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Tunner, Peter#

*10. 5. 1809, Deutschfeistritz

+ 8. 6. 1897, Leoben


Montanist


Peter von Tunner
Peter von Tunner. Lithographie
© © Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Peter Tunner d. J. wurde am 10. Mai 1809 als Sohn des Verwesers Peter Tunner in Deutschfeistritz geboren, wo sein Vater einen Hochofen und einen Bergbau betrieb.

Bedingt durch den Konkurs des Werkes übernahm Vater Tunner die Verweserstelle im schwarzenbergischen Eisenschmelzwerk in Turrach, wo auch sein Sohn Peter nach dem Besuch der Unterrealschule in Graz die ersten prägenden Berührungen mit dem Eisenwesen erhielt. In den Schwarzenbergischen Hammerwerken eignete er sich bald schon Kenntnisse in der Stahlerzeugung an und wurde von den Gewerken Rosthorn in ihre Eisenwerke in Kärnten berufen, um in den Werken im Lavanttal und Prävali (heute Slowenien) die dort ausgeübte Frischmethode zu verbessern.


Tunner kam dieser Aufgabe mit Erfolg nach, so dass ihm die Gebrüder Rosthorn das Studium am Polytechnischen Institut in Wien ermöglichten. In den Jahren 1828 bis 1830 absolvierte er dort die "Technische Abteilung" und hörte Vorlesungen aus Mineralogie und Kristallographie bei den Professoren Franz Riepl und Friedrich Mohs. In den folgenden Jahren besuchte er die Eisenwerke Salzburgs und Tirols und erweiterte seine Kenntnisse über die Stahlerzeugung im Eisenwerk Neuberg an der Mürz.

1831 kehrte wieder in das Eisenwerk Turrach zurück und übernahm 1832 bis 1835 die Verwaltung des Hammerwerkes Katsch bei Murau. Sein Ruf als Stahlmetallurge drang bald weit über das Murtal hinaus, auch Erzherzog Johann wurde auf den jungen Eisenhüttenmann aufmerksam. Inzwischen waren Gespräche gediehen, die Ausbildung der Berg- und Hüttenleute in Innerösterreich auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen, um der Wirtschaftskrise mit gut ausgebildeten Fachleuten begegnen zu können.


Bereits 1829 hatte man die Errichtung einer Lehrkanzel für Eisenhüttenkunde am Joanneum in Graz genehmigt, 1833 schlug Erzherzog Johann Peter Tunner als Kandidaten für die Besetzung dieser Lehrkanzel vor, die ihren Sitz im kleinen Ort Vordernberg haben sollte. 1835 wurde der junge Peter Tunner zum Professor ernannt mit der Aufgabe, an der Steiermärkisch-ständischen Lehranstalt in Vordernberg Vorlesungen über Eisenhüttenkunde, Stahlerzeugung und Kohlenbergbau zu halten. Da die Gebäude in Vordernberg noch nicht fertig waren, wurde Tunner auf Bildungsreisen durch ganz Europa geschickt. Diese dienten einerseits zur Vorbereitung der Vorlesungen, dem Sammeln von Modellen berg- und hüttenmännischer Geräte und Maschinen, aber auch der Weiterbildung in den Disziplinen, die Tunners Vorlesungen in Vordernberg behandeln sollten. Darüber hinaus konnte er auf diesen Reisen die wichtigsten Gelehrten auf dem Gebiete des Berg- und Hüttenwesens in Europa kennen lernen. Am 4. November 1840 wurde nach Fertigstellung der Gebäude die neue Lehranstalt der Berg- und Hüttenkunde in Vordernberg eröffnet, Peter Tunner war Direktor und einziger Professor. Abwechselnd wurden im Jahresrhythmus Bergbaukunde und Hüttenkunde gelehrt, während des Schuljahres gab es kurze Exkursionen in die Bergbaue und Hütten der näheren Umgebung und praktisches Arbeiten, am Ende des Studienjahres fand die große Hauptexkursion statt.


Bereits 1841 schuf Tunner mit dem "Jahrbuch für den innerösterreichischen Berg- und Hüttenmann" ein Publikationsorgan, in dem zu Anfang vor allem die Exkursionsberichte der Studenten, aber auch Tunners eigene wissenschaftliche Abhandlungen publiziert wurden. Aus diesem Jahrbuch entwickelten sich in der Folge das Berg- und Hüttenmännische Jahrbuch und später dann die Fachzeitschrift Berg- und Hüttenmännische Monatshefte (BHM).

Tunner war schon in diesen frühen Jahren wissenschaftlich tätig, er verfasste in der Vordernberger Zeit ein grundlegendes Lehrbuch zur Frischherdtechnik "Der wohlunterrichtete Hammermeister". Das Revolutionsjahr 1848 brachte der Vordernberger Lehranstalt ein unerwartetes Ende. Bedingt durch Nationalitätenunruhen in der Bergakademie Schemnitz mussten die deutschen Hörer diese Ausbildungsstätte verlassen, damit war der Nachwuchs der österreichischen Montanbeamten nicht mehr gegeben. Der Staat plante daher die Errichtung einer Bergakademie in Eisenerz und Pribram in Böhmen. Peter Tunner sah die Gefahr, die damit der Lehranstalt in Vordernberg drohte und setzte sich vehement für die Übernahme der Schule durch den Staat ein. Im Einvernehmen mit Erzherzog Johann gab der ständische Ausschuss seine Bereitschaft bekannt, die Schule dem Staat zu überlassen, am 1. November 1848 öffnete die Vordernberger Lehranstalt als k.k. provisorische Montan-Lehranstalt (heute Montanuniverstät Leoben) ihre Pforten.


