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Die Tientsiner Hülfsaktion#

Von

Jörg Krasser

Transitpost zwischen Asien und Europa im Ersten Weltkrieg#

Die Zahl der in russische Gefangenschaft geratenen Österreich-Ungarischen Soldaten stieg bereits im ersten Kriegswinter dramatisch an. Der Verlust der Festung Przemysl in Galizien war eine der ersten großen militärischen Katastrophen des Weltkrieges. Am 22.3.1915 mussten die Verteidiger unter FM. Kusmanek kapitulieren. In 194 Tagen Belagerung waren 20.000 Österreicher und 95.000 Russen waren gefallen, 9 Generäle, 2300 Offiziere und 110.000 Mann gingen in russische Gefangenschaft. Zum Erhalt der Nachrichtenlinien war die erste Luftpostlinie der Welt eingerichtet worden, die Fliegerpost Przemysl.

Flug Feldpostkarte vom 9. 1. 1915
Flug Feldpostkarte vom 9. 1. 1915

Flug Feldpostkarte vom 9. 1. 1915 mit Stempel Fliegerpost Przemysl / JÄNNER 1915 nach WIEN, Kontrollstempel IX/54.

Text: ...Mir ist sehr, sehr, bange und bin überzeugt, Dir auch...

Dieser riesigen Menge an Kriegsgefangenen sollten noch Unmengen folgen, gegen Ende des Jahres 1917 war die Zahl der k.u.k. Österreicher in russischer Gefangenschaft auf 2,2 Millionen angewachsen. Das überstieg in Russland alle möglicherweise vorhandenen Planungen. Die Kapazität der Lager im europäischen Russland und in Turkestan war bald erschöpft, auch waren sie zu nahe an der Front, daher wurden in den traditionellen Verbannungsorten des zaristischen Systems in Sibirien und entlang der Transsibirischen Bahn in Transbaikalien und Priamur Lager errichtet, in die etwa 500.000 Gefangene gebracht wurden. Oftmals mussten die Gefangenen ihre Unterkünfte erst selbst errichten, was sie aus Selbsterhaltungstrieb taten, oft unter primitivsten Bedingungen.

Die Versorgungslage und die Ernährung waren oftmals nicht schlechter als die für russische Soldaten, damit kamen Westeuropäer jedoch nur schlecht zurecht. Einfache Soldaten konnten für geringen Lohn in allen Bereichen der russischen Kriegswirtschaft oder bei Bauern Arbeit annehmen. Kost und Unterkunft außerhalb der Lager war zu bezahlen, es herrschte daher ständig Geldnot. Offizieren war in der Zarenzeit Arbeit verboten, sie mussten mit der von den Russen ausbezahlten Monatsgage ihren Lebensunterhalt bestreiten und waren daher besonders, auf Hilfszahlungen aus der Heimat angewiesen. Der daraus entstehende internationale Geldtransfer über neutrale Länder wurde durch das Schwedische und Dänische Rote Kreuz, das k.u.k. Kriegshilfsbüro und eine Reihe von zivilen Hilfsvereinen bewerkstelligt. Eine der größten Organisationen entstand in Tientsin in China, das bis zu dem von den Alliierten erzwungenen Kriegseintritt am 14. August 1917 neutral blieb.

Erste Nachricht aus riesiger Entfernung#

Erste Nachricht aus Sibirien
Erste Nachricht aus Sibirien

Erste Nachricht aus Sibirien
Erste Nachricht aus Sibirien


Friedrich Puchleitner Kriegsgefangener

Chabarowsk, Primorskaja Oblast,

Druzina 274, Sibirien

Chabarowsk-16.5.15, Lagerzensur, DZ,

Zensur Gesellschaft vom Roten Kreuz


Chabarowsk 21.5.1915

Liebe Schwägerin

Das hätte ich vor dem Einrücken nicht geglaubt das ich gefangen werden kann

Ich hab mir nur vorgestellt todt oder verwundet u. dann ist es so weit nach Sibirien - wenn wir einmal von hier Weg nach Hause fahren, hoffentlich mit Schiff, dann brauchen wir sagt uns ein deutscher Matrose welcher schon öfter in Wladiwostok war, von Wladiwostok bis Triest 42 Tage u. von Chabarovsk bis Wladivostok mit Bahn 2 Tage - denke dir diese Fahrt wo ich bin, — mit Bahn sind wir über ein Monat gefahren.

