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Informatik TU Graz 2007 - Institutionen, Bildung, Kultur - Essays

Die Entwicklung der Informatik an der TU Graz von 1977 bis 2007#


Graz, Herbst 2007, Erstellt anlässlich der Jubiläumsfeier "30 Jahre Informatik Institute an der TU Graz" H. Maurer, Dekan


Im Jahre 1976 beschloss die Gruppe um den Mathematiker Professor Dr. Florian, die in Graz schon bestehenden Informatikaktivitäten, die in einem getrennten Bericht von Professor Reinhard Posch beleuchtet werden, durch Gründung eines eigenen Instituts mit einem, wie es damals hieß, "o. Professor" zu institutionalisieren.

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Maurer nach Antrittsvorlesung 1978 mit dem damaligen Dekan Professor Paltauf
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Posch mit seinem vormaligen Chef Professor Florian

Ich bewarb mich auf diese Professorenstelle, obwohl ich seit 1971 auf einer äquivalenten Stelle (damals hieß das "C4") an der Universität Karlsruhe tätig gewesen war, und dort (als zweiter Informatikprofessor) beim Aufbau der Informatik in Karlsruhe wesentlich mitwirken konnte (was später durch ein Ehrendoktorat belohnt wurde) und mich im Kreise meiner Kollegen sehr wohl fühlte. Die Bewerbung erfolgte zunächst aus persönlichen Gründen. Man fühlt sich eben doch vor allem auf Grund von Verwandten und Freunden in seiner Heimat am wohlsten. Dass ich allerdings dann gerade den Ruf nach Graz annahm, obwohl mir die Stadt bis dahin unbekannt war, hatte aber mehrere sehr entscheidende Gründe.

Erstens bot das Universitätsgesetz damals in gewissen Punkten nur sehr beschränkte Möglichkeiten. Ich darf das an zwei Beispielen erklären.

Es war auch nur ein Flug pro Jahr nach Nordamerika, wo ich ja vor Karlruhe schon fast 7 Jahre tätig war, und wo damals das Zentrum des Informatikwissens zu finden war, aus universitären Mitteln nicht finanzierbar, da prinzipiell nur Bahnfahrten erlaubt waren, oder mit dem Auto, wenn man Geräte transportieren musste. Bahnfahrten in die USA sind aber wohl erst dann möglich, wenn die Transsibirische Eisenbahn auf 500 km/h hochfährt, der Tunnel unter der Beringstraße fertig gestellt ist, und auch die Nord-Südverbindung in Nordamerika entsprechend schnell geführt wird. Planungen in dieser Richtung sind heute leider genau so wenig vorgesehen wie damals ...

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Dir. Raimann, Chefredakteur Harbich, Maurer

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Reinhard Posch und Günter Haring

Ähnlich hoffnungslos war die Einstellung von Programmierern. Dazu brauchte man gut ausgebildete Personen, aber meist ohne akademischen Grad, und die waren dann an der Universität einfach nicht zu halten, da die freie Wirtschaft ein Vielfaches der Gehälter zahlte. Die damals berühmte EDV Zulage war ein guter Versuch, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auf Grund dieser Restriktionen war der Aufbau der Informatik in Österreich insgesamt langsam, und konnten anfangs nur wenige Spitzenleute gewonnen werden.

Die Situation in Graz war besser: Neben den Universitäten hatte sich das Forschungszentrum Graz etabliert unter der fähigen Leitung von Direktor Dr. Herbert Raimann. Es war dieser Mann, der mir unbürokratisch zusagte, bei wichtigen Anliegen ohne viel Federlesen auszuhelfen, wenn ich umgekehrt ab und zu dem Forschungszentrum Graz zur Verfügung stehen würde. So kam es vom Anfang an zu einer informellen Zusammenarbeit zwischen meiner Gruppe und dem Forschungszentrum Graz, das nun schon lange erfolgreich unter JOANNEUM RESEARCH firmiert. Diese Zusammenarbeit ist, glaube ich, für beide Seiten bis heute erfolgreich geblieben, auch wenn ich meine Rolle Ende 2006 an einen jüngern Kollegen (Professor Tochtermann) abgegeben habe.

Der zweite wesentliche Grund für meine Entscheidung war, dass zwei sehr gute Mitarbeiter des Florian Institutes bereit waren, an mein neues Institut zu wechseln, nämlich der damalige Univ. Dozent. Dr. G. Haring und Dr. Reinhard Posch. Der erste der beiden wurde unter meinem Vorsitz a.o. Professor und erhielt 1984 einen ehrenvollen Ruf als o. Professor an die Uni Wien, wo es ihm mit viel Engagement gelang, nicht nur Österreich als Präsident der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) so bekannt zu machen, dass der alle vier Jahre stattfindende Weltkongress der IFIP unter seiner Ägide in Wien (und Budapest) abgehalten wurde, sondern dass es ihm letztendlich sogar gelang (trotz der Konkurrenz der TU Wien) eine eigene Fakultät für Informatik an der Universität Wien einzurichten, die er zurzeit als Dekan leitet. Der zweite Erwähnte, Dr. Reinhard Posch, habilitierte sich bei mir 1982, wurde zwei Jahre später o. Professor in Graz und gründete zwei Jahre später, also 1986, das zweite Informatikinstitut an der TU Graz.

