Jäger, Bergleute, Hammerschmiede und Holzknechte wurden jetzt nach den Anweisungen des Erzherzogs in Loders Bildern dargestellt. Vor allem wurde er auch zum authentischen Schilderer der Begegnungen des Erzherzogs mit Anna Plochl.

Durch viele Jahre hindurch begleitete Matthäus Loder den Erzherzog Johann bei dessen Fußwanderungen in der Steiermark. Erzherzog Johann hatte Loders Bilder gesammelt und aufbewahrt. So sind also die meisten seiner Bilder, auch die in Kalwang gezeichneten, erhalten geblieben.

In den letzten Jahren wohnte Matthäus Loder zumeist in Vordernberg, er starb am 16. September 1828 im Alter von 47 Jahren.


--> Historische Bilder zu Matthäus Loder (IMAGNO)



Die Auftrags-Kammermaler #

„Von der Schönheit der Natur“ zeigt Höhepunkte der Aquarellkunst des 19. Jahrhunderts von unverdient vergessenen Künstlern. #


Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: DIE FURCHE (Donnerstag, 13. Mai 2015)

Von

Theresa Steininger


Thomas Ender, Ansicht von Brixen
Auftraggeber war Erzherzog Johann: Thomas Ender, Ansicht von Brixen.
Foto: © Albertina Wien/Privatbesitz
Idyllen. Bauernpaar aus Passail (Karl Ruß)
Idyllen. Bauernpaar aus Passail (Karl Ruß)
Foto: © Albertina Wien/Privatbesitz
Karl Ruß, Leobnerinnen
Auftraggeber war Erzherzog Johann: Karl Ruß, Leobnerinnen
Foto: © Albertina Wien/Privatbesitz

Heute zückt jeder allzeit die Digitalkamera oder das Handy, um Bergtouren und Reisen zu dokumentieren. Erzherzog Johann (1782-1859) hatte bereits seinerzeit ähnliche Ambitionen – und darüber hinaus statistische – und engagierte über fast fünf Jahrzehnte hinweg Kammermaler, die ihn auf seinen Unternehmungen begleiteten. In rund 1400 Aquarellen hielten sie seine Stationen und somit die schönsten Landschaften Salzburgs, Tirols und der Steiermark fest. 150 Arbeiten, die noch heute im Besitz der Nachkommen des Erzherzogs sind, sind bis 31. Mai in der Albertina ausgestellt.

Der „Steirische Prinz“, Erzherzog Johann, bemühte sich sehr, bessere Kenntnis über Land und Leute von „Innerösterreich“ zu erlangen, um auch Verwaltung und wirtschaftliche Nutzung zu verbessern. Es war schon bald ein Kammermaler dabei, anfangs Johann Kniep, später Karl Ruß und Jakob Gauermann, Matthäus Loder und Thomas Ender. Alle waren akademisch ausgebildet und sowohl Loder als auch Ender gelang es, innerhalb des Korsetts der Vorgaben des Erzherzogs wahre Meisterwerke zu schaffen. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder schwärmt von den „feinen Linien, der kristallinen, kalten Aquarelltechnik. Die se magisch verzaubernden Werke hätten den Lauf der Geschichte der Aquarellkunst verändert, wären sie bekannt geworden“, sagt er. Das allerdings war das Schicksal der Kammermaler und der Grund dafür, dass ihre Namen heute trotz ihres großen Könnens weitgehend unbekannt sind. Dadurch, dass sie im Auftrag des Erzherzogs malten, gingen die Werke ausschließlich an ihn und erhielten sich geschlossen im Privatbesitz der Familie Meran. „Die Maler hatten das große Los gezogen, weil sie viele Aufträge hatten, aber durch ihre Arbeit für einen einzigen Auftraggeber gerieten sie in Vergessenheit“, sagt auch Kuratorin Marie Luise Sternath.

Ebenfalls auf Erzherzog Johanns Einfluss ist es wohl zurück zu führen, dass die Arbeiten bald verklärend wurden. Ob simple Landschaftsdarstellungen, Abbildungen von Spielen und Freizeitvergnügungen wie Eisstockschießen, Jagen oder Rodeln, Bilder von Trachten oder die prachtvollen Gletscherbilder: Alle stellen ein Idealbild vor, das wohl nicht immer der Realität entsprach und dem Gezeigten etwas Monumentales verleiht. Durch die Licht- und Farbgestaltung erscheinen die Landschaften fast wie entrückt. Herrlich anzusehen sind sie dadurch jedenfalls. Auch wenn Schröder erklärt, dass „die Einschränkungen auf den Reisen offensichtlich nicht sehr groß waren“, habe es doch ein „Spannungsfeld zwischen Auftrag und künstlerischem Wirken gegeben“.

Erzherzog Johann und Anna Plochl im Boot (Matthäus Loderer)
Erzherzog Johann und Anna Plochl im Boot (Matthäus Loderer)
Foto: © Albertina Wien/Privatbesitz
Thomas Ender, Großglockner
Thomas Ender, Großglockner
Foto: © Albertina Wien/Privatbesitz

Besonders atmosphärisch #

So zeigen die Aquarelle die besuchten Landschaften zwar mit akribischer Detailtreue, „aber als überhöhtes Ideal der Berge, wie Johann es sich vorstellte“, erläutert Kuratorin Sternath.

Während Ruß Trachtenbilder fertigte und Loder sich bei Erzherzog Johann vor allem durch seine Darstellungen der Liebesgeschichte mit Anna Plochl unentbehrlich machte, gelang es Ender, eine besondere Qualität zu erreichen und auch einige Arbeiten auf den freien Markt zu bringen, wodurch er bekannter ist, als die anderen Kammermaler des Erzherzogs. Ender, den Schröder als „ebenbürtig mit den von Alts“ bezeichnet, machte viele Hochgebirgs-Wanderungen des Erzherzogs mit. Der wiederum kann als Pionier des Alpinismus in den Ostalpen gesehen werden, da er beispielsweise an den Besteigungen von Großvenediger und Großglockner nur knapp scheiterte. Ender war stets mit von der Partie.

Seine Darstellungen der Gletscher prägten das Bild der Alpen, sie sind besonders atmosphärisch, weil sie zum Teil wirklich vor der Natur gemalt wurden. Seine Darstellungen von Gebirgspässen, Gletscherzungen, aber auch Ruinen, Schlössern, Städten und Burgen sowie von Erzherzog Johanns Krim- und Griechenlandreise haben außergewöhnliche Qualität.

1848 kam mit der Revolution das abrupte Ende des Kammermaler-Projekts. Was blieb, waren 1400 wunderbare Aquarelle, von denen ein Ausschnitt bis Ende Mai erstmals einer großen Öffentlichkeit präsentiert wird. Dass die Ausstellung in der Albertina gezeigt wird, begründet Kuratorin Sternath damit, dass es Albertina-Gründer Albert von Sachsen-Teschen war, der Erzherzog Johann durch Erbschaft eine bürgerliche Existenz ermöglichte.

DIE FURCHE, Donnerstag, 13. Mai 2015

(Essay)

Literatur#

  • M. Loder - E. Gurk, Ausstellungskatalog, Wien 1978
  • M. T. von Wietersheim-Meran, Von der Ritteridylle zum Bilddokument: M. Loder (1781-1828), 1989


Erzherzog Johann und Annas Unterredung bei Trautenfels am Grimming am Grundlsee, Aquarell von 1822
Erzherzog Johann und Annas Unterredung bei Trautenfels am Grimming am Grundlsee
Aquarell von 1822
Erzherzog Johann in der Steiermark
Erzherzogs Übergang über das Reiteregg Juli 1823
Aquarell
Erzherzog Johann und Anna
Erzherzog Johann und Anna auf dem See
Aquarell von 1822
Erzherzog Johann und Anna Plochl
Erzherzog Johann und Anna Plochl besichtigen die Schatzkammer im Armenseelenstollen des steirischen Erzberges

Quellen#


Redaktion: A. Geiger