Es grüßt Dich herzlich wie auch Mutter u. Geschwister u. Bekannte

Friedrich

Hilfe über China für Kriegsgefangene in Sibirien 1915 - 1917 Tientsiner Hülfsaktion#

Die riesigen Entfernungen machten eine Versorgung der in Ostasien gefangen gehaltenen Deutschen und k.u.k. Österreicher und Ungarn, von Europa aus sehr schwierig. Da China vorerst nicht in den Krieg eintrat war es naheliegend, Hilfe aus dem neutralen Nachbarland China, nach Sibirien zu organisieren. Ab Herbst 1914 begannen private Organisationen Hilfsprogramme für ihre Kriegsgefangenen in Russland aufzubauen. Von Tientsin aus begann die „Hülfsaktion für deutsche und Österreichisch Ungarische Kriegsgefangene in Sibirien" deren Vorsitzende die Auslandsdeutsche Elsa von Hanneken war, ihre humanitäre Tätigkeit. Sie wurde zur bedeutendsten Organisation in Ostasien und ermöglichte durch ihr Wirken über vier Kriegsjahre, Tausenden das Überleben in Gefangenschaft.

Hauptinternierungsorte für Gefangene
Hauptinternierungsorte für Gefangene

Karte mit den Orten der 30 großen Lager in Sibirien sowie der Entfernung von Tientsin. Elsa Hanneken, geborene Detring, war die Gattin des Deutschen Industriellen Constantin v. Hanneken der 1878 als preußischer Militärinstrukteur nach China gekommen war. Er hatte als Vertrauter des Gouverneurs wichtige Festungs- und Hafenbauten veranlasst und war im Chinesisch-Japanischen Krieg 1894-95 Oberkommandierender der Truppen des Nordens. Als Überlebender nach Versenkung eines Transportschiffes und schwerer Verwundung wurde er hoch dekoriert. Im reifen Alter studierte er Bergwesen und betrieb in Nordchina eine Kohlenmine und ein Stahlwerk. In diesem Großbetrieb gab er aus Russland geflohenen Gefangenen Arbeit. Von Kriegsbeginn an war er Herausgeber einer deutschen Zeitung in Tientsin. Die Hülfsaktion Tientsin brachte in Sammelaktionen unter Auslandsdeutschen und Österreichern in Ostasien, Südamerika und den USA Millionenbeträge auf, die zur Herstellung von Winterbekleidung, aber auch zum Kauf der Einrichtung ganzer Lagerspitäler verwendet wurden. Diese Güter wurden über die russische Post in Tientsin direkt in die Lager geschickt. Schon 1915 wurde der Hülfsaktion der Status einer Rot Kreuz Organisation zuerkannt, wodurch ihr auch die Aufgabe der Verteilung von Mitteln aus der staatlichen k.u.k Kriegsgefangenen Fürsorge zukam. Ein wichtiger Bereich war die finanzielle Unterstützung der Gefangenen durch zinsenlose Darlehen. Da die Geldmittel beschränkt waren, wurde den Gefangenen empfohlen, ihre Angehörigen zu ersuchen, bei der Deutsch Asiatischen Bank in Berlin, Geld zur Weiterleitung an die Hülfsaktion in China einzuzahlen. Von Tientsin wurde das Geld per Wertbrief über die Russische Post in China an die Empfänger in Sibirien geschickt. Nach jeder Geldsendung die anfangs auf 20 Rubel im Monat beschränkt war, wurde eine Nachfragekarte mit Antwortteil an den Gefangenen gesendet. Die Bestätigung ging zurück nach Tientsin. Die Hülfsaktion schickte Zahlungsbelege und auch Post aus den Lagern, mit der Deutschen Post in China um die halbe Welt zurück an die Angehörigen in Deutschland und Österreich - Ungarn.