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Professor Haase
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Bucher/Maurer zur Frühzeit :-)

Aber ich greife vor. Ich muss noch berichten, dass Univ. Doz. Volkmar Haase, der an meinem Karlsruher Institut erfolgreich gewesen war, auch zustimmte, nach Graz zu kommen, so dass wir nur einen promovierten weiteren Mitarbeiter, den Mathematiker Dr. Walter Bucher, anstellen mussten, um die zunächst geplante Sollstärke von fünf Wissenschaftern zu erreichen.

Es wäre mehr als unfair nicht zu erwähnen, dass die damals für die TU Graz zuständige Ministerialrätin Dr. Barbara Borek alles daran setzte, uns zu erlauben, auch ohne große Reisen wesentliche wissenschaftliche internationale Kontakte zu pflegen, indem Sie ein ungewöhnliches Budget für die Einladung von Spitzenwissenschaftern auf 5-10 Tage nach Graz gegen alle internen Widerstände in Wien durchsetzte. Ihre damalige Mitarbeiterin und spätere Nachfolgerin MR Dr. Evelyn Nowotny hat bis zum heutigen Tag die Informatik an der TU Graz immer so weit unterstützt, wie es ihr möglich war. Dass Kollegen wie Professor Helmut Florian und besonders Professor Ulrich Dieter mir von Anfang an als persönliche Freunde entgegentraten, machte meinen Entschluss, nach Graz zu kommen, noch um einiges leichter.

Mit Andrea Kleinschuster als Sekretärin der ersten Stunde und zwei Mitarbeitern (Robert Frey und Josef Stögerer, der zweite wechselte nach seiner Promotion bei mir zur EDV Abteilung der der Landesregierung) starteten wir also mit einer kleinen aber feinen Gruppe ins erste volle Jahr. Wir unterrichteten schon in diesem Jahr 17 Vorlesungen und 300 Studenten, verfassten zusammen 57 wissenschaftliche Arbeiten und betreuten 23 Diplom- und Doktorarbeiten. Vieles davon war nur möglich, weil uns hochkarätige Wissenschaftler dann und später besuchten und mit uns gemeinsam arbeiteten. Die Flut von Besuchern wurde in späteren Jahren so groß, dass sie diesen Bericht sprengen würde, also sei das erste Jahr (seit dem wir auf die 20 fache Größe gewachsen sind) exemplarisch aufgezählt: Die Leser mögen die entsprechende Extrapolationen selbst ziehen!

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Das MSW Team: Maurer-Salomaa-Wood
Im ersten Jahr waren bei uns bereits neun Gastforscher, nämlich (in zeitlicher Reihenfolge) D. Wood (Canada), J. Bentley (USA), G. Rozenberg (Belgien), D. Wotschke (USA), K. Culik II (Canada), A. Salomaa (Finnland), M. Nivat (Frankreich), K. Ecker (Deutschland), und P.C. Poole (Australien).

Das zweite Jahr 1979 stellte sich als entscheidend für die weitere Entwicklung heraus, ohne dass uns das anfänglich so bewusst war.

Wir waren Gastgeber für die Tagung ICALP-79 ("International Conference on Automata, Languages and Programming"), eine eher theoretisch orientierte Tagung mit ca. 150 Teilnehmern, der ich lange als Sekretär diente. Wir bemühten uns sehr um eine optimale Organisation, nur um zu erreichen, das jeder Teilnehmer in Zukunft "Graz" mit "Informatik" und umgekehrt automatisch assoziieren würde. Das ist uns auch gelungen, aber nicht (nur) weil wir uns wirklich bemühten, sondern weil uns zwei Zufälle, ja ich würde sogar sagen "Missverständnisse" halfen.

Die 5 Abende der Woche waren natürlich exakt geplant: Am Sonntag ein Empfang mit Registrierung im Physikgebäude der Steyrergasse (im P1 fanden auch alle großen Vorträge während der Woche statt) mit anschließendem Treffen im Landhauskeller, als Höhepunkt ein Empfang am Montag Abend im Schloss Eggenberg mit Galadinner, am Dienstag ein großes Abendessen, am Mittwoch Nachmittag ein Ausflug mit dem Flascherlzug, gefolgt von einer Wanderung auf der Weinebene und einem Abend auf der Burg in Deuschlandsberg, usw. Die Organisation Eggenberg übernahm freundlicherweise Dr. Raimann, denn schon damals war es nur mit relativ guten Beziehungen zur Landesregierung möglich, einen Empfang mit Essen dort vom Land genehmigt und finanziert zu erhalten. Einerseits war es eine Kostenfrage, sowohl was Essen, Service oder die 3.000 Wachskerzen, die man anzünden musste, anbelangt (weil Eggenberg, um Zerstörung der Wandgemälde zu vermeiden, nie voll elektrifiziert wurde), andererseits befürchtete man bei feucht-fröhlichen Abenden eine Zerstörung der historischen Bilder und Einrichtungen, weshalb Empfänge dort inzwischen sehr rar geworden sind. Jedenfalls, Raimann sagt bei jeder Besprechung: "Empfang am Montag in Eggenberg voll unter Kontrolle".

