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Briefmarke, Kosmische Strahlung
© Österreichische Post

100 Jahre Kosmische Strahlung#

Sonderpostmarke#

Mit der vorliegenden Sondermarke wird ein großer Österreicher in der Geschichte der Wissenschaft geehrt. Vor genau 100 Jahren, 1912, entdeckte der Physiker Victor Franz Hess (1883 – 1964) die Kosmische Strahlung, und zwar mithilfe von Ballonfahrten in der Erdatmosphäre. Für diese Entdeckung erhielt er 1936 den Nobelpreis für Physik. In Würdigung dieser außergewöhnlichen wissenschaftlichen Leistung zeigt auch die neue Sondermarke eine ganz besondere Ausstattung: das Motiv ist sowohl mit einer wertvollen Goldfolienprägung als auch mit einem aufwändig aufgebrachten Iriodinlack verziert. Die Kosmische Strahlung ist eine hochenergetische Teilchenstrahlung aus dem Weltall, die von der Sonne, der Milchstraße und von fernen Galaxien kommt. Sie besteht vorwiegend aus Protonen, daneben aber auch aus Elektronen und vollständig ionisierten Atomen. Auf die äußere Erdatmosphäre treffen zirka 1000 Teilchen pro Quadratmeter und Sekunde. Durch Wechselwirkung mit den Gasmolekülen entstehen Teilchenschauer mit einer hohen Anzahl von Sekundärteilchen, von denen aber nur ein geringer Teil die Erdoberfläche erreicht. Die Luftschauer sind einige Quadratkilometer groß, vertikal aber nur wenige Meter. Sie geben Hinweise auf die Art und Energie der kosmischen Primärteilchen, der Verlauf der Front indes auf die Einfallsrichtung. Bei einem seiner Ballonaufstiege entdeckte Victor Franz Hess am 7. August 1912 die Kosmische Strahlung, die er seinerzeit noch „Höhenstrahlung“ nannte. Er bezog sich dabei auf die nicht veröffentlichten Daten des Physikers Karl Bergwitz, der diese bereits 1908 registrierte. Einige Jahre danach, 1919, wurde Hess als außerordentlicher Professor an die Universität Graz berufen, um kurze Zeit später für zwei Jahre in den USA zu arbeiten, wo er unter anderem über die medizinische Anwendung des Radiums forschte. Zurück in Graz, beschäftigte er sich jedoch mangels finanzieller Mittel vornehmlich mit der Luftelektrizität. Ab 1931 als Professor an der Universität Innsbruck, leitete er dort das Institut für Radiologie, musste sich aber aufgrund einer erlittenen Radiumverbrennung einer Daumenamputation und einer Operation am Kehlkopf unterziehen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Hess kurzfristig verhaftet. Am 28. Mai 1938 wurde er zunächst in den vorläufigen Ruhestand versetzt und im September 1938 schließlich fristlos und ohne Pensionsanspruch entlassen. Zudem wurde er gezwungen, das in Schweden erhaltene und dort investierte Nobelpreisgeld gegen deutsche Reichsschatzscheine umzutauschen. Noch im selben Jahr emigrierte er in die USA, wo er an der Fordham University seine Arbeiten fortsetzte. 1944 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die wissenschaftliche Messstation am Innsbrucker Hafelekar, wo die Kosmische Strahlung beobachtet wird, erinnert auch heute noch an den großen österreichischen Physiker.