Am 23.9.15 bewilligte das k..u..k. Außenministerium dem Gesandten Rosthorn 2,2 Mio. Kronen um damit gemeinsam mit Hanneken, Hilfe für die ca. 90.000 österreichischen Gefangenen im Raum östlich von Irkutsk zu leisten. Am 31.12. 1915 wird die Zahl der im Jahr erledigten Postsendungen mit 145.450 beziffert.

Vordruck für Ansuchen um Gewährung von Darlehen der Hülfsaktion#

Text:

Wir erhielten Ihr Darlehensgesuch vom 15.2.16, am 9.4.16, Wir bedauern augenblicklich nur ärztlich befürwortete Darlehens- Gesuche bewilligen zu können, da an unsere Geldmittel allzu grosse Ansprüche gestellt werden. Wir raten Ihnen, Ihren Verwandten zu schreiben, für Sie bestimmte Gelder bei der Deutsch-Asiatischen Bank, Unter den Linden, Berlin W.S, auf Konto Hülfsaktion einzuzahlen mit der Bemerkung „zur Weiterleitung" an Sie, unter Angabe Ihrer genauen Adresse. Wir selbst haben von Ihrem Wunsch Ihre Verwandten sofort verständigt. Nach dem Eintreffen werden wir Ihnen Den entsprechenden Betrag in Rubeln per Wertbrief einsenden

Hochachtungsvoll

Ansuchen um Gewährung von Darlehen
Ansuchen um Gewährung von Darlehen
Antwortkarte Nr: 0.26.133 auf das Darlehensgesuch
Antwortkarte Nr: 0.26.133 auf das Darlehensgesuch

Antwortkarte Nr: 0.26.133 auf das Darlehensgesuch eines Österreichers mit Unterschriftsstempel Elsa v. Hanneken, auf Wojennoplenny Postkarte, frankiert mit 3 Kop. Überdruck „KITAI", TIENTSIN Russische Post-22.4.16 nach CHABAROWSK / Priamur

Überprüfung der Darlehensansuchen#

Die „Hülfsaktion für deutsche und Österreichisch-Ungarische Gefangene in Sibirien" versorgte Lagerinsassen vor allem mit Geld, das als zinsenloses Darlehen gegeben wurde. Die Mittel der Hülfsaktion kamen den Ansprüchen jedoch kaum nach. Um Missbrauch oder feindliche Sabotage auszuschalten, wurde versucht; die ansuchenden Personen möglichst genau zu überprüfen. Mit dieser Karte wurde am 7. Oktober 1916 Anfrage Nr: D. 16.320 somit eines Deutschen Gefangenen beantwortet.

Überprüfung der Darlehensansuchen
Überprüfung der Darlehensansuchen

Absender Namenstempel der „Hülfsaktion - für Deutsche und Osterr. - Ungar. Gefangene in Sibirien - Elsa v. Hanneken- Vorsitzende" auf russischer. 3 Kop. Eindruckkarte, Überdruckt „KITAI". über die Russische Post TIENTSIN 27.9.16 (Kalender alten Stils) = 7.10.1916 an einen Gefangenen im Lager BERESOWKA / Transbaikalien, russ. Zensur D.Z

Bestätigung der Überweisung - Wien - Berlin - Tientsin#

Erklärung dass die zur Weiterleitung überwiesenen Beträge durchschnittlich nach Verlauf von 3 bis 4 Monaten in die Hände der Gefangenen gelangen. Es kommt aber häufig vor dass.... der Betrag erst nach 5 oder 6 Monaten oder noch später sein Ziel erreicht.

Postkarte aus BERLIN-15.3.1917 nach WIEN
Postkarte aus BERLIN-15.3.1917 nach WIEN

Postkarte aus BERLIN-15.3.1917 nach WIEN, mit Nachricht der Deutsch-Asiatischen Bank dass der einbezahlte Betrag von Mk.20.- für den Gefangenen F.Teichmann an die „Hilfsaktion für Deutsche und Österr.-Ungar. Gefangene in Sibirien" TIENTSIN, weitergeieitet wird.

Rückfrage Tientsin - Troizkosawsk Sibirein#

Da die Mittel der Hülfsaktion beschränkt waren, mussten Unterstützungsbeiträge von Angehörigen in Kronenwährung bei der Deutsch Asiatischen Bank-Berlin, auf das Konto der Hülfsaktion in China „zur Weiterleitung" an den Gefangenen eingezahlt werden. Nach jeder Geldsendung per Wertbrief folgte eine Nachfragekarte mit Antwortteil die vom Gefangenen als Bestätigung zurück nach Tientsin zu senden war.

Anschrift-Teil einer Doppelkarte mit Antwort
Anschrift-Teil einer Doppelkarte mit Antwort

Anschrift-Teil einer Doppelkarte mit Antwort, als Rückfrage über Ankunft von 20 Rbl. der Tientsiner Hilfsaktion, über Russische Post TIENTSIN-8.3.1917 an einen Gefangenen in TROIZKOSAWSK / Sibirien, mit Ersuchen um Rücksendung des Antwortteiis, Frankiert mit 3 Kop. Überdruck „KITAI", Langstempel der Zensur des Lagers „Troizkosawsk-Garnison".

Bestätigung des Geldempfangs Perm - Tientsin#

Jeder Geldsendung per Wertbrief von Tientsin nach Sibirien, folgte eine Nachfragekarte mit Antwortteil, die vom Gefangenen als Bestätigung zurück nach Tientsin zu senden war. Diese bestätigte Karte wurde bis August 1917 als Beleg für die korrekte Arbeit der Hülfsaktion über die Deutsche Post Tientsin, an die Angehörigen nach Deutschland und Österreich-Ungarn versendet.

Nachfragekarte und Bestätigung des Geldempfangs
Nachfragekarte und Bestätigung des Geldempfangs

Antwort-Teil einer Rückfrage Doppelkarte, von einem Gefangenen im Lager Rastinskoje im Gouv. PERM an der europäischen Seite des Ural, datiert 5.8.1917 über den Empfang von 5 Rubel, rückgesendet an die Tientsiner Hilfsaktion, frankiert mit russischer 3 Kop.Marke, Poststempel Rastinskoje 29.7.17 (alter Stil), Zensur des Lagers, Ank. TIENTSIN 8.10.17

Nachrichtenvermittlung Chabarowsk - Tientsin - Ungarn#

Nachdem der Geldverkehr über die „Hülfsaktion für deutsche und Österreichisch-Ungarische Gefangene in Sibirien" in TIENTSIN klaglos funktionierte, und recommandierte Briefe mit Zahlungsbestätigungen regelmäßig zwischen China und Europa befördert wurden, nutzte man diese Gelegenheit auch zur Beförderung von Nachrichten in die Heimat. Postkarten mit Heimatadresse, wurden an den Hülfsverein in TIENTSIN gesendet, von diesem im Recobrief über das ROTE KREUZ KOPENHAGEN an die Angehörigen in ÖSTERREICH-UNGARN

Nachrichten in die Heimat
Nachrichten in die Heimat

Russische Wojennoplenny-Karte von einem Offizier aus dem Lager KRASNAJA RJETSCHKA bei CHABAROWSK vom 11.7.1917 an die „Hülfsaktion für Deutsche und Österr.-Ungar. Gefangene in Sibirien" Tientsin" CHINA / KITAI zur Weiterleitung an seine Heimatadresse nach NAGYSEBEN in Ungarn. Zensur VLADIVOSTOK, Eingang Russische Post Tientsin-10.7.17 (Julianisch) ovaler Eingangsstempel der „HÜLFSAKTION TIENTSIN, kein Merkmal von Kopenhagen, aber Zensur GZNB Wien. Der nächste Beleg aus Tschita trägt die runde Lagerzensur, einen Eingang der Tientsin Poste Russe 15.11.16 und einen Eingang der Hülfsaktion Tientsin. Er ist gleichzeitig mit der Wiener Heimat Adresse versehen.