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Seymour Ginsburg und Richard Karp bei der Feier im Schloß Eggenberg
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Bolgani und Maja Rozenberg im Schloß Eggenbergs

Die Tagung kam näher, das Programm war gedruckt (sogar mit dem Hinweis, dass an diesem Abend Sakko und Krawattenzwang sein würde), aber ich hatte noch immer keine offizielle Verständigung vom Büro des Landes. Als ich nervös wurde und nachfragte, kam die Antwort: "Ja, der Empfang am Dienstag ist eingeplant". Entsetzt korrigierte ich: "Montag meinen Sie doch, oder?" "Nein, am Montag geht das nicht, da ist Eggenberg für ein Konzert reserviert".

Verzweifelt und erbost stürmte ich in das Zimmer von Raimann, erklärte ihm die Situation und beschuldigte ihn, alles katastrophal durcheinander gebracht zu haben. Er schaute mich ruhig und fast vorwurfsvoll an, nahm das Telefon und rief das Zentralkartenbüro an. "Wieviele Karten sind für das Schlosskonzert schon verkauft?" Antwort: "Zwei". Antwort Raimann: "Ich nehme die restlichen 148".

So kamen alle Tagungsteilnehmer zu einem tollen Konzert, gefolgt von einem Galadinner. Und zwei Touristen (die Besitzer der anderen beiden Karten) erkundigten sich bei mir nachträglich erstaunt, ob es in Graz üblich sei, dass man nach einem Konzert mit einem tollen Essen verwöhnt würde.

Jedenfalls blieb damit Graz allen ICALP Teilnehmern jahrelang in Erinnerung, denn wie man ein gratis Konzert cum Galadinner mit einem bescheidenem Budget organisieren kann, blieb jahrelang unser Geheimnis.

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Brauer, Salomaa, Maurer beim Radiointerview
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Hofrat Sambor vom FZA

Das zweite Missverständnis sollte sich als noch wichtiger erweisen: Zusammen mit den Kollegen Brauer und Salomaa gab ich ein Radiointerview, wo aus offensichtlichen Gründen die Anwendbarkeit und Bedeutung der Tagung durchaus übertrieben dargestellt wurde. Dieses Radiointerview hörte der damalige Generalpostdirektor Dr. Heinz Übleis und beauftragte den Leiter des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FZA), Herrn Hofrat Sambor, sofort nach Graz zu fahren, um von dieser wichtigen Tagung zu profitieren. Sambor war freilich enttäuscht, als er den doch stark theoretischen Einschlag der Tagung erkannte. Nur experimentierten damals Professor Haase und ich bereits ein bisschen mit Bildschirmtext. Wir waren der Überzeugung, dass der englische Ansatz (PRESTEL), der auch in Deutschland und anderen Ländern verfolgt wurde, zu einfach war. Dort war die Grundidee diese: man hat ein Netzwerk von Computern (Servern) (wie heute im WWW) und greift auf Informationen, die dort liegen, per Telefon und Modem zu. Ein Decoder setzt diese Signale in Symbole um, die auf einem normalen Fernsehgerät angezeigt werden können. Die Schwächen dieses Ansatzes waren offensichtlich: man hatte nur die numerische Fernbedienung des TV Gerätes zur Eingabe, wodurch nur der Abruf von Informationen und das Absenden vorgefertigter Botschaften sowie einfache Bestellungen möglich waren. Unsere damals noch unfertigen Ideen, BTX in Österreich sehr viel intelligenter aufzubauen, gefielen Sambor, woraus sich eine langjährige, gute Zusammenarbeit ergeben sollte.

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Greiner und Mülner
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Habilitationsrede Reinhard Posch

Entscheidend dabei war nicht nur die Begeisterungsfähigkeit einiger Studenten, an so einem System mitzuarbeiten (allen voran Gerhard Greiner, heute Geschäftsführer von Bearingpoint Graz) und vor allem die zukunftsweisenden Ideen von Reinhard Posch: "Wenn wir schon so etwas entwickeln, dann muss der Decoder intelligent sein, d.h. er muss eine alphabetische Tastatur haben, muss programmierbar sein und die Programme müssen auch aus den Server ladbar und dann ohne (die damals teure) Telefonverbindung verwendbar sein": wir nannten die ladbaren Programme damals "Telesoftware", das heutige Äquivalent wären vielleicht Java-Applets oder .exe Files, nur waren wir schon damals klug genug, Vorkehrungen gegen Viren zu treffen! So war also der Gedanke für den "Mehrzweck Universell Programmierbaren Intelligenten Decoder" (MUPID) geboren, wobei MUPID auch noch andere Interpretationen zulässt, die wirklich "wahre" ist natürlich "Maurer und Posch Intelligenter Decoder", aber ein entsprechender Wettbewerb ergab dann auch Interpretationen wie "Maurer's Untertaking Puzzles IBM's Directors" oder die steirische Interpretation "Mei Unhamliches Programmierkastl Is Des".

