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100. Todestag von Josef Maria Olbrich#

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Josef Maria Olbrich, geboren am 22. Dezember 1867 in Troppau, zeigte schon früh Interesse für das Baugewerbe. Nach Praxisjahren als Bauzeichner studierte er ab 1890 an der Akademie der bildenden Künste in Wien und war Schüler des Ringstraßenarchitekten Carl Freiherr von Hasenauer. 1893 trat Olbrich in das Architekturbüro von Otto Wagner ein, wo er mehrere Jahre mit seinen überragenden zeichnerischen Fähigkeiten reüssierte. Für die neu gegründete Künstlervereinigung, die Wiener Secession, schuf der junge Architekt einen eigenen Ausstellungsraum: Das so genannte Sezessionsgebäude, das als eines der Hauptwerke des Wiener Jugendstils in die Kunstgeschichte einging.

1899 folgte Olbrich der Einladung des hessischen Großherzogs Ernst Ludwig, der ihm in Darmstadt die Möglichkeit gab, seine architektonischen und künstlerischen Ideen zu realisieren. Olbrich übernahm bald die Führung in der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe. Er schuf mit dem Ernst-Ludwig-Haus das Hauptgebäude, das mit seiner nüchternen Architektur eine Synthese von Archaik und Moderne darstellt. Er baute weitere Wohnhäuser und Ausstellungsgebäude, die als exemplarische Vorzeigeobjekte für modernes Bauen und Wohnen dienten. 1906 erhielt Olbrich den letzten und größten Auftrag: den Bau des Warenhauses der Leonard Tietz AG (später Kaufhof AG) in Düsseldorf. Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Olbrich am 8. August 1908 im Alter von nur 40 Jahren.

Im Streben nach dem Gesamtkunstwerk befasste sich Josef Maria Olbrich neben seinem Schaffen als Architekt auch mit der dekorativen Ausstattung von Innenräumen und der Gestaltung von kunstgewerblichen Objekten. So schuf er eine Fülle von Entwürfen für Geschirr, Möbel, Musikinstrumente und andere Gegenstände, wie zum Beispiel den auf der Marke abgebildeten Briefkasten.

Das Modell für ebendiesen außergewöhnlichen Briefkasten entwarf Olbrich für die Villa des Fabrikanten Max Friedmann in der Hinterbrühl bei Wien. Er ist aus Ahornholz gefertigt, bräunlich gebeizt und mit Spuren einer ursprünglich blauen Farbbeize im Inneren. Die Messingbeschläge und die auf den Blattranken eingesetzten weißen Glassteine verstärken die optische Wirkung des Hausbriefkastens. Übrigens: Das wertvolle Stück befindet sich seit den Siebzigerjahren in der Städtischen Kunstsammlung von Darmstadt.