Bild '10Beätigung-Unterwäsche'

Die Hülfsaktion lieferte fast alles und ließ sich jede Sendung penibel bestätigen, auch Unterwäsche die am 12.7,1916 ins Lager Nikolsk Ussurisk bei Vladivostok gesendet wurde.

Bild '10Beätigung-Unterwäsche1'

Deutsche Post China - Tientsin - Krieglach - 1915#

Darlehensansuchen sowie die von den Gefangenen nach Tientsin zurückgesendeten Empfangsbestätigungen über die erhaltenen Geldbeträge wurden von der Hilfsaktion Tientsin gesammelt, in Umschläge verpackt und als Beleg für die ordnungsgemäße Durchführung als rekommandierter Brief auf der Postroute über Amerika, direkt an die Heimatadresse nach Österreich-Ungarn gesendet Nach der Kriegserklärung Chinas an Österreich-Ungarn am 14.8.1917 mussten sie auf dem Umweg über das Rote Kreuz der Schutzmacht Dänemark befördert werden.

Reco-Kuvert
Reco-Kuvert

Reco-Kuvert „Service des prisonniers de guerre" Absender „Hülfsaktion für Deutsche und Österr.- Ungar. Gefangene in Sibirien, über die Deutsche Post TIENTSIN 25.6.15, frankiert 2x10 Cent deutsche Ausgabe für China, Recozettel Tientsin Deutsche Post, nach Österreich, Ankunft KRIEGLACH 14.IX.15, keine Zensurmerkmale erkennbar.

Tientsiner Hülfsaktion - Wertbrief nach Sibirien#

Von Tientsin wurden die monatlich erlaubten 20 Rubel, in kleinen Teilbeträgen in diesem Fall 6 Rubel, per gesiegelten Wertbrief über die Russische Post nach Sibirien geschickt.

Gesiegelter Wertbrief
Gesiegelter Wertbrief
Gesiegelter Wertbrief
Gesiegelter Wertbrief
Wertbrief Kuvert 15x12,5 cm der „Hülfsaktion für Deutsche und Österr.- Ungar. Gefangene in Sibirien-Tientsin Nord-China, über die Russische Post TIENTSIN, Wertbriefgebühr 4x7Kop. Überdruck „KITAI" 7.10.16, japanisches-PO HARBIN-I.J.P.O 21.10.16, Ank. NIKOLSK USSU-RISK -17.10.16 =30.10.16, retour, EDROWO NOWG -20.11.16 = 2.12.1916

Ende der Deutschen Post in China - Tientsin 1917#

Nach Erklärung des verschärften U-Boot Krieges durch Deutschland brach China am 6.4.1917 die Diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. Die Folge war die Schließung der aller Deutschen Postämter in China. Bis zur Kriegserklärung wurde Post nach Österreich-Ungarn über das chinesische Amt Tientsin geleitet. Am 14.8.1917 wurde der direkte Briefverkehr mit dem nunmehrigen Feindstaat unterbrochen. Auch die Tätigkeit des Hülfsvereins zur Versorgung der Kriegsgefangenen in Sibirien über die Russische Post Tientsin wurde behindert und musste am 31.5.1918 völlig eingestellt werden.

Ende der Deutschen Post
Ende der Deutschen Post

Mit diesem Kuvert wurde eine Karte aus Ostsibirien über die Hüifsaktion nach Temesvar in Ungarn befördert. Es weist alle Merkmale der Krise auf in der die Hüfsaktion und die Deutsche Post in China steckte. Schlechtes Papier, bar bezahlt statt Briefmarken, Reco Stempel statt Aufkleber. Der Brief wurde „Via Amerika" über New York geleitet, erhielt am 8.8.17 in London einen Registered Stempel, wurde aber von der englischen Zensur geöffnet. Am 3.12.17 traf er in Temesvar ein, vier Tage bevor die USA in den Krieg eintraten.