Diese Ausweitung brachte einen großen Zuzug an Hörern, der Umzug ins nahe gelegene Leoben wurde 1849 vollzogen. Tunner hatte nun auch einen zweiten Professor zur Seite, Albert Miller, der zum Professor für den Bergkurs ernannt wurde, er selbst konnte sich nun ausschließlich der Hüttenkunde zuwenden. In dieser Zeit verfasste er eine Reihe von grundlegenden Publikationen zur Metallurgie und zur Energiefrage im Eisenhüttenwesen.


Die Organisation der Lehranstalt war auf eine Spezialschulung von Studierenden abgestellt, die bereits eine gründliche Ausbildung in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern an den Polytechnischen Instituten in Wien, Prag oder am Joanneum in Graz erhalten hatten. Dies bedeutete eine ungewöhnlich lange Studienzeit. Den ständigen Bemühungen Peter Tunners gelang nun schrittweise die Einführung von zwei vorbereitenden Jahrgängen in Leoben, so dass die Studenten auf Grund des Reifezeugnisses eines Gymnasiums oder einer Realschule aufgenommen werden und nach insgesamt 4 Studienjahren die Anstalt als absolvierte Bergakademiker verlassen konnten. Diese Gleichstellung der Anstalt mit Schemnitz wurde auch äußerlich sichtbar bestätigt durch die Erhebung zur Bergakademie am 2. September 1861. Hand in Hand damit ging eine Vergrößerung des Personalstandes.


Tunner leistete wesentliche Beiträge zur Stahlerzeugung im Frischherd und im Puddelofen sowie zur Einführung des Bessemer- und Siemens-Martin-Verfahrens.


Tunners Verdienste wurden 1855 durch die Verleihung des Titels Sektionsrat gewürdigt, 1861 verlieh ihm der Monarch den Orden der Eisernen Krone III. Klasse, 1864 wurde er in den Ritterstand erhoben. Das Kriegsjahr 1866 brachte durch die Aufhebung der Vorkurse einen schweren Rückschlag, ein arger Rückgang des Hörerstandes war die Folge. Peter Tunner reagierte scharf auf diese Einschränkung und stellte mit dem Studienjahr 1867/68 seine Lehrtätigkeit ein. In diesen Jahren tauchte der Plan einer zentralen Bergakademie in Wien auf, dem Tunner mit aller Macht seiner Persönlichkeit entgegentrat. Am 15. Dezember 1874 erhielt die k. k. Bergakademie ein neues Statut, das eine gesunde, ruhige Entwicklung gewährleistete, der Direktor der Akademie konnte ab nun vom Professorenkollegium gewählt werden.


Peter Tunner, der 1871 zum Ministerialrat ernannt worden war, trat 1874 in den Ruhestand, was von seinen Freunden mit einer großen "Tunner-Feier" zum Abschied gewürdigt wurde. Peter Tunner hatte sich schon in seiner aktiven Zeit politisch betätigt, er war von 1867 bis 1871 im Steiermärkischen Landtag vertreten und von 1867 bis 1874 im Reichsrat. Daneben fand er nun mehr Zeit für seine wissenschaftlichen Abhandlungen auf allen Gebieten des Eisenhüttenwesens. Zur Jubelfeier der Bergakademie im Jahre 1890 hatten sich etwa 300 Tunner-Schüler eingefunden, die ihn eingehend feierten und würdigten.


1892 erlitt Tunner einen Schlaganfall, er verstarb am 8. Juni 1897 und wurde am Zentralfriedhof Leoben beigesetzt. Sein Grabstein trägt die Inschrift: "Soweit seine Kräfte reichten, arbeitete und studierte er zum Besten der vaterländischen Eisenindustrie, lebte für sich und seine Familie einfach und sparsam, für andere wohlwollend und wohltätig. Gott wolle ihm gnädig sein."


Das Jahr 2009 hatte für die Montanuniversität Leoben besondere Bedeutung, jährte sich doch zum 200. Mal der Geburtstag des Gründers und ersten Professors der Steiermärkisch-ständischen Lehranstalt, der Vorläuferin der Montanuniversität. Mit Peter Tunner erhielt die Ausbildung von Berg- und Hüttenleuten in der Steiermark eine neue Dimension, die wissenschaftliche Ausbildung, die in der Monarchie bislang nur in Schemnitz in Ungarn (heute Banska Stiavnica, Slowakei) möglich gewesen war, war nun auch in der Steiermark zu erlangen.

Werke (Auswahl)#

  • Gemeinfaßl. Darstellung der Stabeisen- und Stahlbereitung in Frischherden, 1858
  • Rußlands Montanindustrie, 1871
  • Das Eisenhüttenwesen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, 1877
  • Hg.: Berg- und hüttenmännisches Jahrbuch, 1841-66

Literatur#

  • H. Lackner, P. Tunner 1809-97, in: Der Leobener Strauß 8, 1980
  • A. Weiß (Hg.), Zum Gedenken an P. Ritter von Tunner, 1998

Quellen#



Redaktion: HR Liselotte Jontes