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Roth, Joseph#

Pseudonym: Hamilkar, Christine von Kandl und andere


* 2. 9. 1894, Brody Brody (Galizien, heute Ukraine)

† 27. 5. 1939, Paris (Frankreich)


Romancier, Erzähler, Feuilletonist

Joseph Roth
Joseph Roth. Foto
©Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Moses Joseph Roth wurde am 2. September 1894 als Kind jüdischer Eltern in Brody, Galizien, geboren.

Sein Vater, ein Getreideeinkäufer und Holzhändler verließ 1893 die Familie – er kehrte nach eineinhalbjähriger Ehe von einer Geschäftsreise nicht nach Hause zurück. Maria Roth lebte mit ihrem Sohn im Haushalt ihres Vaters, ihr ältester Bruder, der auch Roths Vormund wurde, unterstützte den Haushalt finanziell.

Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Brody, eines der wenigen mit deutscher Unterrichtssprache geführten Gymnasien Galiziens. Aufgewachsen am Rande des k.u.k. Vielvölkerreichs, um das er zeitlebens trauerte, war die Bildungstendenz Roths deutschsprachig und nach Wien orientiert, also nicht, wie damals schon bei der Mehrzahl seiner Mitschüler, zionistisch oder polnisch.

Nach der Matura 1913 immatrikulierte er zuerst an der Universität Lemberg, ehe er 1914 nach Wien übersiedelte und hier an der Universität Wien sein Germanistik- und Philosophiestudium fortsetzte.

1915 erschien Roths erste Veröffentlichung, das Gedicht "Welträtsel in der "Österreichischen Illustrierten Zeitung", Wien. Es folgten in den nächsten drei Jahren weitere Beiträge, vor allem Gedichte, in der "Arbeiter-Zeitung", Wien, und im "Prager Tagblatt", Prag.

1916 rückte Roth zur militärischen Einjährig-Freiwilligen-Schule ein, ab 1917 versah er seinen Kriegsdienst in Galizien und wurde als Mitarbeiter der "Illustrierten Kriegszeitung" eingesetzt.

Ab 1918 war er als Journalist in Wien tätig ("A.Z. am Abend", Zeitschrift "Die Filmwelt") und bereits 1919 erschien sein erstes Feuilleton in der neugegründeten Wiener Tageszeitung "Der Neue Tag", für die er im Lauf der folgenden zwölf Monate über hundert Artikel, Berichte und Feuilletons verfasste. Da die Zeitung 1920 eingestellt wurde und Roth keine neuen Aufträge in Wien fand, übersiedelte er nach Berlin, 1922 heiratete er Friederike Reichler, die später an Schizophrenie erkrankte und 1940 dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fiel.

Ab 1923 arbeitete Roth für die Feuilletonredaktion der "Frankfurter Zeitung", die - mit Unterbrechungen – ab 1932 sein hauptsächlicher Auftraggeber war. Sein erster Roman "Das Spinnennetz" erschien - eine prophetische Warnung vor den Gefahren des herannahenden Faschismus.

Von nun an lebte Joseph Roth, der Rast- und Ruhelose, gemeinsam mit seiner Frau nur mehr in Hotels und aus Koffern. Die psychische Krankheit seiner Frau wurde schlimmer und konnte nicht geheilt werden, Roth ertränkte seinen Kummer im Alkohol und ging mehrere unglückliche Beziehungen zu anderen Frauen ein. 1933 verließ er Deutschland und ging nach Paris ins Exil, von wo er etliche Reisen (unter anderem Wien, Amsterdam, Ostende) unternahm.

Roth starb, gezeichnet durch Schicksalsschläge, enttäuscht über die politischen Zustände und an Alkoholismus erkrankt, am 27. Mai 1939 in einem Pariser Armenhospital. Im Juli 1940 wurde Friederike Roth in die Euthanasieanstalt Hartheim bei Linz gebracht und ermordet.

Joseph Roth schrieb 16 Romane, doch in Wahrheit war es nur EINE Geschichte - jene über die dahinschwindende Epoche der österreich-ungarischen Monarchie, eine versinkende Welt.

Joseph Roth, Sonderbriefmarke
Anlässlich des 100. Geburtstag von Joseph Roth erschien 1994 eine Sonderbriefmarke
© Österreichische Post


Das Frühwerk Roths setzt sich mit den traumatischen Erfahrungen der aus dem Krieg heimkehrenden Offiziere ("Flucht ohne Ende") auseinander, in seinen journalistischen Arbeiten vertrat er zunächst sozialdemokratische Standpunkte. Die Erfolge in den 1920er Jahren und sein später Ruhm (1956 durch H. Kesten "wiederentdeckt") gründen sich auf die mythisierende Darstellung der Habsburgermonarchie kurz vor ihrem Untergang. Der Roman "Radetzkymarsch" (1932) schildert in 3 Generationen Aufstieg und Fall der Familie Trotta.

Dieses Thema der untergegangenen Monarchie, das Roth zum ersten Mal in seinem Roman "Hotel Savoy" (1924) angeschlagen hatte, variierte er auch in den Nachfolgeromanen ("Die Kapuzinergruft", "Die Geschichte von der 1002. Nacht").

Werke (Auswahl)#

  • Das Spinnennetz (Fortsetzungsroman in der Wiener sozialistischen 'Arbeiter-Zeitung'), 1923
  • Hotel Savoy, 1924
  • Die Rebellion, 1924
  • April. Die Geschichte einer Liebe (Erzählung), 1925
  • Der blinde Spiegel. Ein kleiner Roman, 1925
  • Juden auf Wanderschaft (Essay), 1927
  • Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht (Roman), 1927
  • Zipper und sein Vater, 1928
  • Rechts und Links", 1929
  • Panoptikum. Gestalten und Kulissen (Reportagen), 1930
  • Hiob. Roman eines einfachen Mannes, 1930
  • Radetzkymarsch, 1932
  • Stationschef Fallmerayer (Erzählung), 1933
  • Tarabas, ein Gast auf dieser Erde, 1934
  • Le triomphe de la beauté / Triumph der Schönheit (Erzählung), 1934
  • La buste de l'empereur / Die Büste des Kaisers (Erzählung), 1934
  • Der Antichrist, 1934
  • Die Hundert Tage, 1935
  • Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht, 1936
  • Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters, 1937
  • Die Kapuzinergruft, 1938
  • Die Geschichte von der 1002. Nacht, 1939
  • Die Legende vom heiligen Trinker, 1939 (posthum veröffentlicht)
  • Der Leviathan (Erzählung), 1940
  • Der stumme Prophet (Romanfragment), 1966
  • Erdbeeren (Posthume Fragmente eines Romans), 1978

Werksausgaben:

  • Joseph Roth: Werke. Band 1-3. Das journalistische Werk. Band 4-6. Romane und Erzählungen. Köln, Kiepenheuer & Witsch, 1989 -1991, ergänzt durch:
  • Joseph Roth: "Unter dem Bülowbogen". Prosa zur Zeit. Hrsg. Rainer-Joachim Siegel. Köln, Kiepenheuer & Witsch, 1994

Literatur#

  • H. Kesten, Josef Roth. Werke, 1956
  • D. Bronsen, J. Roth. Eine Biographie, 1974
  • C. Magris, Weit von wo, 1974
  • K. Westermann, J. Roth, Journalist, 1987
  • H. Lunzer und V. Lunzer-Talos, J. Roth 1894-1939, Ausstellungskatalog, Jüdisches Museum der Stadt Wien, 1994
  • Neue Österreichische Biographie
  • Wilhelm von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2009

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl