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Briefmarke, Wiener Kontrabass
© Österreichische Post

Wiener Kontrabass#

Sondermarke #

Fortsetzung der Markenserie „Musikinstrumente“: Der neue 1,70-Euro-Wert thematisiert den „Wiener Kontrabass“, ein Streichinstrument, das in dieser Form in der Wiener Klassik entstand.

Der Kontrabass ist der Tiefste seiner Art, um nicht zu sagen, seiner Arten, ist er doch gleich zwei Instrumentenfamilien zugehörig. Er weist Merkmale der Violinfamilie, bestehend aus Violine, Viola und Cello, ebenso auf wie solche der heute nur mehr musikhistorisch wichtigen Gamben, von denen der Bass ursprünglich etwa die abfallenden Schultern, den flachen Boden und den meist von unten gehaltenen Bogen hatte. „Violone“, „Contrabasso di viola“, „Groß Contra-Bass-Geig“ – auch alte Bezeichnungen helfen nicht weiter, wenn man den Kontrabass zuordnen will, er bleibt diesbezüglich ein Außenseiter. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde er zum regulären Orchestermitglied, solistisch wurde er bis dahin in bekannten Stücken nur selten eingesetzt.

Zahlreiche Stücke für Kontrabass-Solo entstanden schließlich während der Zeit der Wiener Klassik, in der sich auch eine ganz eigene Stimmung des Instruments durchsetzte. Ab den 1760er-Jahren nutzte man in der Regel einen fünfsaitigen Bass, wobei der hier präsentierte Wiener Kontrabass viersaitig bespannt ist. Der Wiener Kontrabass ebnete dem Instrument den Weg in das solistische Spiel. Zudem optimierte diese Stimmung, auch „Viennese Tuning“ genannt, das Instrument für den Einsatz in der Kammermusik. Bedeutende Konzerte entstanden in dieser Zeit. Carl Ditters von Dittersdorf, Franz Anton Hoffmeister, Johann Baptist Vanhal und Johann Matthias Sperger komponierten viel für den Kontrabass als Soloinstrument. Joseph Haydn soll ein Kontrabass-Konzert geschrieben haben, das aber heute verschollen ist. Wolfgang Amadeus Mozart wiederum schrieb die Arie „Per questa bella mano“ für das imposante Instrument, das als eigener Kontrabasstyp auch unter dem Namen „Wiener Quart-Terz-Violon“ in die Musikgeschichte einging.

Kontrabässe sind keinesfalls alle gleich groß, die Instrumente werden in verschiedenen Mensuren konstruiert, die auf die Körpergröße des jeweiligen Musikers abgestimmt sind. Sie werden im Sitzen oder im Stehen gespielt und mit dem Stachel nochmals an die Körpergröße des Musikers angepasst. Sie können gestrichen oder gezupft werden, gerne werden sie auch in der Jazz-Musik eingesetzt, Jazzer nennen den Kontrabass teils liebevoll „doghouse“ (Hundehütte). Der Autor Patrick Süskind widmete dem Streichinstrument gar ein eigenes, gleichnamiges Theaterstück, das Einblicke in die Seele eines Musikers gewährt.

Heute widmet sich das im Jahr 1974 von Prof. Mag. Alfred Planyavsky, ehemaliger Kontrabassist der Wiener Philharmoniker, gegründete und 1986 an die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek übergebene Wiener Kontrabass-Archiv der Erforschung des internationalen Kontrabass-Repertoires – mit besonderer Beachtung der Wiener Schule.