Obwohl die Grundideen also schon im Sommer 1979 in unseren Köpfen waren, ging die Entwicklung nur langsam weiter: wir waren nur 5 Wissenschaftler mit einer hohen Lehrbelastung und mit der Betreuung von vielen Diplomarbeiten und Dissertationen sehr beschäftigt. Es war klar, dass wir so mit BTX nicht wirklich weit kommen würden, und die damalige Leitung der TU Graz erwies sich als konservativ und nicht einsichtig. Ich zitiere aus dem Jahresbericht über das Jahr 1980, datiert 31. März 1981 (Punkte kennzeichnen Auslassungen):

"Auch im dritten Jahr des Bestehen des Institutes ist es der kleinen Mannschaft (fünf vollbeschäftigte Wissenschaftler) gelungen, ein großes Spektrum von Aktivitäten durchzuführen. Leider gibt es auch Aspekte, die zu großer Sorge Anlaß geben. Bekanntlich werden in Österreich und weltweit weniger Informatiker ausgebildet als benötigt werden. Da das wirtschaftliche Überleben eines Landes vom erfolgreichen Einsatz von Technologien, insbesondere auch im Bereich Computeranwendungen, abhängt, erweist sich der Mangel an entsprechend ausgebildetem Personal als gravierendes Problem, auf das von Behörden, der Industrie und diesem Institut wiederholt hingewiesen wurde. Eine technische Universität, bei der die Informationsverarbeitung von einem fünf-Mann-Institut betrieben wird stellt heute eine international einmalige Absurdität dar. Es ist bedauerlich, dass sich einige der zuständigen Organe der technischen Universität Graz trotz des beschriebenen Sachverhalts und trotz intensiver Aufklärungsarbeit seitens des Institutes nicht zu entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen entschließen konnten".

Tatsächlich hätte sich die Situation auch nur sehr langsam verändert, wenn es nicht 1981 eine Reihe glücklicher äußerer Einflüsse gegeben hätte.

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Sektionschef Roszenich
Lechner
Mag. Peter Lechner

Es fing damit an, dass Sektionschef Dr. Norbert Rozsenich für die Forschung in Richtung modernes BTX ein Projekt "MUPID-Phase 1" genehmigte (und damit die finanziellen Mittel für mehrere Mitarbeiter), dass Sambor inzwischen seinen Chef Übleis von der Sache überzeugt hatte und dass der Marketing Leiter der Post, Mag. Peter Lechner, die Bedeutung möglicher Entwicklungen erkannte und im weiteren voll unterstützte, oft mutig ohne Deckung seiner Vorgesetzten. Dazu kamen zwei wichtige Ereignisse.

Ich erhielt ein Angebot als Department Head und Full Professor mit einer Stiftung von der Universität in Victoria, Kanada, das sowohl von den Aufgaben, der Ausstattung aber auch der wirklich zauberhaften Lage der Stadt an der Südspitze von Vancouver Island sehr reizvoll war.

Die damalige Bundesministerin Dr. Hertha Firnberg, der die Informatik insgesamt viel verdankt, machte mir aber ein sehr großzügiges Angebot: für mich persönlich eine Verringerung der Lehrbelastung, für mein Institut ein jährliches Zusatzbudget, das immerhin die Anstellung von vier weiteren Mitarbeitern ohne Befristung erlaubte. Die finanzielle Abwicklung erfolgte im Folgenden über einen neuen Grazer Zweigverein der Österreichischen Computergesellschaft, wobei ich vor allem dem damaligen Präsidenten Rozsenich für eine besonders unbürokratische Abwicklung dankbar bin. Zusätzlich wurde mir die Anmietung und der Umbau von bis zu 800 Quadratmeter Platz zugesagt, eine Notwendigkeit für das ja nun offenbar wachsende Team!

Schiessstattgasse 4a
Eingang zur neuen Unterkunft
Zich
Vorstandsdirektor Otto Zich

Ohne eine schriftliche Genehmigung der Anmietung abzuwarten (wir waren unter enormen Zeitdruck), veranlasste ich den Umbau eines Gebäudes in der Schießstattgasse 4a mit dem Ziel, dorthin mit vergrößerter Mannschaft Jänner 1982 zu übersiedeln. Am Tag vor der Übersiedlung wurde mir diese vom damaligen Rektor der TU Graz verboten, da noch immer die schriftliche Genehmigung der Anmietung ausstand. So sehr ich dieses Verbot aus der Sicht des Rektors nachvollziehen konnte, ich musste es ignorieren: wir übersiedelten also "ohne Erlaubnis" (worauf ich heute noch stolz bin). Dadurch waren wir dann einige Wochen von der Post, von Aufräumeteams, von Kreide und Papierlieferungen etc. abgeschnitten, bis dann mit zwei Monaten Verspätung die Genehmigung aus Wien kam und damit alles wieder im Lot war. Nur bei einer Rechnungshofprüfung Jahre später erhielt ich einen Verweis, dass ich gegen den ausdrücklichen Befehl des Rektors und ohne schriftliche ministerielle Deckung übersiedelte.

Zur Ausweitung des Teams, das letztendlich die Fertigung einer ersten Tranche von MUPIDs ermöglichte, war ein Treffen mit Vorstandsdirektor Dipl. Ing. Zich entscheidend: ohne uns vorher persönlich zu kennen, hatten wir ein Frühstückstreffen in Melbourne vereinbart, wo wir zufällig beide gleichzeitig wegen einer IFIP Tagung waren. Über das Frühstück schwärmte ich Zich von BTX und den Möglichkeiten des MUPID vor: er hörte fast 30 Minuten schweigend zu. Den Rest der Konversation versuche ich möglichst wortgenau hier zu präsentieren. Zich: "Was wollen sie eigentlich von mir genau, Professor Maurer". Maurer: "Zum Durchführen des MUPID Projektes würde ich noch 4-5 Mitarbeiter für mindest 3 Jahre benötigen". Zich nach nur fünf Sekunden Bedenkzeit: "OK, ich stelle Ihnen diese zur Verfügung. Mit einer Auflage: wenn es dabei zu Patenten kommt, gehören diese der VOEST".

