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Vranitzky, Franz#


* 4. 10. 1937 Wien


Bankmanager, Politiker (SPÖ)
Bundeskanzler a.D.

F. Vranitzky während einer Rede zum 70. Jahrestag des 'Anschlusses', (12. März 2008), Foto: Manfred Werner / Tsui, Aus: Wikicommons unter CC
F. Vranitzky während einer Rede zum 70. Jahrestag des "Anschlusses"
(12. März 2008)
Foto: Manfred Werner / Tsui
Aus: Wikicommons unter CC

Franz Vranitzky wurde am 4. Oktober 1937 in Wien in einer Arbeiterfamilie geboren, wo er aufwuchs und die Schule besuchte.

Nach der Matura 1955 begann er ein Studium an der damaligen Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität) Wien, das er 1960 mit der Graduierung zum Diplomkaufmann abschloss. Er war Mitglied der österreichischen Basketball-Nationalmannschaft und trat mit ihr sogar bei der Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 1960 in Rom an.

Seine berufliche Laufbahn begann Franz Vranitzky - seit Studentenzeiten SPÖ-Mitglied - 1960 bei den Siemens-Schuckert-Werken, wo er zunächst im Rechnungswesen tätig war. Schon 1961 wechselte er in die volkswirtschaftliche Abteilung der Nationalbank, wo er 1969 dem ersten Vizepräsidenten direkt unterstellt wurde. Während dieser Zeit leistete er 1963 seinen Präsenzdienst und promovierte 1969 zum Doktor der Handelswissenschaften.

1970 wurde er vom damaligen Bundesminister für Finanzen, Hannes Androsch, als wirtschafts- und finanzpolitischer Berater in das Finanzministerium berufen. In dieser Funktion hatte er ein weites Aufgabenfeld - er verhandelte mit Währungsfonds und Weltbank und lernte die großen Bankinstitute in den USA kennen.

1976 wurde er zum Stellvertreter des Vorsitzenden der damals größten österreichischen Bank, des Creditanstalt-Bankvereins, bestellt. 1981 wechselte er in den Vorstand der Österreichischen Länderbank, wo er noch im selben Jahr zum Vorstandsvorsitzenden berufen wurde.


Franz Vranitzky, © Bundeskanzleramt, Wien, für AEIOU
Franz Vranitzky
© Bundeskanzleramt, Wien, für AEIOU
Im Zuge einer Regierungsumbildung ernannte ihn Bundeskanzler Fred Sinowatz 1984 zum Finanzminister.

Nach dem Rücktritt von Fred Sinowatz wurde Franz Vranitzky 1986 als Bundeskanzler der Republik Österreich angelobt. Zu Beginn seiner Amtszeit war er sowohl mit der Affäre rund um den damaligen Präsidenten Kurt Waldheim, als auch mit Jörg Haider als neu gewählten Bundesparteiobmann des Koalitionspartners FPÖ konfrontiert. Zunächst setzte er die Koalitionsregierung SPÖ-FPÖ (Kabinett Vranitzky I) fort.
Wegen des Rechtsrucks der FPÖ beendete er 1987 diese Zusammenarbeit und bildete nach der vorgezogenen Nationalratswahl - die der FPÖ starke Gewinne brachte - eine Koalition mit der ÖVP. (Von 1987 bis 1997 stand er als Bundeskanzler an der Spitze einer SPÖ-ÖVP-Koalition - Regierungen Vranitzky II–V.). Darüber hinaus war er von 1988 bis 1997 Bundesparteivorsitzender der SPÖ und einer der Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale.

Außenpolitisch war er mit der internationalen Isolation Österreichs (aufgrund der Kriegsvergangenheit Kurt Waldheims) konfrontiert und übernahm auch wiederholt Repräsentationsaufgaben.

In den 11 Jahren seiner Amtszeit gelang Franz Vranitzky die internationale Normalisierung der Beziehungen zu den USA und zu Israel (nach der Affäre Waldheim), die Neupositionierung Österreichs nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sowie schließlich der EU-Beitritt. Franz Vranitzky war der erste Kanzler, der 1991 im Nationalrat von einer Mitverantwortung der ÖsterreicherInnen an den Verbrechen des Nationalsozialismus sprach.

1997 trat Franz Vranitzky als Bundeskanzler und auch als Bundesparteivorsitzender zurück - sein Nachfolger in beiden Ämtern wurde Viktor Klima. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik war er OSZE-Sonderbeauftragter für Albanien, danach kehrte er in das Bankwesen zurück und wurde Konsulent der Westdeutschen Landesbank. Seit 1997 ist er auch im Aufsichtsrat des Magna-Konzerns tätig.

Franz Vranitzky ist seit 1962 mit Christine verheiratet und hat zwei erwachsene zwei Kinder.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, 1987
  • Ehrensenator der Wirtschaftsuniversität Wien, 1991
  • Ehrendoktorat der Universität Santiago de Chile, 1993
  • Ehrendoktorat der Hebräischen Universität Jerusalem, 1993
  • Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik, 1993
  • Ehrendoktorat der Wirtschaftsuniversität Bratislava, 1996
  • Fulbright Preis für Internationale Verständigung, 1995
  • Aachener Karlspreis, 1995
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem Stern, 1995
  • Bayrischer Verdienstorden
  • Chilenischer Verdienstorden
  • Deutscher Verdienstorden
  • Jordanischer Hoher Orden der Wiedergeburt und des Fortschritts
  • Großkreuz des Ordens de Isabel la Católica, 1995
  • Großkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn, 1996
  • Liechtensteinischer Verdienstorden
  • Malteser Verdienstorden
  • Niederländischer Orden von Oranien-Nasssau
  • Zypriotischer Makarios-III.-Orden
  • Tiroler Adler-Orden, 2005
  • Goldene Medaille der jüdischen Loge B’nai B’rith, 2005
  • Orden des Weißen Löwen (höchster Staatsorden der Tschechischen Republik), 2014

Werke (Auswahl)#

  • Franz Vranitzky im Gespräch mit Armin Thurnher, 1992
  • Politische Erinnerungen, 2004
  • Europa braucht wieder Politik, 2005

Weiterführendes#

Tonaufnahme #


Österreichische Mediathek Hörprobe

Vranitzky und Mock einigen sich. Österreich bekommt eine Große Koalition.
TV-Mitschnitt, 16.1.1987

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Literatur#

  • H. Rauscher, Vranitzky, 1987
  • R. Semotan und K. Krawagna-Pfeifer, Die Vranitzky-Jahre, 1995
  • H. Czernin, Der Haider-Macher. Franz Vranitzky und das Ende der alten Republik, 1997
  • G. Bischof (Hg.), The Vranitzky Era in Austria, 1999

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl