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Der vergessene Architekt#

Sogar an seinem 150. Todestag wurde auf die Erinnerung an Ringstraßen-Architekten Förster - fast – vergessen#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 19. Juni 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Von

Bernd Vasari


Matzleinsdorfer Friedhof
Am Matzleinsdorfer Friedhof wurde Förster begraben. Sein Grab ist heute aufgelassen.
© Gruntzel

Förster steht heute im Schatten von Theophil Hansen und Otto Wagner.#

Wien. Otto Wagner und Theophil Hansen sind für viele Wiener ein Begriff. Man denkt bei Wagner sofort an die Stationshäuser der heutigen U-Bahnlinien U4 und U6, die von dem Architekten geplant wurden. Auf Hansen gehen etwa Parlament, Musikverein und Börse zurück. Den Architekten Ludwig von Förster hat man hingegen vergessen. Dabei gilt er als der maßgebliche Planer beim Bau der Ringstraße und als Entdecker von Hansen und Wagner.

Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, jährte sich am 16. Juni zum 150. Mal der Todestag von Förster. Offiziell gedacht wurde aber nur bei einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche am Matzleinsdorfer Friedhof in Favoriten. Dort wurde der Architekt auch begraben, das Grab aber bereits 1948 aufgelassen. Der Planer des Friedhofs und der Kirche war Theophil Hansen.

"Warum Förster kein Ehrengrab bekommen hat, weiß ich nicht", sagt Wolfgang Förster, Leiter der Wiener Wohnbauforschung und nicht verwandt mit dem Architekten. Der Grund liege wahrscheinlich in den weniger prestigeträchtigen, öffentlichen Aufträgen als etwa bei Hansen. Dabei hätte Förster in Summe mehr gebaut als sein Schwiegersohn, sagt der Leiter. Die Chancen auf ein nachträgliches Ehrengrab hält Wolfgang Förster für sehr gering, weil der Architekt eben kaum bekannt sei. Er würde sich aber dafür aussprechen, schließlich hätte der Architekt "Bedeutendes für das Erscheinungsbild Wiens geleistet".

Kein Ehrengrab für Förster#

Bezüglich eines möglichen Ehrengrabes für Förster heißt es auch aus dem Büro des Kultur- und Wissenschaftsstadtrates Andreas Mailath-Pokorny: "Solange ein Grab da ist, kann es auch gewidmet werden. In diesem Fall wäre das aber nicht möglich, da die Gruft, in der Förster begraben wurde, neu vergeben wurde und es daher ein aufrechtes Benützungsrecht gibt." Für eine Gedenktafel an einer seiner Wirkungsstätten müsste sich ein Stifter finden, um den Rest würde sich dann die Stadt kümmern, hieß es.

Ludwig Förster kam 1818 an die Akademie der bildenden Künste in Wien. Dort wurde er von Peter Nobile - der etwa das äußere Burgtor am Heldenplatz oder den Theseustempel im Volksgarten gebaut hatte - entdeckt und gefördert. So wie Förster später Theophil Hansen und Otto Wagner entdeckte und förderte. "Förster hat Hansen in sein Büro geholt und ihm den Eintritt in die Wiener Gesellschaft ermöglicht", sagt Wolfgang Förster. Und Otto Wagner hatte seine erste Anstellung bei Förster im Atelier.

Der Kulturtechniker Thomas Gruntzel befasst sich schon seit längerem mit Ludwig Förster: "Obwohl der Stellenwert Försters mit jenem von Hansen vergleichbar sein sollte, sieht die Realität anders aus", sagt der Experte. Während man auf den 150. Todestag von Förster keinen Wert lege, werde der ebenfalls im heurigen Jahr stattfindende 200. Geburtstag von Theophil Hansen groß inszeniert.

Dabei sei Förster der "Gründer der Gründerzeit." Er gründete etwa die "Allgemeine Bauzeitung", die "für die damalige Baukunst extrem wichtig war." Denn: Es gab noch keine Universitäten, die dieses Wissen festgehalten hätten. Zudem wurde in der Bauzeitung internationales Wissen zusammengetragen und diskutiert.

Zumindest eine Gasse im 2. Bezirk ist nach ihm benannt. Im Gegensatz zu Otto Wagner (Otto-Wagner-Platz im 9. Bezirk) und Theophil Hansen (Theophil-Hansen-Gasse im 23. Bezirk) weist bei der Förstergasse kein Vorname - wie auch bei der Hansenstraße im 1. Bezirk - auf den Architekten hin.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 19. Juni 2013


Der Ingenieur- und Architektenverein könnte keine Gedenktafel stiften und die Gemeinde Wien ist zu arm dazu ? durch Förster wird auch heute noch das Stadtbild wesentlich geprägt..

-- Glaubauf Karl, Dienstag, 25. Juni 2013, 18:24