Durch diese Kombination von Forschungsgeldern, Mitteln aus den Bleibeverhandlungen und dem Beitrag für die VOEST liest sich der Jahresbericht über das Jahr 1981 bereits ganz anders als jener von 1980. Waren wir 1980 erst 7 Mitarbeiter und auch die schon mit wenig Platz, konnte ich am 1. Feber 1982 von der Übersiedlung in die Schießstattgasse und statt 7 Mitarbeitern schon von 27 berichten, freilich nicht alle auf ganzen Stellen. Der Vollständigkeit halber seien sie hier nur alphabetisch aufgelistet: W. Balagin, H. Bogensberger, W. Bucher, A. Bungarten, H. Edelsbrunner, W.-D.Fellner, G. Greiner, V.Haase, R. Hammer, G. Haring, W. Jaburek, A. Kleinschuster, Ch. Kuttner, H. Maurer, I. Mischinger, H. Mülner, H. Pennekamp, R. Posch, K.-C. Posch, M. Reiter, M. Schaffer, W. Schinnerl, G. Schwingshakl, H. Seyffertitz, G. Soral, M. Welser, W. Yu.

Edelsbrunner-Dr
Edelsbrunner nach Promotion, später IST-A Gugging

Welzl
Emo Welzl, später ETH Zürich

Fellner
Dieter Fellner, später IGD Darmstadt

Ich konnte damals auch von der ersten erfolgreich abgeschlossenen Dissertation sprechen (W. Ainhirn 1981), auf die bald H. Edelsbrunner 1982, J. Hagauer und E. Welzl (beide 1983) folgten. Diese Dissertationen befassen sich (im Gegensatz zu vielen spätern) noch mit Themen aus der Theorie, und auswärtiger Betreuer und Gutachter war meist der uns oft besuchende Professor Dr. Dr. h. c. mult. A. Salomaa, den die TU Graz für seine vielen Verdienste auch etwas später das erste Ehrendoktorat im Bereich Informatik verlieh. Das zweite Ehrendoktorat der Informatik ging Jahre später an den 1982 promovierten Edelsbrunner, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits als der wohl am meisten zitierte österreichische Informatiker überhaupt (dann schon an der Duke University in den USA) profiliert hatte. Und der dritte an den erwähnten seinerzeitigen VOEST Vorstand und spateren Sony Europa Präsident Dipl. Ing. Otto Zich.

Durch den Aufbau einer substantiellen Gruppe machte nun die Verwirklichung des MUPID große Fortschritte. Abgesehen von den schon oben angesprochenen Eigenschaften wurde MUPID zum ersten farbfähigen Netzwerkcomputer mit Geometrie-Grafik. Soll heißen, alle anderen BTX Geräte konnten Grafik nur durch das Zusammensetzen von kleinen Mosaiksteinchen bewältigen (eine mühsame Arbeit, die das Erstellen von Kurven und glatten Linien, wenn sie von der Vertikalen abwichen, fast unmöglich macht), während MUPID auch in der Lage war, "objektorientiert" zu zeichnen, etwa einen Kreis nur durch Angabe von Mittelpunkt, Radius und Füllfarbe.

Durch Zich war inzwischen die Gründung einer MUPID G.m.b.H. gelungen (die vier Partner waren damals VOEST, Elin, Siemens und die steirische Elektronikfirma Motronik, die den MUPID fertigte). Es gab damals vollständige Geheimhaltung über die Fähigkeiten des MUPID jenseits der Aussage: "Wir entwickeln einen auch Geometriegrafik tauglichen BTX Decoder".

Vorstellung-MUPID-1-82
Der große Tag: MUPID wird im Arsenal von meinem Team vorgestellt
MUPID-1
MUPID 1982

Dadurch war der erste große öffentliche Auftritt in einem Saal im "Arsenal" der Post in Wien im Juni 1982 eine große Sensation. Plötzlich wurde vielen bewusst, dass hier nicht nur ein preiswerter BTX Computer angeboten wurde, sondern ein programmierbarer Heimcomputer, ja eine besonders preiswerte Lösung, auf vernetzte Daten zuzugreifen! (Nicht umsonst waren bis in die Mitte der 90ziger Jahre MUPIDS bei Notaren für Abfragen in der Grundstückdatenbank im Einsatz!). Aus der Tatsache, dass 1982 als externe Speicher nur unzuverlässige Kassettenrekorder in Frage kamen, machten wir eine Tugend: die Software war entweder in der Hardware verankert (und musste nie geladen werden), oder sie wurde bei Bedarf aus dem BTX System in den RAM Speicher geladen (und das noch mit Vorwarnung). Durch diese Vorwarnung (auf nicht zertifizierte Programme zu verzichten) war die Möglichkeit, einen Virus zu laden, schon sehr eingeschränkt. Aber durch Abschalten des Gerätes wurde ein Virus automatisch gelöscht. Also: Probleme, wie wir sie heute haben mit Viren oder Trojanern, die sich irgendwo auf der Festplatte festsetzen und erst zu einem bestimmten Zeitpunkt oder entsprechend getriggert aktiv werden, waren bei MUPID unbekannt.

1982 habilitierte sich auch R. Posch mit einem sensationellen Vortrag: er sprach über absturzsichere Systeme. Mitten im Vortrag fiel der Strom im gesamten Gebäude aus. Wir lachten alle über diesen unangenehmen Zufall. Aber als das Licht wieder anging, setzte das Programm von Posch dort fort, wo er vorher gewesen war: es wurde klar, dass er bewusst die Sicherungen ausschalten hatte lassen, um die Absturzsicherheit seiner Programme zu beweisen!

Die Arbeiten am MUPID rissen nicht ab, weil die europäischen Postverwaltungen einen neuen komplexeren CEPT-BTX-Standard festschrieben. So musste in kürzester Zeit ein noch mächtigerer MUPID II entwickelt werden. Das Team um Posch nahm die Herausforderung an. Im Spätsommer 1983 war MUPID das erste CEPT taugliche Gerät Europas.

Was nun aber folgte war ein für uns unerwarteter Wirtschaftskrieg Deutschlands gegen Österreich: Das FTZ in Darmstadt, die deutsche Zulassungsbehörde der Post, verzögerte die Zulassung von MUPID in Deutschland immer wieder, um ein deutsche Produkt vor MUPID ins Rennen schicken zu können: es war dies ein viel primitiverer Decoder der Firma Loewe Opta, die aber im damaligen Randzonenbereich zur DDR besonders gefördert wurde. Die Abnahme von MUPID wurde also solange hingezogen, dass Loewe einen Vorsprung von mehreren Monaten hatte. Bei der Abnahme wurden tausende Testseiten am Loewe Gerät und am MUPID verglichen. Plötzlich waren die Bilder nicht ident! Jubel beim FTZ, man konnte MUPID wieder aufhalten! Aber niemand hatte mit der stoischen Ruhe von R. Posch und seinem Team gerechnet: eine halbe Stunde später stand fest, dass nicht MUPID der Ausschreibung widersprach, sondern der Loewe Decoder. Die Konsequenz war sicher rechtlich zweifelhaft: anstelle MUPID zuzulassen und Loewe zurückzuziehen, wurden wir gezwungen, den Fehler, den Loewe machte, nachzubauen!

Die dadurch nochmals eintretende Verzögerung, aber vor allem die Tatsache, dass sich die Postverwaltungen in den großen europäischen Ländern (England, Frankreich, Italien,...) trotz ihrer Unterschrift nicht an den CEPT-BTX-Standard hielten, sondern fallweise CEPT nicht entsprechende Entwicklungen unterstützten (wie das Minitel in Frankreich mit gigantischen Summen machte), verringerten die Chancen, aus MUPID eine großen Erfolg zu machen.

Was aber MUPID und die BTX Aktivitäten in Graz bewirkten war zweierlei:

Erstens, dass die großen IT und Elektronikfirmen Österreichs im Ministerium für ein Sonderprogramm für ein informatiknahes Studium in Graz massiv intervenierten, und so und nur so dann ein Sonderprogramm für sechs Professoren mit der üblichen Ausstattung der TU Graz fast aufgezwungen wurde, was schließlich zum Studium Telematik führen sollte.

Zweitens, die Mitarbeiter der MUPID G.m.b.H. gründeten insgesamt 17 Spin-offs, darunter so erfolgreiche wie BIT, Infonova (heute Bearingpoint), BIT MEDIA , usw.

Die BTX- MUPID Entwicklung war nicht nur der Anstoß für den Aufbau einer substantiellen Informatikgruppe an der TU Graz, sondern schuf mindestens 1000 Arbeitsplätze in Graz in der IT. Dies ist auch der Grund, warum ich die Entwicklung bis zum Jahre 1984, in dem auch Dr. R. Posch zum zweiten o. Professor für Informatik an der TU Graz ernannt wurde, und er bald sein inzwischen allseits bekanntes Institut IAIK gründete, so umfassend dargestellt habe. Ab 1984 ging es rapide aufwärts, da die Grundlagen für den Ausbau der Informatik gelegt waren.

Ich beschränke mich nun auf die Eckdaten, und darf für eine genauere Beschreibung auf den Informatikserver www.informatik.tugraz.at verweisen, sowie auf die Server der einzelnen Institute. Eine Darstellung der gesamten 30 Jahre, der Jahre davor, und den gegenwärtigen Stand findet sich in PPTs auch im Austria-Forum.

1984 hatten wir auch einen Rückschlag zu verzeichnen: a. o. Professor Dr. G. Haring nahm den Ruf auf eine o. Professur in Wien an, wo er seitdem, wie schon früher berichtet, erfolgreich tätig ist.

Das Telematikstudium - eine einmalige Kombination zwischen Informatik und Telekommunikation/Elektronik, das gemeinsam mit der damaligen Fakultät für Elektrotechnik aufgebaut wurde, begann 1985. Ich bin stolz darauf, Vorsitzender der Studienkommission gewesen zu sein, in der es stets möglich war, die beiden involvierten Fakultäten zufrieden stellend einzubinden.

1985 wird auch die Kooperation zwischen meinem TU Institut und JOANNEUM RESEARCH formalisiert, indem eine weiteres außeruniversitäres Institut unter meiner Leitung gegründet wurde (eine Leitung, die ich mit Ende 2006 an Professor Tochtermann abgab). Diese Kooperation TU Graz und JOANNEUM RESEARCH hat sich ja nicht nur im Bereich Informatik bewährt, was sicher den rührigen Geschäftsführern Professor Dr. B. Pelzl und Mag. E. Müller zu verdanken ist!