Mitteilung Tientsin - Abtenau / Salzburg 1918#

Inhalt eines Briefes aus Tientsin vom 8.2.1918 mit der Begründung weshalb der an die Hülfsaktion überwiesene Betrag von 8 Rubel nicht zugestellt werden konnte.

Mitteilung aus Tientsin 1918
Mitteilung aus Tientsin 1918

Dem Schreiben war der zusammengefaltete Wertbrief beigelegt, der am 30.10.1917 von TIENTSIN nach DAURIA geschickt worden war und mit Einschluss des lächerlich kleinen Betrags von 8 Rubel wegen Abreise des Empfängers als Invalide zurückgesendet wurde.

Beilage im Brief Tientsin - Kopenhagen - Abtenau vom 8. 2. 1918#

Mit der Beilage des Original Kuverts sollte wohl die korrekte Arbeitsweise des Hülfsvereins, selbst bei kleinen Beträgen dokumentiert werden. Der Aufwand für diese Arbeitsweise kostete ein Vielfaches der überwiesenen 8 Rubel.

Beilage des Original Kuverts
Beilage des Original Kuverts

Wertbriefhülle der „Hülfsaktion" über Russische Post TIENTSIN vom 30.10.17 nach DAURIA als Beilage im Brief vom 8.2.1918 nach ABTENAU/SALZBURG, zur Rücksendung von 8 Rubel. Begründung: "Empfänger als Invalide in die Heimat gereist" Die 5 Siegel wurden zur leichteren Verpackung des Kuverts entfernt, das Kuvert zweimal gefaltet.

Wertbriefhülle
Wertbriefhülle

USA im Krieg mit Österreich - Ungarn#

Nach Kriegserklärung Chinas an Österreich-Ungarn am 14.8.1917 und schließlich auch der USA am 7.12.1917 wurde der direkte Briefverkehr mit den nunmehrigen Feindstaaten unterbrochen. Post konnte nur mehr über die Schutzmacht Dänemark befördert werden. Der Vordruck auf diesem Kuvert der Hülfsaktion Tientsin berücksichtigt bereits diese Situation und wünscht als Leitweg „via Siberia" und das Rote Kreuz in Kopenhagen nach Österreich-Ungarn. Er wurde über die USA geleitet, in New York und bei der Ankunft in Wien geöffnet.

Unterbrechung des direkte Briefverkehrs mit den nunmehrigen Feindstaaten
Unterbrechung des direkte Briefverkehrs mit den nunmehrigen Feindstaaten

Das Ende der Hülfsaktion#

Am 17.5.1918 teilte der Niederländische Gesandte in Peking, der seit der Kriegserklärung Chinas die Interessen Österreich-Ungarns wahrnahm, dem Kriegsministerium in Wien die Einstellung mit. Auch die Familie Hanneken mit ihren vier Kindern wurde wie alle anderen Angehörigen der Mittelmächte interniert und der gesamte Besitz einschließlich der Industrieanlagen beschlagnahmt, 1919 wurde die Familie des Landes verwiesen. Constantin v. Hanneken, kehrte zwar 1920 nach China zurück, erreichte auch die teilweise Rückgabe seiner Güter und holte im Mai 1923 seine Familie wieder nach Tientsin nach, wo er aber schon 1925 im Alter von 71 Jahren verstarb.

Mehr dazu: K.u.K. in Ostasien1900-1922Jörg KrasserEigenverlagGraz2015jetzt im Buch blättern

Siehe auch: Kämpfe in ChinaEine Darstellung der Wirren und der Betheiligung von Österreich-Ungarns Seemacht an ihrer Niederwerfung in den Jahren 1900-1901Theodor Ritter von WinterhalderA. Hartleben's VerlagWien und Budapest1902jetzt im Buch blättern