Von 1985 bis 1990 promovieren 12 Studierende, und wir werden immer mehr zum "Brainexporteur": Ainhirn, Hagauer, Ranzinger, Raetsch, Jaburek, Huber, Sammer, Geymayer und Stögerer verlassen den akademischen Bereich für "grünere Wiesen".

Edelsbrunner nimmt 1984 einen Ruf als Professor nach Urbana an, Welzl 1987 einen nach Berlin, Fellner 1989 nach Kanada und Aurenhammer geht 1990 nach Berlin.

K.C. Posch habilitiert sich 1998, und bleibt zu unserer Freude in Graz.

Maass
Wolfgang Maass

Lucas
Peter Lucas

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Franz Leberl

Nun gelingt es endlich auch, das Sonderpaket Professoren für die Telematik umzusetzen: Professor Dr. W. Maass kommt 1991 von Chicago zu uns, im selben Jahr Professor Dr. N. Scerbakov aus St. Petersburg, und ein Jahr später kehrt Aurenhammer nach Graz zurück, wo Maass mit ihm gemeinsam ein neues Institut gründet.

Das Jahr 1992 beschert uns zwei ganz wichtige Berufungen: Professor Dr. P. Lucas aus Kalifornien, ein Mann der sich mit seiner "Vienna Definition Language" zur Spezifikation der Semantik von Programmiersprachen wahrhaft ein Denkmal gesetzt hat. Die um 1967 entwickelte Methode ist heute noch so aktuell wie damals, eine Leistung, wie es wenige in der Informatik gibt. Lucas ist seit 2001 Emeritus und wohnt wieder in Kalifornien.

In diesem Jahr stößt auch Professor Dr. F. Leberl aus Colorado mit der Gründung eines neuen Instituts zu uns. Leberl ist ja ein in Graz fürwahr nicht Unbekannter: war er doch Jahre früher schon a.o. Professor an der TU Graz und hatte am JOANNEUM RESEARCH das sehr erfolgreiche Institut für Bildverarbeitung aufgebaut. Nach knapp vier Jahren beeindruckender Aufbauarbeit übernimmt er die Führung bzw. Sanierung des größten österreichischen Forschungsunternehmens Seibersdorf (ARCS), kehrt aber 1999 endgültig an die TU Graz zurück.

Im Jahre 2001 stößt Horst Bischof, ein Star im Bereich Bilderkennung/ Computervision zum Institut Leberl dazu, im selben Jahr beginnt Professor Dr. Klaus Tochtermann seine Tätigkeit in Graz, zunächst mit der Leitung des KNOW Kompetenzzentrums für Wissensmanagement, dann zusätzlich als Teilzeitprofessor für Wissensmanagement mit eigenem Institut an der TU Graz.

Im Jahr 2002 startet eine neues Studium "Softwareentwicklung und Wissensmanagement" (später in "Softwareentwicklung und Wirtschaft" umgetauft) und nur zwei Jahre später ein Studium "Informatik" und "Lehramt Informatik".

Professor Dr. Franz Wotawa, 2001 aus Wien gekommen, gründet 2003 ein neues Institut für Softwareentwicklung, das im selben Jahr durch Professor Dr. Wolfgang Slany, ebenfalls aus Wien, verstärkt wird. Dieses Institut soll noch 2008 durch eine Professur für Angewandte Softwareentwicklung ergänzt werden. Der Ruf an den Erstgereihten ist vor Drucklegung dieser Arbeit ergangen: wir hoffen auf einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss.

Keith Andrews habilitiert sich 2003 und ist bis jetzt an der TU Graz tätig.

Im Jahr 2004 wird die Informatik eine eigene Fakultät, mit mir als Dekan und K.C. Posch als Vizedekan. Der berühmte Kryptograph Professor Dr. V. Rijmen aus Belgien verstärkt das Institut R. Posch, der als CIO der österreichischen Bundesregierung, als DER Mann für e-Government und einer, der im europäischen Sicherheitsumfeld sehr aktiv ist, eine Entlastung gut brauchen kann. Die Finanzierung von Rijmen kommt aus einer Stiftung die R. Posch aufgebaut hat!

Im selben Jahr stößt Professor Dr. D. Schmalstieg aus Wien zum Institut Leberl, und bringt durch seinen START Grant gleich eine ganze Arbeitsgruppe zu seinem Thema "Augmented Reality" mit.

Professor Dr. G. Pfurtscheller, führende Persönlichkeit im Gebiet Brain-Computer Interface, seit 1977 schon Professor an der TU Graz, wechselt 2004 zu unserer Freude zur Fakultät für Informatik.

2005 gelingt es uns, Professor Dr. D. Fellner nach seinen Stationen Graz/ Kanada/ Bonn/ Braunschweig wieder nach Graz zu berufen, an ein eigenes Institut. Ein Wehrmutstropfen ist, dass er schon 2006 den Ruf als Nachfolger von Professor Encarnacao nach Darmstadt (sowohl TU wie Fraunhofer Institut Darmstadt) erhält, und daher nur mehr einen Teil seiner Zeit für Graz zur Verfügung haben wird. Allerdings wird dafür eine Fraunhofer Projektgruppe in Graz aufgebaut: wir hoffen, dass sich daraus eine Win-Win Situation für die Informatik in Graz und Fraunhofer in Darmstadt ergibt!

Aus beamtenrechtlichen Gründen übernimmt 2006 Frau Professor Dr. Christa Neuper, die hauptberuflich Professorin an der Karl-Franzens Universität in Graz ist, die Leitung des Pfurtscheller Instituts, das inzwischen in "Institut für Semantische Datenanalyse" umbenannt wurde. Eine Ausschreibung in diese mehr allgemeine Richtung wird 2008 erfolgen. Pfurtscheller selbst bleibt mit seiner Projektarbeit aktiv und erfolgreich wie immer!

Professor Dr. Frank Kappe, der nach Universitätserfahrung auch zehn Jahre als CTO einer Softwarefirma einbringt wird der "Styria Professor für Neue Medientechnologien" auf der Basis einer Stiftung des Styria Medien Konzerns.

Ende 2006 und Anfang 2007 gibt es zwei weitere Habilitationen zu vermelden: Dr. Oswin Aichholzer und Dr. Denis Helic.

Tochtermann gelingt 2007 die Verlängerung der Finanzierung des KNOW Centers auf weitere 7 Jahre. Leberl erreicht durch die Verschmelzung von Vexcel in Graz mit Microsoft, dass es nun ein wachsendes Microsoft Labor für Photogrammetrie in Graz gibt, eine weitere Stärkung des Standorts Graz im Bereich Computer Vision und Computer Graphics, ein alter Traum von Franz Leberl.

Zum Schluss darf ich noch einige Zahlen erwähnen, wobei sich diese durch das Wachstum seit ca. 1990 eher auf die letzten 15 als auf die ganzen 30 Jahre beziehen. Um auf eine für die allerletzten Jahre pro Jahr typischen Wert zukommen sollte man die Zahlen durch 10 dividieren. In Summe entstanden jedenfalls in diesen 30 Jahren 116 Dissertationen (heute im Schnitt also ca. 12 jährlich, Tendenz steigend), mehr als 1500 Diplomarbeiten oder Magisterarbeiten (wobei nur ca. 50% wegen der Aufteilung der Telematik auf zwei Fakultäten der Informatik zugerechnet werden sollten), es wurden fast 3.000 Publikationen verfasst, mehr als 100 Tagungen organisiert, mehr als 60 EU Projekte durchgeführt und ca. 50 Preise in verschiedensten Kategorien erworben. Einige weitere Zahlen über die letzten Jahre sind dem Bericht von Professor K. C. Posch zu entnehmen!

Am 6. November 2007 feierte die Fakultät "30 Jahre (institutionalisierte) Informatik an der TU Graz" mit einem Symposium SACS (Significant Advances in Computer Science). Das Programm spricht für sich, glaube ich.

Die Tagung beinhaltete auch eine Pressekonferenz und umfasste eine kleine Ausstellung der Institute, sowie Präsentationen der Sponsoren. Besonders darf die Buchspende vom Springer Verlag erwähnt werden.

Einige der Arbeiten des Symposium sind in darauffolgenden Ausgaben der Zeitschrift J.UCS nachzulesen (www.jucs.org).

Insgesamt glaube ich, dass man nicht nur auf die Veranstaltung sondern auch auf die 30 Jahre positiv zurücksehen kann. Freilich, es sei doch erwähnt, dass fast das gesamte Wachstum der Informatik durch Aktivitäten der Informatik selbst ausgelöst wurde (durch die Organisation von Stiftungen, durch die Einbindung der Industrie, durch unzählige Drittmittelprojekte): Wenn sich eine forschungsintensive Gruppe wie die Fakultät für Informatik zu mehr als 2/3 selbst finanzieren muss, dann ist das eine gefährliche, wenn nicht sogar instabile Entwicklung.

Wir hoffen, dass die Führung der TU Graz ihrem Motto folgt, das da heißt "Stärken stärken" und eine sichtbare Umschichtung von Personal zur Informatik erfolgen kann: die Informatik wird die Welt auch in den nächsten 30 Jahren mehr beeinflussen als viele andere Fächer, und ist zurzeit, trotz aller ihrer Erfolge die kleinste Fakultät an der TU Graz. Die TU Graz kann nur dann eine Spitzenuniversität werden, wenn einige wenige Bereiche, die jetzt schon im Spitzenbereich sind abgesichert und weiter ausgebaut werden.

In diesem Sinne bitten wir um pro-aktive Unterstützung durch das Rektorat und wünschen unserem neuen Dekan Professor Dr. Franz Leberl, der sein Amt mit 1. Jänner 2008 antritt, viel Erfolg. Dass er genügend Energie und Visionen hat, das bewies er in seinem Vortrag über die Zukunft der Informatik. Der Stand der Informatik 2007 wird in einem getrennten Bericht beschrieben. Eine englische PPT-Version (die mehr Bilder aber weniger Text enthält als diese Deutsche Variante) über die Geschichte, wie sie bei der Jubiläumsveranstaltung vorgetragen wurde ist auch im Austria Forum hier abrufbar. Sehr viele Bilder über die Geschicke der Informatik bis 2000, vor allem des von mir gegründeten ersten Informatik Institus IICM findet man auf Deutsch und Englisch unter MUCH ("Museum Unseres Computer Hinterhofs").

H. Maurer